Wenn der „Kronprinz“ kommt, macht sich auch der Bayerische Kunstminister auf nach Füssen. Für Markus Blume war es Ehrensache, bei der großen Musicalpremiere von „Rudolf – Der letzte Kuss“ dabei zu sein. War es doch die Neuinszenierung des Erfolgsstücks aus dem Jahr 2009, das bereits in Wien, Japan und Südkorea begeisterte. Bis 7. Juni 2026 wird das Musical-Drama nun erstmals in Deutschland aufgeführt – im prächtigen Festspielhaus Neuschwanstein.
Rudolf, Sohn von Elisabeth und Kaiser Franz Joseph von Österreich, trägt schwer an seiner Kronprinzen-Bürde. Der starre Wiener Hof mit seinen Intrigen ist ihm verhasst. Er hat so viele Visionen für sein Volk – und muss sich dennoch als Thronfolger dem Willen seiner Eltern und der Politik beugen. Rudolf ist verzweifelt. Da trifft er – Küss’ die Hand, schöne Frau! – die bezaubernde, gerade mal 17 Jahre junge Baronesse Mary Vetsera, seine Seelenverwandte. Eine große Liebe beginnt, die auf Schloss Mayerling durch einen letzten Kuss (und zwei Schüsse) ein dramatisches Ende finden wird.

Rudolf muss sich seinen Albträumen stellen: Odeo Kuipers (vorne) und Ballett - „Rudolf - Der letzte Kuss“ im Festspielhaus Neuschwanstein (©Foto: Michael Böhmländer)
Lange hat es gedauert, bis Rudolfs Kuss seinen Weg auf eine deutsche Bühne gefunden hat. Doch das Warten hat sich gelohnt. Ein dickes Busserl für das Festspielhaus Neuschwanstein und die Vereinigten Bühnen Wien (haben die Aufführungsrechte), die das Stück wiederentdeckt und von VBW-Intendant Christian Struppeck bearbeiten liessen. Einige Szenen aus der ersten Fassung wurden gestrichen, neues Musikmaterial kam hinzu (wunderschön: „Zu zweit allein“, Text: Wolfgang Adenberg). Regie führt Alex Balga (stellt derzeit Ticket-Rekorde mit seinem „Maria Theresia“-Musical im Ronacher auf). „Das Stück ist heute so relevant, weil es von Freiheit und Pflicht erzählt – und davon, was mit einem Menschen passiert, wenn ihm die Freiheit genommen wird “, so Balga .

Barbara Obermeier als Gräfin Larisch in „Rudolf - Der letzte Kuss“ im Festspielhaus Neuschwanstein (©Foto: Michael Böhmländer)
Für „Rudolf“ brachte der Regisseur sein bewährtes Kreativ-Team gleich mit nach Füssen: Aleksandra Kica (Kostüme), Morgan Large (Bühnenbild und Videodesign), Jonathan Huor (derzeit die allererste Wahl für Show-Choreografien). Michael Grundner hat das Lichtdesign entwickelt (das gleich zu Beginn die „Schüsse“ spektakulär umsetzt).
Viel bekannter Musical-Adel tummelt sich auf der Besetzungsliste und lässt Fan-Herzen höher schlagen: In der Titelpartie des Kronprinzen ist Oedo Kuipers zu erleben (majestätisch und zerbrechlich) und hat – auch mit seiner „Mary“ Katia Bischoff (Stimme und Optik strahlend schön) – die intensivsten Songs des Abends, was mit viel Szenenapplaus belohnt wird („Was bin ich wirklich wert“, „Vertrau in uns“, „Du bist meine Welt“).
Fest im Gedächtnis nach dieser Aufführung bleibt auch der Titel „So viel mehr“ – ursprünglich das Duett des Liebespaares „Rudolf“ und „Mary“,in der Füssen-Fassung wird daraus ein Terzett mit „Stephanie“, Rudolfs ungeliebter Gattin (Kristine Emde). Und die Münchnerin Barbara Obermeier (als Gräfin Larisch die Vertraute der Baronesse) brilliert mit „Der wahre Held“. Für die Damen Bischoff, Emde und Obermeier wird dann ab Ende Mai wohl ein Pendelbus eingesetzt, stehen die Ladies parallel auch bei Aufführungen von „Les Misérables“ am Münchner Gärtnerplatztheater auf der Bühne. Und das bei den Höchstleistungen in „Rudolf“. Chapeau!

