Kurz vor den Theaterferien lässt man’s am Gärtnerplatz nochmal so richtig krachen und holt für wenige Aufführungen „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ aus der Garage, laut knatternd und frisch poliert. Für das Musical über ein fliegendes Auto geht*s für alles, was im Theater Beine und Stimme hat, Richtung Bühne. Angeführt von vielen Stars des Theaters bis zu den kleinen Solisten Lucia und Frederik, von den Masken- und Kostümbildnern bis zum Mann mit der Fernsteuerung machen alle mit. Und natürlich auch das Orchester!

Die Inszenierung von Josef E Köpplinger hat einen hinreißenden Hollywood-Hit zum Vorbild und braucht den Vergleich nicht zu scheuen.

©Foto: Gärtnerplatztheater, Anna Schnauss

©Foto: Gärtnerplatztheater, Anna Schnauss

Wurde in den MGM-Studios seinerzeit schon mächtig geklotzt (das Auto drehte dank technischer Tricks seine Runden über Schloss Neuschwanstein), so ist am Gärtnerplatz die Ausstattung ebenso phantasievoll und noch dazu wird „live“ geflogen. Wenn „Tschitti“ abhebt, gibt’s Szenenapplaus von kleinen wie großen Zuschauern.

Die Story, die dem mehrfach prämierten Hollywoodfilm und erfolgreichen Bühnenmusical um ein Wunderauto zugrunde liegt, wurde von Ian Fleming, dem Erfinder der James Bond-Figur, als Gutenachtgeschichte für den Sohnemann erdacht. Richard M. und Robert B. Sherman steuerten die Songs bei.

©Foto: Gärtnerplatztheater, Anna Schnauss

©Foto: Gärtnerplatztheater, Anna Schnauss

2014 bekam das Gärtnerplatztheater die Lizenz zur Aufführung auf dem europäischen Kontinent. Exklusiv in München dürfen deshalb Tschitti, sein Erbauer Mr. Potts (Peter Lesiak), die süße Süsswarenfabrikerbin Truly Scrumptious (Nadine Zeintl) und Frank Berg als schrulliger Großvater die Geschichte mit vielen Ohrwürmern auf der Bühne präsentieren. Das Programmheft verrät, dass es seit der Premiere vor 12 Jahren kaum Änderungen bei den Hauptrollen gab.

Perfektes Zusammenspiel von Erwin Windegger und Sigrid Hauser als „Baron und Baronin Bomburst“, die „Bösewichte“ des Abends. Die Frau Baronin hat übrigens eine „Kinderallergie“ und bekommt beim K-Wort das große Würgen. Für ihren Baron ist sie die kleine-sexy „Tschutschi-Maus“ (einer der bekanntesten Songs) und tollt mit ihm im Negligé beim Singen übers Chaiselongue. Kurz vor dem Finale haben die Blaublüter noch eine schweißtreibende Tanznummer, die „Bombi-Samba“. Mit ganz viel Shaken und Hüftenkreisen vom -wie in jeder seiner Rollen – wunderbaren Erwin Windegger (in seinem Kostüm mit verblüffender Ähnlichkeit mit einem US-Präsidenten). Flinke Füße hat zuvor Peter Lesiak beim Tanz mit dem „Bambusstock“ gezeigt.

Willkommen im Tschitti-Club hieß es für Alexander Paul Findewirth. Er stand zum ersten Mal als trotteliger „Spion Goran“ auf der Bühne und hatte mit Peter Neustifter (sein Co-„Spion Boris“, ebenso verhuscht) bei jedem Auftritt die Lacher auf seiner Seite.

Standing Ovations und großer Beifall nach über zwei Stunden Auto-Show. Und dann war da noch der „Kinderfänger“, so schön böse gespielt von Alexander Franzen, dass diese Rolle beim Verbeugen regelmäßig ausgebuht wird.

Der Musicalspaß um ein Wunderauto –  auch für Fußgänger zu empfehlen.

Gaby Hildenbrandt