POLARWELTEN im Pineapple Cube: Reinhold Messner und Max von der Groeben bei der Eröffnung der Polar-Ausstellung
Arktis und Antarktis ohne dicke Winterjacke: Im Pineapple Cube an der Münchner Arnulfstraße hat die Erlebnisausstellung POLARWELTEN – Die immersive Ausstellung über die Arktis und Antarktis ihre Weltpremiere gefeiert. Unter den ersten Gästen waren Bergsteigerlegende Reinhold Messner, Schauspieler Max von der Groeben, Everest-Besteiger Alexander Freiherr von Cramm und die Polarforscherin Birgit Sattler. Ab Freitag, 30. Oktober 2026, ist die Ausstellung bis zum 28. Februar 2027 für das Publikum geöffnet.
Hinter der Eigenproduktion steht der Passauer Veranstalter COFO Entertainment. Raumfüllende 360-Grad-Projektionen, Exponate aus der Polarforschung und wissenschaftlich fundierte Inhalte sollen die entlegensten Regionen der Erde greifbar machen. München ist der Auftakt einer internationalen Ausstellungsreihe, im November folgt bereits Köln.
Die Idee hinter der Ausstellung
Geschäftsführer Oliver Forster beschreibt das Ziel so: „Mit POLARWELTEN wollen wir Wissenschaft emotional erlebbar machen und zeigen, wie eng die Polarregionen mit unserem Leben und unserer Zukunft verbunden sind.“ Ein bildstarkes Naturerlebnis soll informieren und zum Nachdenken anregen, und zwar für alle Generationen, vom Schulkind bis zum Erwachsenen. Familien mit Kindern und Schulklassen sind ebenso angesprochen wie interessierte Erwachsene.
Vom Expeditionsboot bis zum Forschungscamp
Mit den Worten „Willkommen am Ende der Welt“ beginnt der Rundgang, der durch mehrere Themenwelten führt und die geografischen, geologischen und klimatischen Unterschiede zwischen der Arktis im Norden und der Antarktis am Südpol herausarbeitet. Am Anfang steht ein Blick zurück auf die Entstehung der beiden Polarregionen, erläutert auf großen Tafeln. Zu sehen sind außerdem Exponate wie ein Expeditionsschlauchboot, ein Überlebensanzug und Forschungsutensilien. Eine Station erklärt, wie Polarlichter entstehen und in welchen Farben sie leuchten. Im nachgebauten Camp bekommt man Einblick in den Alltag der Polarforscher, von der Kleidung über das Training und die dehydrierte Nahrung bis zur Wetterstation.
Eisbär, Pinguin und Wal zum Hören
Einen Schwerpunkt bildet die Tierwelt der Pole. Nachbildungen, großformatige Fotografien, historische Filmsequenzen und interaktive Medien stellen Eisbären, Pinguine, Wale und andere Meeresbewohner vor. Besonders anschaulich: Wie an einem Telefonhörer lässt sich der Originalton eines Wals oder eines Eisbären anhören. Weitere Bereiche widmen sich dem Alltag und der Kultur der Inuit, ihren jahrhundertealten Traditionen und ihrer Anpassung an eines der unwirtlichsten Klimata der Erde, außerdem der modernen Polarforschung. Auch die Frage, warum das Eis schwindet, wird aufgegriffen.
Herzstück ist der 360-Grad-Erlebnisraum
Am Ende des Rundgangs steht ein großer immersiver 360-Grad-Raum. In einer rund 25-minütigen Inszenierung verbinden sich großformatige Bildwelten, Projektionstechnik und ein Raumklang mit echten Naturgeräuschen. Die Besucher tauchen virtuell in die Tiefen des Polarmeers ein, ziehen an Gletschern vorbei und begegnen der Tierwelt in ihrer natürlichen Umgebung. Polarlichter, die Mitternachtssonne und die Stille der Polarnacht wechseln einander ab.