Deutschlandpremiere von „Rudolf - Der letzte Kuss“ im Festspielhaus Neuschwanstein (©Foto: Michael Böhmländer)
Katia Bischoff und Odeo Kuipers stemmen in jeder Vorstellung eine anspruchsvolle Fahrt auf der Emotionen-Achterbahn: erst das verliebte Paar, dann die Selbstmordszene – von der Regie geschickt hinter einem Gaze-Vorhang platziert. Hinzu kommen bei Katia Bischoff viele Kostümwechsel. Aber die charmante Künstlerin mit Wohnsitz Berlin hat schon einen Plan für die kommenden stressigen Wochen: „Viel schlafen und gute Ernährung“. Überhaupt: „Wenn ich in die Maske gehe, die Kostüme anziehe, dann ziehe ich auch die Rolle an.“

Vor der Show: Gruppenbild mit Kronprinz in der Königsloge: Odeo Kuipers ("Rudolf") und Katia Bischoff ("Mary Vetsera") mit Staatsminister Markus Blume (Mitte), Komponist Frank Wildhorn (2.v.r.) . Links: Manfred Rietzler (Eigentümer Festspielhaus) und Andreas Kaufmann, MdL (rechts) Foto: Benedikt Siegert
Felix Martin ist der hartherzige Kaiser Franz Joseph, Lucius Wolter ein intriganter Graf Taaffe. Kristin Backes verführt als Lebedame Mizzi. Inszenierungs-Highlights sind die fröhliche Szene auf der „Eisbahn“ (da tanzen auch die Schneeflocken) und das „Albtraum-Ballett“ zu Beginn des 2. Aktes.
Und was für ein satter Sound kommt aus dem Orchestergraben! Die Musik von Frank Wildhorn wird vom Bohemian Symphony Orchestra Prague perfekt präsentiert – Musical Supervisor Koen Schoots steht am Premierenabend persönlich am Dirigentenpult. „Große Liebesduette, große Orchestermusik, das geht richtig ins Herz. Ich denke, „Rudolf“ ist eines der schönsten Musicals von Frank Wildhorn“ schwärmt der Musical-Experte. Ein 30-köpfiges Live-Orchester statt wie sonst in Füssen Musik aus der Konserve – für dieses Stück leistet man sich den akustischen Luxus.
Nach zweieinhalb Stunden feiert das Publikum Rudolf & Co. mit Standing Ovations. Und wie hat’s Komponist Frank Wildhorn, extra zur Premiere aus USA angereist, gefallen? „The show is – WOW!“ Mehr braucht man dazu auch nicht sagen. Ganz viele Küsse für diese Aufführung!
Gaby Hildenbrandt
Rudolf- Der letzte Kuss
Musical von Frank Wildhorn und Jack Murphy
Textbearbeitung: Wolfgang Adenberg
Buchbearbeitung: Christian Struppeck
Regie: Alex Balga
Eine Produktion des Festspielhaus Neuschwanstein in Zusammenarbeit mit den
Vereinigten Bühnen Wien
Dauer: 2,5 Std. plus 30 Minuten Pause
Festspielhaus Neuschwanstein
Im See 1
87629 Füssen
Noch bis 7. Juni 2026
Spieltermine/Tickets/Infos: www.das-Festspielhaus.de
Tickets ab 59,99 Euro

Deutschlandpremiere von „Rudolf - Der letzte Kuss“ im Festspielhaus Neuschwanstein (©Foto: Michael Böhmländer)

Elegant zur Premierenfeier: Katia Bischoff ("Mary") ©Foto: Gaby Hildenbrandt)

