Einen ganzen Sommer lang wird das Tegernseer Tal 2026 zur Freilichtgalerie. Bei den 2. Tegernsee Art Masters unter dem Titel „Seemeile Nr. 1 – Elemente“ verteilen sich vom 3. Juli bis 5. Oktober 2026 fünf großformatige Skulpturen von Tony Cragg rund um den See. Die Schirmherrschaft hat Anna Herzogin in Bayern übernommen. Und das Schöne daran: man müß kein Museum betreten, um dabei zu sein. Die Werke stehen unter freiem Himmel, direkt am Wasser, mitten in der Landschaft.

Tony Cragg gehört zu den bekanntesten Bildhauern der Gegenwart, und der Tegernsee ist für seine Arbeiten die perfekte Bühne. Seine Skulpturen greifen Formen auf, die man aus der Natur kennt, aus Wachstum, Bewegung und Verwandlung. In der offenen Berg- und Seenlandschaft treten sie in einen richtigen Dialog mit ihrer Umgebung. Je nach Licht, Blickwinkel und Tageszeit wirken sie anders. Das macht den Rundgang zu einem kleinen Abenteuer.

Einmal um den See, fünf Werke entdecken

Am besten planen Sie das Ganze als Spaziergang, Radtour oder Bootsausflug rund um den Tegernsee. In Rottach-Egern, direkt am Seeweg, steht „Senders“, eine 6,5 Meter hohe Skulptur aus weißem Fiberglas. Die Formen wirken organisch, fast wie ein wachsendes Wesen, und schwanken zwischen wilder Wucherung und klarer Konstruktion. Genau diese Spannung ist typisch für Cragg.

2. Tegernsee Art Masters 2026: In Rottach-Egern, direkt am Seeweg, steht „Senders“, eine 6,5 Meter hohe Skulptur aus weißem Fiberglas ©Foto: Hannes Magerstädt

2. Tegernsee Art Masters 2026: In Rottach-Egern, direkt am Seeweg, steht „Senders“, eine 6,5 Meter hohe Skulptur aus weißem Fiberglas ©Foto: Hannes Magerstädt

2. Tegernsee Art Masters 2026: Stefan Niedermaier (TAM), Schirmherrin Herzogin Anna in Bayern, Bildhauer Sir Tony Cragg ,TAM Kuratorin Dr Ellen Andra Seehusen ©Foto: Hannes Magerstädt

2. Tegernsee Art Masters 2026: Stefan Niedermaier (TAM), Schirmherrin Herzogin Anna in Bayern, Bildhauer Sir Tony Cragg ,TAM Kuratorin Dr Ellen Andra Seehusen ©Foto: Hannes Magerstädt

In Bad Wiessee finden Sie die mächtige Bronzeskulptur „Stacks“. Sie erinnert an verwitterte Felsen, an geschliffenes Holz oder an aufsteigende Lava. Übereinandergeschichtet, gefaltet, gedreht. Dieses Motiv entwickelt Cragg seit den 1970er Jahren immer weiter und versteht es als Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Gleich zwei Werke warten am Gut Kaltenbrunn. „Tommy“ ist aus grün eingefärbtem Kunststoff gefertigt, einem Material, das man sonst aus dem Bootsbau kennt, und setzt auf ausdrucksstarke, biomorphe Formen. Direkt daneben steht mit „Early Forms St. Gallen“ von 1997 die älteste Arbeit der Ausstellung. Cragg nimmt hier ganz gewöhnliche Alltagsgegenstände wie Schalen und Gefäße zum Ausgangspunkt, dehnt und verdreht sie und formt daraus etwas völlig Neues. Man denkt unwillkürlich an die Evolution, an das langsame Werden von Formen über Jahrmillionen.

