Maria Theresia – Das Musical

Geschichtsstunde mit der Kaiserin: Maria Theresia als Musical-Majestät im Ronacher Wien (noch bis 26. Juni 2027)

Knapp 20 Meter hoch! Mit einem Denkmal der Superlative ehrten die Österreicher ihre Maria Theresia! Die Kaiserin (1717-1780)  thront zwischen dem Kunst- und dem Naturhistorischen Museum und eigentlich jeder, der Wien besucht, kommt an diesem Platz vorbei. Maria Theresia – heute würde man sagen: eine Powerfrau. Sie kam mit 23 Jahren auf den Thron und war nicht nur eine mächtige Herrscherin im Habsburger Reich. Sie modernisierte Verwaltung, Finanzwesen und das Strafrecht. Sie führte die Unterrichtspflicht ein und verstaatlichte das Glücksspiel. So ganz nebenbei brachte sie außerdem 16 Kinder auf die Welt und galt als „Mutter der Nation“.

Mit einem aufwendigen Musical setzen seit Oktober 2025 die Vereinigten Bühnen Wien der Monarchin ein musikalisches Denkmal: Maria Theresia – Das Musical . Mit Biografien aus der Austria-Geschichte kennt man sich dort bestens aus: „Elisabeth“ und „Mozart!“  (von Sylvester Levay und Michael Kunze) , „Rudolf – der letzte Kuss“ (über des Erzherzogs letzte Liebe, von Frank Wildhorn und Jack Murphy) und „Rock me Amadeus“ (Falco-Musical von Rob und Ferdi Bolland) waren bereits Mega-Erfolge. Auch die Geschichte der Habsburgerin entwickelte sich schnell zum Hit: Noch vor der Weltpremiere waren bereits die ersten 100.000 Tickets verkauft!

Szene aus "Maria Theresia - Das Musical" im Ronacher Wien. Quelle: VBW - Deen van Meer
Szene aus „Maria Theresia – Das Musical“ im Ronacher Wien. Quelle: VBW – Deen van Meer

Intrigen, Krieg und große Gefühle werden von einem kreativen Dream-Team in eine knapp dreistündige Bühnenshow verpackt, gekonnt aus der Rokoko-Zeit ins Heute geholt. Denn Maria Theresia, die erste weibliche Herrscherin des Habsburger Reichs, war „eine Visionärin, die die Spielregeln neu festgelegt hat, deren Relevanz bis in die heutige Zeit reicht“ so VBW- Musical Intendant Christian Struppeck (auch kreative Entwicklung der Show).

Poppig, mal mit großem Drama und dann gleich wieder als lauter Rap klingen die Songs von Dieter Falk und Paul Falk (über 50 Gold- und Platinauszeichnungen, schrieben Hits für Roland Kaiser und Helene Fischer). Highlights: das leidenschaftliche „Ist viel jemals genug?“ eindringlich gesungen von Maria Theresia, wechselt sich ab mit hartem Rap im Rammstein-Style  „Dass ich liebe, hasse ich“, dem Song von Friedrich von Preussen – mit Hammer-Note am Schluss.

Szene aus "Maria Theresia - Das Musical" im Ronacher Wien. Quelle: VBW - Deen van Meer
Szene aus „Maria Theresia – Das Musical“ im Ronacher Wien. Quelle: VBW – Deen van Meer

Die Liedtexte stammen von Jonathan Zelter, auch der weiß, wie man Zuschauer begeistert: sein eigener Song „Ein Teil von meinem Herzen“ kann stolze 20 Mio Aufrufe auf YouTube vorweisen.

Für die Choreographie lässt Jonathan Huor seine Tänzer schon mal am Kronleuchter schwingen und hat erstmals Bewegungen aus dem Parkour eingebaut.  „Maria Theresia musste viele Hindernisse überwinden, dies wollte ich damit ausdrücken“, so der Star-Choreograph. Eine Szene zum Schmunzeln: weil die Monarchin auch für ihre Kinderschar bekannt war (oder wie Hauptdarstellerin Nienke Lattten fassungslos feststellt: „Mein Gott, sie war 20 Jahre schwanger!“), lässt Regisseur Alex Balga seine Darsteller zum Song „Working Mum – hat im Staat die Hosen an“ ein witziges Kinderwagen-Ballett aufführen. Licht (Ben Cracknell), Kostüme (Aleksandra Kica), Bühnenbild und Videodesign (Morgan Large) sind bombastisch und spiegeln sich auf dem polierten Bühnenboden. Das große Live-Orchester (Leitung Carsten Paap) verleiht einem Besuch im Ronacher noch den ganz besonderen Glow.