Gäste mit Polarerfahrung
Wer die Antarktis selbst durchquert hat, schaut mit besonderem Blick auf eine solche Ausstellung. Reinhold Messner sieht sie vor allem als Einstieg für junge Leute: „Ich finde, dass die Ausstellung für Schüler ideal ist, um bei einem Rundgang einen ersten Eindruck zu bekommen. Wenn man wie ich monatelang in der Antarktis unterwegs war – ich war 92 Tage dort –, weiß man: Das ist noch einmal eine ganz andere Dimension, eine Welt für sich. Aber das hier ist ein wunderbarer Einblick für München.“
Max von der Groeben kennt den hohen Norden bislang nur vom Hörensagen: „Großartig! Ich fahre immer an die Nordsee, war aber noch nie in den Polarregionen. Da ist auf alle Fälle noch Luft nach oben, was den Norden angeht. Hier wird einem dieser entfernte Lebensraum schon einmal auf wunderschöne Art nahegebracht.“

Mount-Everest-Besteiger und Antarktis-Reisender Alexander Freiherr von Cramm war selbst vor drei Jahren dort. Was ihn an den Polarregionen reizt, fasst er knapp zusammen: „Diese Naturschönheit und diese Weite, das ist es, was mich fasziniert. Deswegen freue ich mich riesig über diese Ausstellung. Die Fotos, die Impressionen – einfach klasse!“
Die Wissenschaft war mit Mag. Dr. Birgit Sattler vertreten, Professorin am Institut für Ökologie der Universität Innsbruck und Vizedirektorin des Österreichischen Polarinstituts (APRI). Ihr liegt der Schutz dieser Regionen am Herzen: „Mit dem Gletscherschwund bzw. Eisverlust verlieren wir nicht nur Eis, sondern eben auch Biodiversität und ein großes Potenzial. Wir verlieren eigentlich einen riesengroßen Medizinkasten. Das alles ist auch ein Spiegel unserer Gesellschaft.“
Von Banksy zum ewigen Eis
Bekannt geworden ist COFO Entertainment über klassische Konzerte und Shows hinaus mit Ausstellungen über den Street-Art-Künstler Banksy. Formate wie „The Mystery of Banksy – A Genius Mind“ und „House of Banksy – An Unauthorized Exhibition“ waren nach Veranstalterangaben an 41 Standorten in zwölf Ländern zu sehen und zählten mehr als vier Millionen Besucher. Allein das „House of Banksy“ am Stachus zog 2024 in München rund 200.000 Menschen an. Mit POLARWELTEN nutzt Forster die immersive Technik nun nicht für Kunstwerke, sondern für Wissenschaft: Biologische Vielfalt, die Bedeutung der Pole für das Klima und die Polarforschung sollen verständlich werden, ohne erhobenen Zeigefinger.

Spendenaktion mit Greenpeace
Partner der Ausstellung ist die Umweltorganisation Greenpeace, die vor Ort über die Geschichte des Polarschutzes und über die Bedrohung der Ökosysteme durch Klimawandel, industrielle Ausbeutung und Verschmutzung informiert. In der Ausstellung steht zudem eine Spendenbox für die „Deep Arctic Expedition“ von Greenpeace. Bei diesem Projekt erkunden Wissenschaftler die bislang kaum erforschte arktische Tiefsee in bis zu 3.000 Metern Tiefe, um diese Lebensräume zu dokumentieren und vor dem kommerziellen Tiefseebergbau zu schützen. Die Ausstellungsmacher verdoppeln die gesammelten Spenden am Ende der Laufzeit, der Betrag geht vollständig an das Projekt.
Öffnungszeiten, Tickets und Anfahrt
POLARWELTEN ist vom 30. Oktober 2026 bis zum 28. Februar 2027 geöffnet, und zwar dienstags, mittwochs, sonntags und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr sowie donnerstags, freitags und samstags von 10 bis 20 Uhr. Montags bleibt die Ausstellung geschlossen, ebenso am 24. und 25. Dezember 2026 sowie am 1. Januar 2027. Der letzte Einlass ist jeweils eine Stunde vor Ende der Öffnungszeit. Die Ausstellung ist zweisprachig angelegt und rollstuhlgerecht.
Der Besuch läuft über Zeitfenstertickets, die Verweildauer in der Ausstellung ist danach nicht begrenzt. Da die Plätze pro Zeitfenster begrenzt sind, empfiehlt der Veranstalter, frühzeitig zu buchen. Eintrittskarten, Preise sowie Informationen zu Gruppenrabatten für Schulklassen und zum barrierefreien Zugang gibt es auf der offiziellen Projektseite polarwelten-ausstellung.de.
Der Pineapple Cube liegt an der Arnulfstraße 195 in 80634 München. Die Haltestelle Briefzentrum der Tramlinien 16 und 17 befindet sich direkt vor dem Gelände, die S-Bahn-Station Hirschgarten ist rund 600 Meter entfernt.




