Bayern hat eine neue Regentin über das flüssige Gold: Am vergangenen Donnerstagabend wurde im Münchner Löwenbräukeller Katharina Kastenmüller aus Dietramszell/Ascholding zur 15. Bayerischen Bierkönigin gekrönt. Die 33-jährige Friseurmeisterin und Betriebswirtin setzte sich im großen Finale gegen drei Mitbewerberinnen aus Schwaben, Niederbayern und der Oberpfalz durch und repräsentiert nun für die Saison 2026/2027 Bayerns Brauer und das Bayerische Bier. Sie tritt damit die Nachfolge von Anna Winkler aus Mainbernheim in Unterfranken an, die das Amt ein Jahr lang mit großer Leidenschaft ausgefüllt hatte.

Katharina Kastenmüller wurde im Löwenbräukeller gekrönt zur Bayerischen Bierkönigin 2026/27 im Löwenbräukeller (©Foto: Ingrid Grossmann)
Katharina Kastenmüller wurde im Löwenbräukeller gekrönt zur Bayerischen Bierkönigin 2026/27 im Löwenbräukeller (©Foto: Ingrid Grossmann)

Schon der Auftakt des Krönungsabends im voll besetzten Löwenbräukeller hatte für einen Moment gesorgt, über den noch lange geredet werden dürfte: Bayerns stellvertretender Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) machte vor der frisch gekürten Majestät einen tiefen Knicks und ging dabei vor dem goldenen Thron mit den roten Kissen auf die Knie. Ein royaler Gruß mit Augenzwinkern, der den ohnehin schon ausgelassenen Saal endgültig zum Jubeln brachte.

Der Weg auf den Thron war für die gebürtige Tölzerin lang. Aus 50 Bewerberinnen aus ganz Bayern hatte eine Fachjury zunächst 24 Damen zum Casting ins Münchner GOP Varieté-Theater eingeladen und daraus sechs Finalistinnen bestimmt. In einem mehrwöchigen Online-Voting auf der Seite des Bayerischen Brauerbundes qualifizierten sich die vier Stimmenstärksten für das Finale auf der Bühne. Dort überzeugte Kastenmüller Jury und Publikum gleichermaßen mit fundiertem Wissen rund um das Bayerische Bier, mit Schlagfertigkeit, natürlichem Auftreten und einer ansteckenden Begeisterung für Bayerns Braukultur. Die Entscheidung fiel am Ende durch eine Kombination aus Jurywertung und Publikumsstimmen.

Wahl der Bayerischen Bierkönigin 2026/27 im Löwenbräukeller (©Foto: Ingrid Grossmann)

Dass die neue Bierkönigin ihr Fach kennt, kommt nicht von ungefähr. Schon während ihrer Ausbildung zur Betriebswirtin hatte Kastenmüller ihre Facharbeit dem Thema Bier gewidmet. Praktische Erfahrung sammelt sie seit Jahren an einem Ort, an dem die bayerische Bierkultur in einer ihrer charmantesten Spielarten gelebt wird: als Bedienung auf dem Oktoberfest-Weißbierkarussell der Festwirtsfamilie Fahrenschon. Eine ganz besondere Adresse auf der Wiesn, denn hier verschmelzen Ausschank und Fahrgeschäft zu einer einzigartigen Mischung.

Über den Köpfen der Gäste hängen dichte Hopfenreben, im Glas funkelt Hofbräu-Weißbier, bewusst ausgewählt von Wirtin und Schaustellerin Claudia Fahrenschon nach einem ausführlichen Geschmackstest mit den Weißbieren verschiedener Marken, auf Wunsch auch in der alkoholfreien Variante. Die Bedienungen, zünftig in der Tracht, servieren mit freundlichem Lächeln Weißbier, Russ’n und andere Weißbier-Mischgetränke. Und während sich das Karussell dreht, haben die Gäste vom leicht erhöhten Tresen einen wunderbaren Blick auf das Oktoberfesttreiben ringsum.

Urig und gemütlich geht es zu, und mittendrin eben auch Katharina Kastenmüller, die hier seit Jahren erlebt, was es heißt, mit Tempo, Trittsicherheit und einem Gespür für Menschen ein volles Weißbierglas sicher an den Tisch zu bringen.

