Pünktlich und vor allem vollständig hat am heutigen Montag, den 29. Juni 2026, der Aufbau für das 189. Oktoberfest in München begonnen. Denn wie Wiesnchef Dr. Christian Scharpf am Morgen vor der Presse ausführte, stand der zeitgerechte Beginn in den letzten Wochen durchaus zur Debatte. Zwei juristische Klagen bezüglich der Vergabe der Festzelte Schottenhamel und Paulaner hatten die Verantwortlichen beschäftigt. Nach den rechtzeitigen gerichtlichen Entscheidungen zugunsten der Stadt kann die Wiesn nun jedoch wie gewohnt stattfinden.

Mit dem Auftakt verwandelt sich die Theresienwiese in eine der größten temporären Baustellen Europas. Der Logistikaufwand ist enorm: Pro großem Festzelt werden zwischen 70 und 100 Lkw-Ladungen an Material angeliefert. Vor diesem Hintergrund betonte Scharpf, dass auf der Baustelle weniger die Schaufel als vielmehr der Gabelstapler das entscheidende Arbeitsmittel der Wahl ist, um die immensen Mengen zu bewegen. Ein Wiesnzelt unterscheide sich grundlegend von herkömmlichen Aluminiumzelten kleinerer Volksfeste; es handle sich um regelrechte „Bierburgen“, die mit Fundamenten, festen Böden und aus hygienischen Gründen einbetonierten Küchenbereichen wie massive Gebäude errichtet werden.

Logistik, Zeitplan und Einschränkungen für Passanten

Aufgrund dieser aufwendigen Bauweise ist für den Aufbau ein Zeitraum von rund einem Vierteljahr veranschlagt. Der bereits vor einigen Jahren etablierte, vorgezogene Baubeginn wurde auch in diesem Jahr beibehalten, um Puffer für eventuelle witterungsbedingte Verzögerungen zu haben – eine Maßnahme, die sich angesichts des wechselhaften Sommerwetters erneut als sinnvoll erwiesen hat.

Der logistische Ablauf folgt einer strikten Priorisierung, die sich am Aufkommen des Baustellenverkehrs orientiert:

Phase 1 (ab Ende Juni): Errichtung der 14 großen Festzelte, da diese den intensivsten Lieferverkehr verursachen.

Phase 2 (im Verlauf): Aufbau der 21 kleineren Zelte, darunter Hühnerbratereien und Wurstimbissbuden.

Phase 3 (ab Ende August): Anlieferung und Aufbau der Fahrgeschäfte, insbesondere der Achterbahnen und Hochfahrgeschäfte. Die kleinen Spielbuden folgen ganz am Schluss.

Für die Münchner Bevölkerung bleibt die traditionelle Wiesnquerung zu Fuß oder mit dem Fahrrad so lange wie möglich geöffnet. Auf der Straße 50 ist der Durchgang derzeit noch uneingeschränkt möglich. Erst ab Ende August, wenn die heiße Phase des Aufbaus und die Installation der Fahrgeschäfte beginnen, wird das gesamte Gelände aus Sicherheitsgründen eingezäunt und für Passanten gesperrt.

Technische Aufrüstung: Neues Sicherheitszentrum und KI-Unterstützung

Hinsichtlich der erwarteten Besucherzahlen streben die Verantwortlichen keine neuen Rekorde an. Eine Marke zwischen sechs und sieben Millionen Gästen – im vergangenen Jahr waren es 6,7 Millionen – wird als eine gesunde und für die Gemütlichkeit der Wiesn verträgliche Größe angesehen.

Um den Komfort und die Sicherheit bei diesen Dimensionen zu gewährleisten, hat die Veranstaltungsleitung auf die Erfahrungen des Vorjahres reagiert. Während die Überfüllungssituation im Jahr 2015 das gesamte Gelände betraf und die darauffolgende Umzäunung im Jahr 2016 eine Reaktion auf das Attentat am Olympia-Einkaufszentrum war, traten im vergangenen Jahr erstmals punktuelle Überlastungen an spezifischen, neuralgischen Punkten auf – insbesondere im Bereich der Wirtsbudenstraße.