Gleich zwei Werke warten am Gut Kaltenbrunn. „Tommy“ ist aus grün eingefärbtem Kunststoff (©Foto: Martin Schmitz)

Gleich zwei Werke warten am Gut Kaltenbrunn. „Tommy“ ist aus grün eingefärbtem Kunststoff (©Foto: Martin Schmitz)

Am Ufer beim Schloss Tegernsee schließlich ragt „Points of View“ aus poliertem Edelstahl empor. Zwei aufstrebende Säulen, die scheinbar aus dem Boden wachsen und in ihrer spiegelnden Oberfläche Himmel, Wasser und Bäume einfangen. Umrunden Sie die Skulptur, und sie verändert sich mit jedem Schritt. Die Form geht auf Zeichnungen menschlicher Gesichtsprofile zurück, daher der Titel „Standpunkt“. Aus jedem Blickwinkel ergibt sich ein neuer „Point of View“, ein hübsches Spiel mit der Wahrnehmung.

2. Tegernsee Art Masters 2026 Am Ufer beim Schloss Tegernsee schließlich ragt „Points of View“ aus poliertem Edelstahl empor©Foto: Hannes Magerstädt

2. Tegernsee Art Masters 2026 Am Ufer beim Schloss Tegernsee ragt „Points of View“ aus poliertem Edelstahl empor ©Foto: Hannes Magerstädt

Der Abschluss im Museum

Wer nach dem Rundgang am See noch mehr sehen möchte, ist ab dem 18. September im Olaf Gulbransson Museum in Tegernsee richtig. Dort zeigt Cragg Zeichnungen auf Papier und weitere Skulpturen, zu sehen bis Ende Februar 2027, dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Die Adresse: Olaf-Gulbransson-Straße 2-6, 83684 Tegernsee. Begleitend gibt es über den Sommer verteilt Events, Talks und Kunstaktionen.

Gut zu wissen

Die Ausstellung „Seemeile Nr. 1 – Elemente“ läuft vom 3. Juli bis 5. Oktober 2026 rund um den Tegernsee. Träger ist der Tegernsee Art Masters e.V. unter dem Vorsitz von Thomas Tomaschek und Initiator Heino Stamm, kuratiert von Dr. Ellen Andrea Seehusen. Realisiert wird das Projekt in Zusammenarbeit mit der Buchmann Galerie Berlin und dem Studio Tony Cragg sowie mit Unterstützung von Partnern, Firmen und Mäzenen.

Alle Termine und Standorte finden Sie unter www.tegernsee-art-masters.com sowie auf Instagram unter @Tegernsee_Art_Masters.

Kunst am Seeufer: Tony Cragg bespielt den Tegernsee - 2. Tegernsee Art Masters 2026 ©Foto: Hannes Magerstädt

Kunst am Seeufer: Tony Cragg bespielt den Tegernsee – 2. Tegernsee Art Masters 2026 ©Foto: Hannes Magerstädt

Über Tony Cragg

Tony Cragg, 1949 in Liverpool geboren, zählt zu den bedeutendsten Bildhauern unserer Zeit. Der britisch-deutsche Künstler schloss 1977 sein Studium am Royal College of Art ab und war mehrfach auf der Biennale von Venedig und der documenta in Kassel vertreten. Ausgezeichnet wurde er unter anderem mit dem Turner Prize (1988), dem Praemium Imperiale für Skulptur in Tokio und dem Verdienstkreuz 1. Klasse; 2007 wurde er in England in den Adelsstand erhoben. Cragg lehrte an der Universität der Künste Berlin und an der Kunstakademie Düsseldorf, deren Rektor er von 2009 bis 2013 war. Er lebt und arbeitet in Wuppertal, seine Werke sind in bedeutenden Museen und Sammlungen weltweit vertreten.

Gleich zwei Werke warten am Gut Kaltenbrunn. „Early Forms St. Gallen“ von 1997 die älteste Arbeit der Ausstellung (©Foto: Martin Schmitz)

Gleich zwei Werke warten am Gut Kaltenbrunn. „Early Forms St. Gallen“ von 1997 die älteste Arbeit der Ausstellung (©Foto: Martin Schmitz)