Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse: Kaum reist das Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz zur Japan-Tournee mit Puccini, Wagner und Bernstein auf dem Programm, entert eine Rockband die Bühne und legt los: Bässe wummern durch die ehrwürdigen Räume, der Drummer lässt die Sticks wirbeln und die E-Gitarre schreit förmlich „Let’s rock!“. Alles für die Uraufführung des Rockballetts „Rock to Heaven“, wo gleich drei Choreographen den Rocker gaben. „Brachiale Rhythmen, grungy Riffs und tänzelnde Instrumentalsoli“ versprach die Ankündigung des Theaters – und genau so war’s. Für besonders sensible Trommelfelle wurden vorsorglich Gratis-Ohrstöpsel an den Garderoben bereitgehalten.

"Rockballett Rock To Heaven - Gärtnerplatztheater München (©Foto: Marie Laure Briane)

Teil 1 erzählt vom umjubelten und gleichzeitig einsamen Leben eines Rockstars. Angebetet und verehrt, viele oberflächliche Freunde – und doch ist der Künstler nach jeder Show voller Sehnsucht nach einem Leben als Normalo, denn nur so finden sich wahre Liebe und echte Gefühle (Solisten: Joel Distefano, Montana Dalton, Ethan Ribeiro). Choreograph und Ballettdirektor Karl Alfred Schreiner kennt die Begeisterung seiner Tänzer, sich keinem Genre zu verschließen: „Für uns ist es toll, wenn hinter einem ein Schlagzeug knallt und jemand richtig in die Gitarre haut. Unser Ensemble arbeitet mit großer Lust mit Rockmusik.“ Die Musik komponierte Leonhard Kuhn, der den Musikern viel Freiheit zur Improvisation liess.

Die Band: Norbert Nagel (Reed) Julian Hesse (Trompete), Jan Zehrfeld (E-Gitarre), Eley Ellmer (E-Bass) Elias Bohatsch (Drum-Set), Andreas Partilla (Keyboards und Musikalische Leitung).

"Rockballett Rock To Heaven - Gärtnerplatztheater München (©Foto: Marie Laure Briane)

Die rd. 20 Tänzer bewegen sich durch eine leere Lagerhalle. Im Hintergrund: die Band. Die triste Optik bildet einen starken Kontrast zum Tanz voller Energie.

Dann: Lichtwechsel. 2. Teil – nur ein Mann und eine Frau im Halbdunkel und ein atemberaubender Pas de Deux zweier Ausnahmetänzer (Yunju Lee, Gjergji Meshaij, Choreographie: Jacopo Godani). Körperbeherrschung total.

Mit tosendem Beifall ging’s in die Pause und da glaubten eine Handvoll Zuschauer wohl, das Festival-Feeling gilt auch für die 20 Minuten ohne Show. Mit Drinks von der Theaterbar und mitgebrachten Speisen veranstalteten sie ein Picknick im Zuschauerraum. Hoppala! Aber der Einlassdienst schritt noch vor dem ersten Bissen ein.

"Rockballett Rock To Heaven - Gärtnerplatztheater München (©Foto: Marie Laure Briane)

Nach der Pause schickt Frédérick Gravel, der Dritte des Choreo-Trios, die geballte Tanzpower nochmals auf die Bühne. Wie zugedeckte Karten eines Memory-Spiels liegen und hocken die Tänzer auf dem Boden. Nach und nach klappt eine Gruppe auf. Zunächst tanzen nur die Arme, in der nächsten Runde kommt der Oberkörper dazu und schließlich die Beine. Erst sind es nur kurze Bewegungen, dann wird wieder „abgetaucht“. Runde um Runde werden die Bewegungen komplexer. Faszinierend!

Die Tänzer, Musiker und Macher holen sich am Premierenabend den verdienten großen Applaus ab. Wahrscheinlich haben die Mitwirkenden ihren Erfolg auch wie echte Rockstars gefeiert – laut und ausgelassen.

Gaby Hildenbrandt

Fotos: Marie Laure Briane, Gaby Hildenbrandt

Rock to Heaven

Dreiteiliges Rockballett mit Choreografien von Jacobo Godani, Frédérick Gravel und Karl Alfred Schreiner

Staatstheater am Gärtnerplatz

Nächste Termine erst wieder im April 2027. Im Kalender notieren!

Infos und Tickets: www.gaertnerplatztheater.de

schlußapplaus (©Foto: Gaby Hildenbrandt)