Presserundgang über die Wiesn 2026 2 Tage vor Wiesnstart
Segnung im Paulaner Festzelt, neue Wirte und drei Premieren
Zwei Tage vor dem Anstich hat die Landeshauptstadt München zum traditionellen Presserundgang über das Oktoberfest geladen. Oberbürgermeister Dominik Krause, Wirtschaftsreferent und Wiesnchef Dr. Christian Scharpf sowie Wiesn-Stadträtin Anja Berger führten die Journalistinnen und Journalisten über die Theresienwiese, vorbei an frisch aufgebauten Zelten, an Fahrgeschäften mit noch blitzenden Blechen und an Betrieben, die heuer zum ersten Mal auf dem größten Volksfest der Welt vertreten sind. Das 191. Oktoberfest dauert vom 19. September bis zum 4. Oktober 2026.
Auftakt mit Blasmusik vor der Schützenlisl
Treffpunkt war die Oide Wiesn, wo die Festkapelle der Münchner Oktoberfestmusikanten unter der Leitung von Wolfgang Grünbauer den Vormittag musikalisch eröffnete. Christian Scharpf begrüßte im Anschluss die Runde, neben dem Oberbürgermeister auch die Dritte Bürgermeisterin Verena Dietl und Anja Berger stellvertretend für den Stadtrat. Willkommen hieß der Wiesnchef zudem die Vertreter der Schausteller- und Marktkaufleuteverbände, die großen und kleinen Wiesnwirte, die Vorstände der Münchner Brauereien sowie Einsatzkräfte und Behördenvertreter von Polizei, Feuerwehr und TÜV. Eigens hervorgehoben wurde der angereiste Präsident des Deutschen Schaustellerbundes, Albert Ritter, der später am Riesenrad selbst das Wort ergriff.
Dominik Krause wies mit Blick auf das dichte Programm auf einen straffen Zeitplan hin und schilderte seine Eindrücke aus der Vorbereitungswoche. Nach Abschluss der Aufbauarbeiten seien alle Vorbereitungen für den Feststart getroffen. Sein Dank galt den städtischen Dienststellen, dem Wiesnchef, den beteiligten Festwirten, dem Aufbaupersonal sowie den Schaustellerinnen und Schaustellern. Neben Bewährtem kündigte er Neuerungen bei Fahrgeschäften, Festzelten und Wirtsleuten an, deren erste Station gleich im Rücken der Gäste lag.

Kardinal Reinhard Marx segnet das Paulaner Festzelt
Noch vor dem offiziellen Rundgang stand ein zuror auch nicht kommunizierte Termin im Paulaner Festzelt an der Wirtsbudenstraße 11 auf dem Programm, als wir daran auf dem Weg zur Presserundgang vorbeikamen: Kardinal Reinhard Marx nahm die Segnung des Zeltes vor, das seit heuer von Christine und Lorenz Stiftl geführt wird.
Das Wirtepaar war zuvor auf der Oidn Wiesn mit der Schützenlisl vertreten und übernimmt nun eine der großen Brauereifesthallen auf dem Oktoberfest. Zwischen Blaskapelle, Weihrauch und den letzten Handgriffen der Aufbauteams bekam der Zeltwechsel damit seinen feierlichen Rahmen.

