München darf sich freuen: Nach fast zwei Jahren Schließzeit öffnet das Valentin-Karlstadt-Musäum im Isartor am Freitag, den 10. Juli 2026, wieder seine Tore. Unter dem Motto „Neu gemacht, aufgefrischt, in Szene gesetzt“ präsentiert das städtische Haus ein glanzvolles Wiedersehen mit Karl Valentin, Liesl Karlstadt und der Münchner Volkssängerkunst.
Gefeiert wird die Rückkehr mit einem großen Fest, und wer den hintergründigen Münchner Witz des berühmten Komikerduos vermisst hat, sollte sich das Datum unbedingt vormerken.
Völlig neu: Liesl Karlstadt und der Flug zum Mond
Das Herzstück der Neugestaltung ist die völlig neue Ausstellung „Liesl Karlstadt: Flug zum Mond“, die im zweiten Stock zu erkunden ist. Sie erzählt Biografie und Karriere der kongenialen Bühnenpartnerin von Karl Valentin und zeigt eine bislang unbekannte, private Liesl Karlstadt.

neu gestaltet ist das nun Liesl Karlstadt gewidmete zweite Stockwerk des Karl Valentin Musäum (©Foto: Martin Schmitz)
Die Schau geht der Frage nach, wer jene Frau war, die 1892 als Elisabeth Wellano zur Welt kam. Aus einfachen Verhältnissen stammend, gab sie den sicheren Beruf der Verkäuferin auf, entschied sich für die Brettlbühne und schloss sich Karl Valentin an. Als Liesl Karlstadt gelang ihr an seiner Seite nie Dagewesenes, privat waren die beiden über lange Zeit liiert, obwohl Valentin verheiratet war.
Zunehmend wollte sie sich lösen und als Solokünstlerin etablieren, brillierte in Hauptrollen am Theater, im Radio und im Film und wurde in den fünfziger Jahren zur verehrten Volksschauspielerin.
Als sie 1960 überraschend mit 67 Jahren starb, war ganz München zu ihrer Beerdigung auf den Beinen. Ihr Ehrengrab auf dem Friedhof in Bogenhausen ziert bis heute ein rotes schmiedeeisernes Herz zum Aufklappen, außen Liesl, innen Wellano.
Der Ausstellungstitel selbst verweist auf das aufwendigste Bühnenstück des Duos, eine rasante, utopische Inszenierung mit Abflug in den Himmel, Blitzeinschlag und Absturz. Für die Museumsgäste wird der Weg hinauf zu Liesl Karlstadt so selbst zum stürmischen Raketenflug.

Turmstüberl des Karl Valentin Musäum (©Foto: Ingrid Grossmann)
Karl Valentin: Sturzflüge in den Zuschauerraum
Umfassend überarbeitet wurde auch die Ausstellung zu Karl Valentin unter dem Titel „Sturzflüge in den Zuschauerraum“. Sie überrascht mit Leihgaben von Original-Requisiten aus dem Nachlass Valentins, die aus der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität zu Köln stammen.
Zu sehen sind unter anderem das Fahrrad, mit dem der Komiker durch „Nacht und Nebel“ fährt, sowie das Steckenpferd, mit dem er als „Schwerer Reiter“ den Militarismus parodiert.
Aus dem eigenen Archiv kommen der aufgedoppelte Zylinder aus dem Stück „Das Christbaumbrettl“ und die Uniformjacke hinzu, in der Liesl Karlstadt als Trommlerbua in den „Raubrittern vor München“ mit Valentin über Ententräume sinniert. Das künstlerische Schaffen der beiden erzählen zudem die Dioramen der Ausstellung, kleine Miniaturbühnenbilder, die eigens neu in Szene gesetzt wurden.
An jedem Eck a Gaudi
Der Volkssängerausstellung „An jedem Eck a Gaudi“ ist die Geschichte der Münchner Volkssängerinnen und Volkssänger gewidmet. Hier ist der Münchner Vorstadt-Blues zu Hause, hier treten Spaßvögel, Soubretten und Komiker auf.

Volkssängerausstellung „An jedem Eck a Gaudi“: Karl Valentin Musäum im Isartor ©Foto: Martin Schmitz)
Das Verspotten und Überzeichnen gehörte fest zu dieser Unterhaltungskunst, machte sie aber zugleich anfällig für Populismus, für das Spiel mit Stereotypen und für gesellschaftliche Ressentiments.
In der neu gestalteten Schau sind solche Momente erstmals mit kritischen Interventionen gekennzeichnet und damit einordnend kommentiert.
Bereits im runderneuerten Kassen- und Eingangsbereich empfängt die Besucherinnen und Besucher die Valentinsche Ritterwelt mit ihren markanten Hellebarden und dem Euphonium.
Das Turmstüberl erstrahlt in neuem Glanz
98 Stufen weiter oben wartet das legendäre Traditionscafé Turmstüberl, eines der schönsten Cafés der Stadt, das nach der Sanierung in neuem Glanz erstrahlt. Neue Schätze aus dem Archiv des Musäums haben hier ihren Platz gefunden, darunter Ballabzeichen, Bierflaschen aus dem Jahr 1972 und ein Ziegelstein, der einst als Eintrittskarte diente.
Bei einem Haferl Kaffee mit Blick ins Tal lässt sich hier noch immer das Flair der alten Münchner Bohème erspüren. Das Turmstüberl nimmt seinen Betrieb einen Tag nach dem Musäum wieder auf, am 11. Juli 2026.
Zwei Jahre Sanierung im Isartor
Grund für die lange Schließzeit seit Oktober 2024 waren umfangreiche Brandschutzmaßnahmen, die das Baureferat von Dezember 2024 bis März 2026 umgesetzt hat. Auch die Gebäudetechnik erhielt ein nachhaltiges Update. Die Geschossdecken sind nun feuerbeständiger, die Treppentürme wurden als Fluchtwege durch Sicherheitsglas und Brandschutztüren von den Ausstellungsräumen abgetrennt, hinzu kommen eine neue Brandmeldeanlage und eine neue Sicherheitsbeleuchtung.