Szene aus "Maria Theresia - Das Musical" im Ronacher Wien. Quelle: VBW - Deen van Meer
Szene aus „Maria Theresia – Das Musical“ im Ronacher Wien. Quelle: VBW – Deen van Meer

Tüpfelchen auf dem I sind selbstverständlich die Darsteller. Aus bald 2000 Bewerbungen konnten die Besten für die Rollen gefunden werden – und es funkeln viele Namen des aktuellen Musical-Adels:  Nienke Latten („Rebecca“, „Die Eiskönigin“) in der Titelrolle, auch stimmlich und darstellerisch die Kaiserin der Show. Und bildschön in ihren Pracht-Roben. Ihren Ehemann Franz Stephan von Lothringen  (eine Liebesheirat, gegen alle Widerstände) , spielt Ober-Charmeur Fabio Diso. Sein Konkurrent, Friedrich II. von Preußen, der zeitlebens Maria Theresia ihre Zurückweisung spüren liess, wird von Moritz Mausser gesungen – dem Shooting Star der Wiener Musical-Szene, spielte er doch fast zwei Jahre den perfekten Falco. „Ich singe und spreche auf der Bühne akzentfreies Hochdeutsch“ erklärt Mausser  seine neue Rolle als preußischer König.

Eine Umstellung nach so vielen Aufführungen mit dem wienerischen Tonfall vom Falco. „Madame Fuchs“, Maria Theresias Beraterin, wird von Annemieke van Dam („Elisabeth“, „Mary Poppins“) gespielt. Ihr gehört der berührendste Song des Abends: „Das, was ewig bleibt“, über verpasste Gelegenheiten, den Menschen, die man liebt, dies auch zu sagen. Melodie und Textzeilen gehen direkt ins Herz. Ebenfalls dabei die Publikumslieblinge Dominik Hees ( „Glöckner von Notre Dame“, „Hair“- und ab September ´26 das „Biest“ in Disneys „Schöne und das Biest im Raimundtheater) , Annemarie Lauretta („Miss Saigon“, „Sister Act“), Strahlemädchen Amelie Polak, gesehen in „Fack Ju Göhte , nun als Cover Maria Theresia. Und mit dem smarten Aeneas Hollweg als „Joseph“ steht dem Applaus nach wohl der nächste Frauenschwarm des Musicalpublikums auf der Bühne.

Maria Theresia ist eine opulente Show und man möchte als Zuschauer beim großen Schlussapplaus fast einen Hofknicks machen, so faszinierend unterhaltsam wurde Geschichte selten präsentiert. Nach knapp drei Stunden sind alle „im Team M.T.“ – wie auf der Bühne gesungen wird. Um sich auf den Musical-Abend perfekt einzustimmen empfehlen wir einen Besuch in Maria Theresias Schloss Schönbrunn. Und wer noch einen Besuch im Möbelmuseum Wien in der Andreasgasse  (eines der weltweit größten Museen für Wohnkultur) dranhängt, taucht gleich noch tiefer in die Zeit Maria Theresias und der Habsburger ein.

Dort ist  z.B. zu sehen, mit welchem Aufwand man bei Hofe von einem Schloss zum nächsten reiste und alles (vom Silberlöffel bis zum faltbaren Kaiserthron) mitbrachte. Möbel und Gegenstände wurden bis zur nächsten Reise im „Hofmobiliendepot“ eingelagert. Um hier den Überblick zu behalten, wurde ein System zur Inventarisierung eingeführt. Tja, und wer hat’s wohl erfunden?

Gaby Hildenbrandt

Fotos: VBW Deen van Meer

Maria Theresia – das Musical

Ronacher Wien, Seilerstätte 9

Musik: Dieter Falk und Paul Falk
Texte:: Jonathan Zelter
Buch: Thomas Kahry
Regie: Alex Balga

Choregraphie: Jonathan Huor

Tickets ab 65 Euro, Gruppen-, Senioren- und Juniorenermäßigungen

Derzeit sind Termine bis 26. Juni 2027 buchbar.

Empfohlen für Kinder ab 10 Jahren

Infos und Tickets: www.musicalvienna.at

Möbelmuseum Wien
Design und Geschichte
Andreasgasse 7
A-1070 Wien

www.moebelmuseumwien.at

Ähnliche Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"