Volkssängerzelt Schützenlisl mit neuem Wirtetrio
Erste Station des Rundgangs war das Volkssängerzelt Schützenlisl auf der Oidn Wiesn 38. Dort bildet Michael Bietsch, bis 2025 Betreiber und Wirt der Historischen Kegelbahn, gemeinsam mit den Geschäftsführern der Münchner Suppenküche, Florian Fendt und Manfred Kneifel, das neue Wirtetrio. Am altmünchnerischen Charakter des Hauses soll sich wenig ändern, auch Traudi Siferlinger bleibt die musikalische Leiterin. Bei Gastlichkeit, Qualität und Programm setzen die drei behutsam eigene Akzente. Eine Änderung betrifft das Bier: Künftig wird Hacker-Pschorr aus dem Holzfass ausgeschenkt.
Den Empfang im Zelt übernahm ein Gstanzl, wie es zur Volkssängerei gehört, und in dem neben anderen auch der Wiesnchef und der Oberbürgermeister ihr Fett wegbekamen. Danach ging der Blick zurück auf die namensgebende Schützenlisl Coletta Möritz, die 1881 beim Deutschen Bundesschießen auf der Theresienwiese als Bedienung arbeitete und deren Bild bis heute als Sinnbild bayerischer Wirtshauskultur gilt. Traudi Siferlinger verwies darauf, dass die Namensgeberin ausgerechnet am Tag des Wiesn-Auftakts Geburtstag hat.
Die Wirte berichteten von der Aufbauphase, die für sie am 1. August begonnen hatte, und von den Verzögerungen in den vergangenen Wochen. Rechtzeitig fertig geworden ist das Zelt dennoch, wofür sich das Trio bei den beteiligten Handwerkern und bei der Stadt München bedankte, namentlich bei Dominik Krause und Christian Scharpf. Der Oberbürgermeister wiederum erinnerte an sein erstes Anzapfen eines Hirschen in der Schützenlisl und verband damit die Hoffnung auf einen guten Start.
Wie das Zelt klingen soll, erläuterte Traudi Siferlinger zum Abschluss der Station. Geboten wird ein durchgehendes Programm bayerischer Volkssänger und Musikgruppen ohne Umbaupausen, dazu kommen kostenlose Liederhefte zum Mitsingen. Ergänzt wird das Ganze durch Workshops, von der Gstanzl-Werkstatt für Kinder über das Seniorensingen bis zum Jodelkurs. Im Mittelpunkt steht das gemeinsame Singen, nicht die Bühne allein.

Riesenrad und die Schaustellerkultur als Kulturerbe
An der Straße 5/2 dreht sich das 50 Meter hohe Riesenrad, das seit 1979 zum festen Bild des Oktoberfests gehört. Die Schaustellerfamilie Willenborg ist seit 90 Jahren im Geschäft, geführt wird der Betrieb heute in dritter Generation von Gabriele und Sebastian Willenborg. Bevor Heinrich Willenborg 1960 als erster deutscher Schausteller ein Riesenrad aus Stahl bauen ließ und es auch auf der Wiesn aufstellte, war die Familie mit ganz unterschiedlichen Geschäften unterwegs, zeitweise mit vier gleichzeitig, darunter Autoscooter, Geisterbahn, Laufgeschäfte und die Teufelskutsche, ein Vorläufer der Wilden Maus.
Zum Auftakt der Station gratulierte Dominik Krause der Familie zum 90-jährigen Bestehen ihres Betriebs. Sebastian Willenborg blickte daraufhin auf die Anfänge zurück: 1936 wurde das Unternehmen in München von seinem Großvater gegründet. Besonders hob er den Mut seiner Großmutter und seiner Mutter hervor, die vor fast 50 Jahren in einer damals stark männlich geprägten Branche die erhebliche Investition in das heutige Riesenrad wagten, das inzwischen zu den Wahrzeichen der Wiesn zählt. Volksfeste, so Willenborg, seien Orte der friedlichen Begegnung und des Austauschs für Menschen aus aller Welt.
Schaustellerkultur als Immaterielles Kulturerbe
Am Riesenrad rückte eine Anerkennung in den Mittelpunkt, die die Branche in diesem Jahr erreicht hat. Dominik Krause hob dort die Rolle des Schaustellergewerbes für das Oktoberfest hervor: Neben den Bierzelten seien es die Fahrgeschäfte und Buden, die den Charakter der Wiesn prägen. Albert Ritter schilderte anschließend den langen Weg zur Aufnahme der Schaustellerkultur in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes, an der seit 1999 gearbeitet worden sei. Am 27. März 2026 fiel die Entscheidung. Gewürdigt werden damit das traditionelle Handwerk, die Arbeit von mehr als 5.000 Schaustellerfamilien und eine rund 1.200-jährige Geschichte von Kirmes und Volksfesten.
Den fachlichen Hintergrund erläuterte Dr. Margit Ramus, promovierte Kunsthistorikerin und selbst Schaustellerin. Ausgezeichnet werde nicht allein ein Berufsstand, sondern vor allem eine Lebensweise mit ihren familiären Traditionen und dem Erfahrungswissen, das über Generationen weitergegeben wird. Beschrieben ist damit genau jenes Zusammenspiel von Fahrgeschäften, Spielangeboten und mobiler Gastronomie, das auch das Oktoberfest ausmacht und Volksfeste zu Orten der Begegnung für alle Bevölkerungsgruppen macht.
Zur Sprache kam am Riesenrad auch die Diskussion um die Gestaltung von Pappmaché-Figuren an Fahrgeschäften. Albert Ritter verwies darauf, dass die Betriebe für Jugendschutz und Rechtssicherheit einträten, mahnte aber Verhältnismäßigkeit und einen Dialog mit den Betroffenen an, statt vorschnell Verbote auszusprechen oder Unterschiede zwischen Hoch- und Breitenkultur zu konstruieren.