Karl Valentin Musäum Wiedereröffnung (©Foto: Martin Schmitz)
Neue Elektroleitungen, eine neue Beleuchtung sowie der Austausch der alten, ineffizienten Nachtspeicheröfen gegen einen Anschluss ans Fernwärmenetz samt erneuerter Heizungsanlage machen das Isartor bereit für einen weiteren Lebensabschnitt.
Verantwortet wurde die inhaltliche Neugestaltung von den Kuratorinnen Sabine Rinberger und Laura Mokrohs unter Mitarbeit von Andreas Koll, die szenografische Leitung lag bei Alfred Küng.
Der Münchner Kulturreferent Marek Wiechers würdigte das Haus als ein Kleinod in der reichhaltigen Münchner Museumslandschaft und zeigte sich erfreut, dass dieser wertvolle Ausstellungsort im Isartor dem Publikum wieder zugänglich ist und neue Aspekte im Leben der beiden Ausnahmekünstler beleuchtet.
Das Eröffnungsfest am 9. und 10. Juli
Gefeiert wird gleich an zwei Tagen bei freiem Eintritt im Innenhof des Isartors. Bereits am Donnerstag, den 9. Juli 2026, wird ab 19 Uhr warmgefeiert, mit Musik und Kabarett. Der große Moment folgt am Freitag, den 10. Juli: Um 11:01 Uhr, ganz im Geiste Karl Valentins, wird festgeredet, es ertönen die Hörner, und die Tore öffnen sich. Danach geht das Fest den ganzen Tag bis 22 Uhr weiter.
Für Stimmung sorgen unter anderem Lippentriller, Hasemanns Töchter, G.Rag und die Landlergschwister, das Hippie Kammerorchester, die Widersacher aller Liedermacher sowie der Loisach Marci.

Wird am 10.06.2026 öffnen: Karl Valentin Musäum Wiedereröffnung im Isartor – auch im Innenhof wird gefeiert (©Foto: Martin Schmitz)
Sonderführungen nach der Wiedereröffnung
In den Wochen nach der Eröffnung lädt das Musäum zu einer Reihe besonderer Führungen ein. Den Auftakt macht am 16. Juli von 18 bis 19 Uhr die Restauratorinnenführung „Schön gemacht!“ mit Veronika Disl, die Exponate wie Liesl Karlstadts Raubritter-Kostüm zeigt und über Restaurierung und Objektgeschichte berichtet.
Am 17. Juli von 16 bis 17 Uhr widmen sich die Kuratorinnen Sabine Rinberger und Laura Mokrohs unter dem Titel „Von Elisabeth Wellano bis Liesl Karlstadt und zurück“ der außergewöhnlichen Frauenbiografie der Künstlerin.
Am 21. Juli von 18 bis 19 Uhr erzählen Wirtin Bernadette Obergrußberger und Renate Luba unter dem Titel „Lieblingsecken“ die Geschichten hinter den Bildern und Objekten des neuen alten Turmstüberls.
Am 24. Juli von 16 bis 17 Uhr führt „Rundumadum“ einmal quer durch das ganze Haus. Im Herbst, am 15. November von 11 bis 12 Uhr, hebt die exklusive Führung „Aus den Tiefen: Archivgeschichten“ verborgene Objekte aus dem verwunschenen Archivraum im dritten Stock des Nordturms.
Eine Anmeldung ist per E-Mail an vermittlung.vkm@muenchen.de oder telefonisch unter (089) 22 32 66 möglich.
Öffnungszeiten, Preise und Anfahrt
Ab dem 10. Juli 2026 ist das Musäum täglich außer mittwochs von 11 bis 18 Uhr geöffnet, sonntags bereits ab 10 Uhr. Der Eintritt bleibt angenehm günstig: Erwachsene zahlen 3,99 Euro, ermäßigt sind es 2,99 Euro.
Kinder bis 18 Jahre sowie Auszubildende kommen kostenlos hinein, und wer öfter vorbeischauen möchte, ist mit der Jahreskarte für 24,99 Euro (ermäßigt 12,99 Euro) gut bedient.
Ein Hinweis für Ihren Besuch: Die Ausstellungsräume und das Café sind auch nach dem Umbau nur über eine Wendeltreppe erreichbar, ein Aufzug wurde nicht eingebaut.
Sie finden das Valentin-Karlstadt-Musäum Im Tal 50 in 80331 München, direkt am Isartor.
Die Anfahrt gelingt bequem mit den S-Bahnen 1 bis 8, den Tramlinien 16 und 18 sowie der Buslinie 132, jeweils bis zur Haltestelle Isartor.

Karl Valentin Musäum Wiedereröffnung im Isartor (©Foto: Ingrid Grossmann)