Wahl der Bayerischen Bierkönigin 2026/27 im Löwenbräukeller (©Foto: Ingrid Grossmann)

Allerdings: Im Weißbiergarten der Fahrenschons werden ausschließlich Halbe ausgeschenkt, das gehört sich für eine ordentliche Weiße so. Mit dem klassischen Maßkrug, wie er andernorts auf der Wiesn üblich ist, hat es die neue Bierkönigin im Job bisher also gar nicht zu tun gehabt. Was die Vorfreude auf die nächste Lektion umso größer macht. Denn bereits am kommenden Freitag steht eine der wichtigsten Pflichtübungen ihres jungen Amtes auf dem Programm: das Anzapftraining in der Schlossbrauerei Valley. Zu den ersten Amtspflichten einer Bayerischen Bierkönigin gehört eben nicht nur Fachwissen rund um das bayerische Volksgetränk, sondern auch ein sicherer Umgang mit Schlegel, Wechsel und Pfeife. Denn unmittelbar nach der Wahl warten die ersten Volksfeste und offiziellen Termine, bei denen sie ihr Können unter Beweis stellen muss, bis hin zum mit Spannung erwarteten „Ozapft is!“, das jedes Jahr auch ihren souveränen Auftritt verlangt. Und an dessen Ende dann eben jene Maßkrüge stehen, die im Weißbierkarussell zwar nicht vorkommen, im restlichen Wiesn-Universum aber unverzichtbar sind.

Ein Holzfass mit drei sauberen Schlägen unfallfrei anzuzapfen, ist dabei alles andere als trivial. Selbst hochrangige Politiker haben damit schon sichtbar zu kämpfen gehabt, sehr zur Freude des Publikums und der Kameras. Umso beeindruckender, wenn eine Bierkönigin mit ruhiger Hand und vollem Selbstvertrauen den Wechsel sauber setzt und dem flüssigen Gold ohne unfreiwillige Bierdusche zu seinem perfekten Auftritt verhilft. Damit Katharina Kastenmüller bei künftigen Anstichen genau diese Souveränität ausstrahlt und das „Ozapft is!“ stimmgewaltig über den Festplatz schallen lassen kann, wird sie in Valley von Dipl.-Ing. Martin Zuber persönlich in die hohe Kunst des Anzapfens eines Holzfasses eingewiesen.

Privat ist Kastenmüller tief in der oberbayerischen Heimat verwurzelt. Sie spielt Klarinette in der Blaskapelle Ascholding, singt in einer Band und ist in den Bergen zuhause: Klettersteige, Mountainbike, Skitouren und sogar Eisbaden gehören zu ihren Hobbys. Diese Mischung aus Bodenständigkeit, Brauchtum und Lebensfreude dürfte der Brauerbund-Jury durchaus gefallen haben.

Die Wahl der neuen Bierkönigin fiel zusammen mit einem weiteren wichtigen Personalwechsel: Im Anschluss an die Mitgliederversammlung wählten die bayerischen Brauerfamilien Dr. Stefan Kreisz zum neuen Präsidenten des Bayerischen Brauerbundes. Er folgt auf Georg Schneider VI., der den Spitzenverband zehn Jahre lang mit klarer Haltung und großem Engagement geführt hatte und nun zum Ehrenpräsidenten ernannt wurde. Kreisz nahm in seiner neuen Funktion gleich auch in der Jury Platz, gratulierte der frisch gekrönten Königin herzlich und dankte zugleich Anna Winkler für ihren engagierten Einsatz als Botschafterin des Bayerischen Bieres in Bayern, Deutschland und weit darüber hinaus.

Zur festlichen Bier-Gala des Bayerischen Brauerbundes waren in München zahlreiche Vertreter aus Brauwirtschaft, Politik, Wissenschaft, Gastronomie und Landwirtschaft zusammengekommen, um gemeinsam Bayerns einzigartige Bierkultur zu feiern, eine Kultur, die weit über die Grenzen des Freistaats hinaus als Symbol für Genuss, Qualität und gelebte Tradition gilt.

Mit Katharina Kastenmüller hat diese Kultur nun für ein Jahr eine Botschafterin, die die Liebe zum Bier nicht erst seit der Wahl entdeckt hat, sondern sie täglich lebt: auf der Wiesn unterm Hopfenhimmel des Weißbierkarussells, in der Blaskapelle, in den heimischen Wirtshäusern rund um Ascholding, und ab Freitag eben auch mit dem Schlegel in der Hand.