Shake & Roll, The Fisherman’s Place und Chaos Pendel feiern Premiere
Gleich drei Geschäfte stehen heuer zum ersten Mal auf der Theresienwiese. Das Rundfahrgeschäft Shake & Roll an der Matthias-Pschorr-Straße 52 ist eine Weiterentwicklung des klassischen Break Dance. Anders als beim Vorgänger sind die Gondeln nicht starr montiert, sondern können sich frei überschlagen. Die Fliehkräfte bringen sie ins Schaukeln und lassen komplette Loopings entstehen, nicht motorgesteuert, sondern allein durch die Physik der Bewegung. Jede Fahrt verläuft dadurch anders, weil Anzahl und Intensität der Überschläge vom Gewicht der Fahrgäste und von der Fahrweise des Rekommandeurs abhängen. Verantwortlich zeichnen Else und Elisabeth Schäfer.
Für den Betrieb geht mit der Premiere auf der Theresienwiese ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung, wie Elisabeth Schäfer im Gespräch mit Christian Scharpf erzählte: Einmal auf dem größten Volksfest der Welt zu stehen und die Burschen und Madeln gründlich durchzuschütteln, davon habe man lange geträumt. Auf die Nachfrage des Wiesnchefs, worin denn der Unterschied zum in München bestens bekannten Break Dance liege, verwies sie auf die Technik. Die Gondeln werden weder motorisch angetrieben noch zwangsgeführt, die Schausteller haben während der Fahrt keinen Zugriff auf die einzelnen Überschläge. Sämtliche seitlichen Drehungen und Loopings entstehen allein aus den Dreh- und Fliehkräften, die sich aus der Bewegung der großen Hauptplatte und der rotierenden Gondelkreuze überlagern. Das Geschäft geht vollständig über Kopf, erreicht dabei höhere Geschwindigkeiten und bleibt in seinen Überschlägen unberechenbar.
Auch Dominik Krause hakte an der Station nach. Wie eng getaktet der Aufbau war, zeigte dabei ein Blick auf den Kalender: Noch bis zum Dienstag stand das Geschäft auf der Hüstener Kirmes im Sauerland, dem größten Volksfest der Region, die am 15. September zu Ende ging. Es folgten Abbau, Überführung und Montage in München. Zum Zeitpunkt des Rundgangs war deshalb zwar das Probesitzen in den freischwingenden Gondeln möglich, eine Testfahrt unter Last stand aber noch aus. Die TÜV-Abnahme war für den Tag vor dem Anstich angesetzt.
Das Schau- und Belustigungsgeschäft The Fisherman’s Place an der Straße 3 Ost/5 ist ein 2026 fertiggestellter Neubau und bietet auf drei Etagen Spaß, Action und Wasserabenteuer. Thematisch bewegt man sich in einem Fischerdorf, das nicht nur mit glatten Blechen, sondern auch mit zahlreichen Polyester-Anbauteilen für plastische 3-D-Effekte gestaltet ist. Vor dem eigentlichen Geschäft ergänzt ein 15 Meter langer Laufparcours das Erlebnis. Betrieben wird es von Nadine und Franz-Xaver Kollmann.
Wer durch das Geschäft ging, fühlte sich beim Anblick der Gestaltung und der Figuren ein wenig an Disneyland erinnert. Wie es zu dem Motiv kam, erläuterte Nadine Kollmann: Viele Themen seien im Schaustellergeschäft bereits mehrfach vertreten, ihr Partner wiederum ist Sportfischer, und so fiel die Wahl auf das Fischerdorf. Das farbenfrohe Design soll Urlaubsstimmung mit Sonne und Wasser vermitteln. Ein Punkt, der von außen kaum auffällt, spielte bei der Konstruktion ebenfalls eine große Rolle: Die gesamte Anlage ist so konzipiert, dass sie auf einen einzigen Transport passt, was Energie und Kosten spart. Kinder ab drei Jahren dürfen in Begleitung Erwachsener hinein, ab sechs Jahren auch allein.
Anja Berger hob zum Abschluss der Station die Gestaltung hervor. Die leuchtenden Farben und die eingebundenen Wasserelemente wirkten ansprechend und luden zum Besuch ein.
Für kräftige Fliehkräfte sorgt das Chaos Pendel an der Straße 3 Ost/9. Das Fahrgeschäft von Willi Ottens Junior wirbelt seine Gäste in bis zu 47 Meter Höhe und mit bis zu 90 km/h durch die Luft. Angetrieben von einem rotierenden Arm, der selbst an einem schwenkbaren Propeller hängt, drehen sich die beiden Gondeln zusätzlich um die eigene Achse. Durch die dreifach gekoppelte Bewegung entstehen immer neue Fahrverläufe und eine permanente Beschleunigung.
Bodos Café Zelt in Holzbauweise
An der Straße 2/4 ersetzt Festwirt Otto Lindinger für das Oktoberfest 2026 das alte Aluminiumzelt von Bodo’s Cafézelt & Cocktailbar durch ein komplett neues Festzelt mit Galerie in nachhaltiger Holzbauweise. Die Bar wurde vergrößert und auf die Galerie verlegt, ein zusätzlicher Außenbereich bei der Galerie schafft mehr Raum und Aufenthaltsqualität. Der überdachte Straßenverkauf lädt mit Sitzplätzen und einer Siebträger-Kaffeemaschine zum Einkehren ein. Mit 587 Gastplätzen bleibt die Kapazität unverändert, das offenere Konzept schafft aber mehr Bewegungsfreiheit und soll einer Überfüllung entgegenwirken.

