Es gibt diese Nachmittage, an denen die Stadt kurz den Atem anhält und das Tempo herausnimmt. Am Freitag, den 12. Juni, war der Viktualienmarkt so ein Ort. Ab halb vier hatten der Käse aus der Schweiz und die Münchner Käse Manufaktur zu einem Apéro-After-Work geladen, mitten ins Herz des Marktes, dorthin, wo München ohnehin am liebsten nach Genuss und Gesellschaft schmeckt.

Und der Apéro ist ja mehr als nur ein Glas Wein und ein Stück Käse. Er ist eine Haltung. Niemand schaut auf die Uhr, der Laib liegt offen auf dem Tisch, man schneidet an, reicht weiter und bleibt einfach. Bewusster Genuss statt beiläufigem Konsum, das Gute leben, wie es die Schweizer so treffend formulieren.

Wie ernst es beiden Häusern mit dem Erzählen ihrer Käse war, zeigte schon die Verkostungskarte, die augenzwinkernd als Almauftrieb von Start bis Ende inszeniert war. Sie führte von Münchens Oida Topfen, einem überraschend cremigen gereiften Frischkäse, über den zwei Jahre gereiften Schweizer Emmentaler AOP und den Tête de Moine AOP bis zum neun Monate gereiften Appenzeller, dem Le Gruyère AOP Réserve und schließlich dem Isarbazi, dem würzigen Münchner Signature-Käse der Manufaktur. Schweiz und München, Sorte für Sorte im Dialog.

Spannend wurde es, als die beiden Gastgeber ins Gespräch kamen und deutlich machten, was sie über die Theke hinweg verbindet. Sebastian Kreuels von der Münchner Käse Manufaktur betonte die tiefe Verwurzelung im traditionellen Käsehandwerk, die beide Seiten teilen.

Sichtlich stolz erzählte er von der jüngsten Einladung zu den World Cheese Awards nach Bern. „Wir durften mit unserem Oida Topfen antreten, und auch wenn es diesmal nicht für den Sieg gereicht hat, war allein die Teilnahme ein großer Moment für das Münchner Handwerk„, so Kreuels.

Dass die World Cheese Awards 2025 erstmals überhaupt in der Schweiz ausgetragen wurden, macht so eine Einladung umso bemerkenswerter. Den Weltmeistertitel holte sich an diesem November-Wochenende in Bern übrigens ein über achtzehn Monate gereifter Le Gruyère AOP, der sich gegen mehr als 2.500 Käse aus rund 46 Ländern durchsetzte. Auch er stand an diesem Freitag in seiner Réserve-Variante auf der Münchner Platte.

Andreas Müller, Geschäftsführer der Switzerland Cheese Marketing GmbH und an diesem Nachmittag Gesicht der Marke Käse aus der Schweiz, brachte wiederum auf den Punkt, warum man ausgerechnet in den Räumen der Manufaktur zu Gast war. Es sei die kompromisslose Natürlichkeit, die die Schweizer Produkte auszeichne. Alle Käsemeister in der Schweiz verpflichteten sich vertraglich dazu, gänzlich ohne künstliche Konservierungs- oder Geschmacksstoffe zu arbeiten.

Genau dieser hohe Anspruch an echte Premiumqualität sei das verbindende Glied zwischen beiden Häusern. Gleiche Werte, gleiches Handwerksverständnis, nur eben einmal aus den Schweizer Bergen und einmal aus München.

Optisch hätte der Rahmen kaum stimmiger sein können. Der Blick glitt über die reich bestückte Theke, vorbei an mächtigen Hartkäselaiben und kleinen Schweizer Flaggen, die zwischen Emmentaler und Co. steckten.

Zum Höhepunkt wurde ein Tête de Moine auf die traditionelle Girolle gesetzt, und mit jeder Drehung schälten sich die typischen feinen Käserosetten heraus, die fast zu schade zum Essen wirken. Fast. Denn am Ende ist genau das der Sinn eines Apéros, das Schöne nicht nur anzuschauen, sondern zu teilen.

So gelang an diesem Freitag ein Start ins Wochenende, der bewies, dass der Viktualienmarkt nicht nur Münchens älteste Markttradition trägt, sondern auch ein hervorragendes Pflaster für die feine Kunst des bewussten Genießens ist.