Wer in den vergangenen Tagen den Blick von der Frühstücksterrasse oder entspannt vom Strand aus über die Bucht von Saint-Tropez schweifen ließ, rieb sich verwundert die Augen. Ein gigantischer, tiefschwarzer Rumpf, majestätische Masten und eine Silhouette, die sofort an die absolute Luxusklasse erinnerte: Viele Beobachter – darunter auch das Team von ganz-muenchen.de – tippten im ersten Moment auf die legendäre Megayacht von Jeff Bezos.
Doch die Verwechslung klärte sich schnell auf. Es handelte sich nicht um Privatbesitz, sondern um eine echte Weltpremiere, die da im permanenten Ein- und Auslaufen vor Sainte-Maxime und Saint-Tropez ihre Kreise zog: die brandneue Orient Express Corinthian.

Dass hier etwas völlig Neuartiges vor den Augen der Urlauber kreuzte, war kaum zu ahnen. Das Schiff ist das erste Luxus-Segelschiff der berühmten Marke Orient Express, betrieben von der Accor-Gruppe in Kooperation mit dem Luxuskonzern LVMH, und wurde erst vor wenigen Wochen von der französischen Werft Chantiers de l’Atlantique fertiggestellt.
Mit einer stattlichen Länge von 220 Metern gilt die Corinthian offiziell als das größte Segelschiff der Welt. Das auffällige Design besticht durch das innovative „SolidSail“-System mit drei gigantischen Masten und starren Segelpaneelen aus Glasfaser, Kohlefaser und Epoxidharz. Diese bieten zusammen eine Fläche von 4.500 Quadratmetern auf und beschleunigen das Schiff auf bis zu 17 Knoten.
Wenn der Wind einmal nachlässt, sorgt ein umweltfreundlicher Hybridantrieb mit verflüssigtem Erdgas (LNG) für das Vorankommen, wobei das Schiff technisch bereits für eine spätere Umrüstung auf grünen Wasserstoff vorbereitet ist.
Die Manöver im Golf von Saint-Tropez waren Teil der finalen Einfahrten und Tests vor der eigentlichen Indienststellung. Inzwischen hat der Luxusliner die Bucht verlassen und setzt seine Reise fort – aktuelle Positionsdaten verorten die Corinthian bereits an der italienischen Küste in der Nähe von Genua.

Trotz der enormen Dimensionen ist das Schiff kein Massenkreuzer, sondern ein schwimmendes Boutique-Hotel für eine extrem exklusive Zielgruppe. Maximal 110 bis 130 Passagiere finden in den gerade einmal 54 Suiten Platz. Für die Gestaltung der Innenräume zeichnet der Architekt Maxime d’Angeac verantwortlich, der als künstlerischer Leiter von Orient Express fungiert. Das Design schlägt eine Brücke zwischen dem goldenen Zeitalter des historischen Luxuszugs und der Grandeur legendärer französischer Ozeandampfer wie der Normandie, umgesetzt von traditionellen französischen Handwerksbetrieben.
Die Größe der Suiten variiert zwischen rund 45 und 230 Quadratmetern, wobei das absolute Highlight die Presidential Suite mit fast 1.000 Quadratmetern Wohnfläche ist. Alle Unterkünfte sind mit bodentiefen Panoramafenstern oder eigenen Terrassen ausgestattet.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Gastronomie: Die kulinarische Leitung der insgesamt fünf Restaurants und privaten Dining-Bereiche übernimmt der französische Drei-Sterne-Koch Yannick Alléno, der künftig sowohl für die Menüs im historischen L’Orient Express Zug als auch an Bord der neuen Segelyachten verantwortlich zeichnet.
Neben zwei Pools (darunter ein Lap-Pool) und einer ausklappbaren Marina am Heck des Schiffes für den direkten Zugang zum Meer stehen den Gästen zwölf verschiedene Restaurant- und Bar-Konzepte zur Verfügung, darunter eine Speakeasy-Bar im Stil der 1930er-Jahre. Ein Cabaret-Theater mit 115 Plätzen sowie ein bordeigenes, hochmodernes Tonstudio runden das Angebot ab.
Wie aus einer aktuellen Mitteilung der Betreiber hervorgeht, sind die Reservierungen für die erste große Reisesaison bereits offiziell freigeschaltet. Nach den aktuellen Testläufen im Mittelmeer steht der konkrete Fahrplan fest: Am 12. Oktober 2026 bricht die Orient Express Corinthian von Lissabon aus zu einer 14-tägigen transatlantischen Überquerung mit dem Ziel Barbados auf, die ganz im Zeichen des Wellness-Gedankens stehen soll.
Von Oktober 2026 bis März 2027 wird der Luxusliner anschließend die Karibik bereisen. Die Routen führen abseits der klassischen Pfade durch exklusive Inselwelten und flache Lagunen, die für herkömmliche Großkreuzfahrtschiffe unzugänglich sind.
Zu den angekündigten Stationen gehören unter anderem die Strände von Saint-Barthélemy, die private Luxusinsel Moskito Island (Britische Jungferninseln) sowie die unberührten Korallenreviere der Tobago Cays und die Exuma-Inseln auf den Bahamas. Reservieren kann man unter sailing-yachts.orient-express.com
Für die Zukunft ist bereits eine Erweiterung des Angebots absehbar: Ein baugleiches Schwesterschiff namens Olympian befindet sich in der Planung und soll die exklusive Segelflotte im kommenden Jahr ergänzen.
Instagram: @orientexpresssailingyachts
Zusammenstellung: ganz-muenchen.de mit Unterstützung von Gemini AI, Pressemeldung Accor.fr
Fotogalerie Orient Express Corinthian vom Ufer bei St. Tropez (©Fotos: Marikka-Laila Maisel)