100 Jahre Hühnerbraterei Poschner
Ein Jubiläum feiert die Hühnerbraterei Poschner an der Wirtsbudenstraße 47. Seit 1926 kommen hier Hendl und Enten frisch vom Grill auf den Tisch, das Haus steht für Qualität, Handwerk und bayerische Wirtshauskultur auf der Theresienwiese. Zum 100-jährigen Bestehen bleiben Thomas und Christian Luff beim bewährten familienfreundlichen Angebot. Nachhaltigkeit und Inklusion prägen das Handeln des Traditionsunternehmens, das als erstes bayerisches Festzelt mit dem Signet „Bayern barrierefrei“ des Freistaats ausgezeichnet wurde.

Bartls Flößerstadl bringt die Isarflößer auf die Wiesn
An der Wirtsbudenstraße 26 übernimmt Klaus Bartl kurzfristig den Platz der Münchner Stubn. Der langjährige Chef des Campingplatzes Thalkirchen ist mit seinem Zelt Bartls Flößerstadl auf der Theresienwiese vertreten und greift darin die Geschichte und Bedeutung der Flößerei für München und die Region auf. Die Flößertradition soll sich im ganzen Zelt wiederfinden, auf der Speisekarte stehen regionale Qualitätsprodukte mit Schwerpunkt auf Bio- und Fair-Trade-Zutaten. Platz bietet das Zelt für 398 Gäste.

Der Rundgang endete dort, wo der Vormittag begonnen hatte: im Paulaner Festzelt. Am Samstag, 19. September, um 12 Uhr zapft Oberbürgermeister Dominik Krause in der Festhalle Schottenhamel das erste Fass an, damit beginnt der Ausschank in allen Zelten. Bis zum 4. Oktober wird sich zeigen, wie die zünftige Mischung aus bewährten Betrieben, neuen Wirten und drei Fahrgeschäft-Premieren bei den Gästen ankommt.
Dann viel Spaß bis zum Auftakt am 19.09.2026 wüscht Ihnen ganz-muenchen.de




