Die Isarmetropole wächst rasant: über 1,6 Millionen Einwohner und immer mehr Hunde füllen die örtlichen Parks. Zum Jahresende 2024 waren rund 45.892 Fellnasen in der Stadt gemeldet, so viele wie nie zuvor.
Mit der steigenden Haustierpopulation nimmt auch der Druck auf die tiermedizinische Versorgung deutlich zu. „Schon seit Jahren herrscht in Deutschland ein Tierarztmangel. Viele Praxen sind stark ausgelastet, sodass Termine oft erst mehrere Tage später verfügbar sind. Für kranke Tiere kann das zu einem echten Gesundheitsrisiko werden“, erklärt Jonathan Loesing, Mitgründer des tiermedizinischen Startups Rex. Sein Unternehmen betreibt seit Mai 2025 eine Praxis in München-Schwabing.
„Wir beobachten dort seit einem Jahr einen stetig wachsenden Andrang. Mit der Zahl der Tiere nehmen auch die akuten Behandlungsfälle zu – gerade in einer Großstadt, in der Verkehrsunfälle, stressbedingte Beschwerden und leider auch Giftköder keine Seltenheit sind“, ordnet Loesing ein. Er fährt fort: „Unser Konzept ist darauf ausgelegt, Patienten unkompliziert und effizient zu behandeln: durch Terminbuchungen per App, digital ausgefüllte Anamnesebögen und schnelle Diagnostik in eigenen Laboren.“ Das kam laut Gründer schon in Schwabing gut an. Die hohe Auslastung der Praxis dort habe gezeigt, wie groß der Bedarf in München tatsächlich sei. Daher eröffnet nun der zweite Standort des Startups in der Lindwurmstraße 141 nahe der Poccistraße.

Empfang in der Rex Praxis München Quelle Foto: Rex
Stadtleben macht Hunde krank: Diese Fälle landen in Münchens Praxen
Mit der zunehmenden Hundepopulation verändert sich auch der Praxisalltag. In München zeigen sich dabei typische Muster einer dicht besiedelten Großstadt. „Wir sehen bei uns täglich Fälle, die klar durch das urbane Umfeld geprägt sind“, schildert Loesing. Dazu zählen laut dem Praxisbetreiber etwa Schnittverletzungen durch Glasscherben entlang der Isar, Parasitenbefall aus stark besuchten Grünanlagen wie dem Englischen Garten und immer wieder auch Vergiftungsfälle durch ausgelegte Köder in einzelnen Vierteln. München gilt also nicht ohne Grund als eine der gefährlichsten Städte für Hunde.
Aus Sicht des Gründers verschärft ein gesellschaftlicher Trend die Situation zusätzlich: „Für viele unserer Kundinnen und Kunden sind Haustiere längst Familienmitglieder. Entsprechend hoch ist der Anspruch, schnelle, hervorragende medizinische Hilfe zu bekommen.“ Im Praxisalltag zeige sich jedoch häufig ein anderes Bild. „Viele Halter berichten uns bei ihrem ersten Besuch, dass sie bisher lange auf Termine warten mussten oder im Akutfall mehrere Praxen gleichzeitig anfragen mussten, bevor sie Hilfe bekommen konnten. Im Ernstfall wird das schnell zum Hochrisiko“, berichtet Loesing.
Digitale Stadt braucht digitale Tiermedizin
München gilt laut Bitkom Smart City Index als digitalste Großstadt Deutschlands. Entsprechend erwarten viele Menschen, dass sich auch medizinische Dienstleistungen in ihren digitalen Alltag einfügen. „Münchener organisieren ihr Leben heute komplett über das Smartphone – vom Banking bis zum Einkauf. Deshalb erwarten sie auch, dass ein Tierarzttermin schnell und digital planbar ist. Das ist an vielen Stellen bisher nicht möglich“, erklärt Loesing.
Rex setzt deshalb auf eine eigene App, über die zentrale Abläufe wie Anamnesen, Rechnungen und Befunde online organisiert werden. Das Zentrum des digitalisierten Praxismodells bildet die elektronische Patientenakte (ePA). „Wir speichern alle medizinischen Informationen unserer vierbeinigen Patienten zentral, sodass sie an jedem Standort abrufbar sind“, erläutert Loesing. Er fährt fort: „Sowohl die Halter als auch unsere Ärzte haben jederzeit Zugriff darauf. Wenn ein Tier kurzfristig einen Termin braucht, kann es in jeder Rex-Praxis versorgt werden, ohne dass die Krankengeschichte neu erklärt werden muss. Das spart Zeit – nicht nur in Notfällen.“
Schichtarbeit im Kampf gegen Tierarztmangel
Die steigende Popularität der Haustiere und die hohen Erwartungen der Halter treffen auf strukturelle Herausforderungen innerhalb der Branche. Viele junge Tierärztinnen und Tierärzte entscheiden sich heute gegen eine eigene Praxis. „Früher war es in der Veterinärmedizin üblich, irgendwann selbstständig zu werden. Heute wollen viele vor allem medizinisch arbeiten und sich nicht zusätzlich um unternehmerische Themen kümmern“, erklärt Loesing. Praxisnetzwerke wie Rex möchten die dadurch entstehende Lücke schließen.
Sie setzen auf angestellte Tierärzte, die in Teams arbeiten und sich auf ihre fachliche Tätigkeit konzentrieren können. Gleichzeitig ermöglicht dieses Modell eine andere Organisation des Praxisbetriebs. „Durch die Arbeit in Schichten können wir deutlich längere Öffnungszeiten anbieten“, so Loesing. Er fährt fort: „Unsere Praxen sind unter der Woche bis 20 Uhr geöffnet und auch samstags erreichbar.“
Für viele Tierhalter sei das laut Loesing entscheidend: „Gerade in einer vielbeschäftigten Stadt wie München ist es wichtig, dass Termine auch nach Feierabend oder am Wochenende möglich sind.“ Mit dem zweiten Standort zieht Rex daraus jetzt eine klare Konsequenz für die Landeshauptstadt.
Über Rex
Rex ist ein 2021 in Berlin von Jonathan Loesing und Julian Lechner gegründetes Startup. Rex betreibt einerseits eigene, moderne, technologiegestützte Tierarztpraxen. Andererseits bietet Rex auch eine digitale Plattform für Haustierbesitzer für Tierarzttermine, Anamnesebögen und eine elektronische Patientenakte. Schwerpunkt bei Rex liegt auf einer angenehmen Kundenerfahrung, digitalisierten Prozessen und erstklassiger tierärztlicher Versorgung. Das Unternehmen strebt an, den Markt für tierärztliche Versorgung zu digitalisieren und effizienter zu gestalten. Mehr Informationen auf https://www.rex.app/.

Untersuchung in der Rex Praxis München Quelle Foto: Rex

