Botox, Filler, Beauty-Docs – hätte es diese Helferlein für ewige Jugend und Schönheit bereits im späten 19. Jahrhundert gegeben, ein gewisser Mr. Dorian Gray hätte sich nicht auf einen dubiosen Handel einlassen müssen. Forever young – gemäß einem Pakt mit dunklen Mächten altert nur sein Porträt auf der Leinwand von Maler Basil. Als Gegenleistung für sein dauerhaftes faltenfreies Äußeres verliert Gray jede Hemmungen und Moral – mit grausamen Folgen.

Choreograph Enrique Gasa Valga lässt gerne Biografien (über Frida Kahlo und Romy Schneider 2025) und berühmte Figuren der Weltliteratur wie „Der große Gatsby“ (2024) und nun „Dorian Gray“ (nach dem Roman von Oscar Wilde) vertanzen. Immer auf der Bühne dabei sind eine Live-Band mit Top-Sängerinnen (Greta Marcolongo und Elisa Gobbi) und zwei Handvoll umwerfende Tänzer aus Gasa Vagas Ensemble.

„Dorian Gray“ mit der Enrique Gasa Valga-Dance Company im Deutschen Theater (©Foto: Peter Koren)

„Dorian Gray“ mit der Enrique Gasa Valga-Dance Company im Deutschen Theater (©Foto: Peter Koren)

Die durchweg soliden Schrittfolgen wirken durch den präzisen Gruppentanz. Gern eingebaut, weil immer ein tolles Show-Element, ist die Arabeske, bei der das Bein in der Luft mit dem Standbein einen 180 Grad Winkel bildet. Primaballerina Camilla Danesi (als Dorians Geliebte Sybil, die den Freitod wählt) tanzt ausdrucksstark. Die männlichen Solisten (Gabriele Tamolli, Martin Segeta und Gabriel Marseglia) sind virtuose Springteufelchen. Und Locke (sic!) Venturato (athletische Figur und der größte Tänzer auf der Bühne) bringt alle Voraussetzungen für die Titelrolle des fiesen Schönlings mit – ein Danseur noble, Lockenkopf inklusive.

„Dorian Gray“ mit der Enrique Gasa Valga-Dance Company im Deutschen Theater (©Foto: Peter Koren)

„Dorian Gray“ mit der Enrique Gasa Valga-Dance Company im Deutschen Theater (©Foto: Peter Koren)

Leider hat jede Produktion der Gasa-Valga-Company mit der Vermittlung der Handlung so ihre Probleme. Nicht jeder Zuschauer ist mit den Feinheiten der literarischen Vorlage oder der Biografie der Hauptfiguren vertraut. Der Deal: „Dorian bleibt jung, sein Bildnis altert für ihn“ ging für den Zuschauer irgendwie unter. Und die Beziehung von Dorian zu Sybils Bruder hat im zweiten Teil noch eine dramatische Fortsetzung. Ohne einen Blick ins Programmheft ist man als Zuschauer schnell „lost“.

Die Bühne bleibt pur, kaum Requisiten, und so konzentriert sich alles auf den Tanz. Schön gelöst wurde die Sache mit dem mannshohen „Bildnis des Dorian Gray“, das mehrmals auf die Bühne geschoben wird und sich ständig verändert. Am Anfang noch ein Spiegel in einem geschmückten Rahmen ist es am Ende nur noch eine dünne, zerknitterte Alufolie – mit einem ebenso zerknitterten Konterfei der Titelfigur.

Zur Deutschlandpremiere gab es für Musiker und Tänzer viel Applaus – besonders laut von den mitgereisten Fans aus Innsbruck, der „Heimat“ der Dance Company.

Gaby Hildenbrandt

Dorian Gray

Tanztheater by Enrique Gasa Valga

Noch bis 16. Mai 2026

Deutsches Theater München

Schwanthaler Str. 13

Preise/Tickets/ Infos: www.deutsches-theater.de

„Dorian Gray“ mit der Enrique Gasa Valga-Dance Company im Deutschen Theater (©Foto: Peter Koren)

„Dorian Gray“ mit der Enrique Gasa Valga-Dance Company im Deutschen Theater (©Foto: Peter Koren)

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