Als Konsequenz wurde die technische Ausstattung der Veranstaltungsleitung massiv ausgebaut:

Während die Polizei seit langem über 50 Kameras zur Strafverfolgung nutzt, verfügte die Festleitung bisher lediglich über 12 Kameras in den Eingangsbereichen und verließ sich ansonsten auf Sichtkontrollen durch mobiles Personal. 2026 wurde das gesamte Gelände flächendeckend mit Kameras der Veranstaltungsleitung ausgestattet, die an den bestehenden Lautsprechermasten montiert wurden.

Zudem wurde in Zusammenarbeit mit dem Baureferat in sehr kurzer Zeit eine neue Sicherheitszentrale im ehemaligen Fundbüro eingerichtet. Das Fundbüro selbst zieht dafür in eine Containerlösung auf die Theresienhöhe nahe dem Verkehrsmuseum um, sodass Betroffene das Wiesngelände für die Suche nach Verlustgegenständen künftig verlassen müssen. Die neue Sicherheitszentrale arbeitet mit einer KI-unterstützten Videoüberwachung. Sogenannte Heatmaps ermöglichen es, Menschenansammlungen frühzeitig zu erkennen und vorausschauend Maßnahmen gegen Pfropfenbildungen und Überlastungen zu ergreifen.

 

29.06.2026, Montag - Tag 1 Aufbau Okroberfest auf der Theresienwiese (©Foto: Martin Schmitz)

29.06.2026, Montag – Tag 1 Aufbau Oktoberfest auf der Theresienwiese (©Foto: Martin Schmitz)

Kommunikation und Appell an die Besucher

Auch im Bereich der Besucherlenkung und Kommunikation wurden Optimierungen vorgenommen. Nachdem es in der Vergangenheit zu Unklarheiten bei den Lautsprecherdurchsagen gekommen war, setzt die Festleitung an den Wochenenden nun dauerhaft auf einen professionellen Sprecher („Crowd Spotter“), um unmissverständliche Anweisungen zu garantieren.

Wiesnchef Scharpf betonte abschließend die Doppelrolle des Oktoberfests als Wirtschaftsfaktor und gesellschaftlicher Treffpunkt. Während das Event für Networking und Firmenveranstaltungen einen festen Rahmen bietet, erfordert die logistische und Sicherheitskomponente die volle Aufmerksamkeit der Festleitung, die im Behördenhof eng mit Polizei, Rettungsdiensten und Ordnungsamt kooperiert.

Über Social Media soll im Vorfeld gezielt im Ausland dafür geworben werden, die Wochenenden ohne feste Reservierung zu meiden. Um Frustrationen vor geschlossenen Zelten zu verhindern, lautet die offizielle Empfehlung, vermehrt die ruhigeren Werktage sowie die Mittagsauftritte in den Festzelten zu nutzen, bei denen bereits eine hervorragende Stimmung herrsche. Mit dem heutigen Baubeginn steuert München nun offiziell auf die fünfte Jahreszeit zu, was sich bereits in den kommenden Wochen durch die steigende Nachfrage in den Trachten- und Einzelhandelsgeschäften im Stadtgebiet bemerkbar machen dürfte.

Übrigens:

Beim Rundgang über die Baustelle, auf der die Spaten- und Augustiner-Kantinen bereits fast fertig aufgebaut sind und zahlreiche Toilettenanlagen Gestalt annehmen, gab es eine weitere Entdeckung. Bodos Cafézelt von Wirt Otto Lindinger erhält in diesem Jahr ein komplett neues Zelt. weshalb derzeit bereits an den modifizierten Fundamenten gearbeitet wird. Da das bisherige Zelt rund 35 Jahre im Einsatz war, stand der Generationswechsel nun fest. Ausführliche Details hierzu folgen in den kommenden Wochen.

Bodos Cafezelt wird neues Zelt erhalten: 29.06.2026, Montag - Tag 1 Aufbau Okroberfest auf der Theresienwiese (©Foto: Martin Schmitz)

Bodos Cafezelt wird neues Zelt erhalten: 29.06.2026, Montag – Tag 1 Aufbau Okroberfest auf der Theresienwiese (©Foto: Martin Schmitz)