Oktoberfest-Gastronomie: mehr als 125 Jahre Wiener Eispalast der Familie Guderley auf der Wiesn
Gutes bleibt. Nur mit zwei Worten kann man erklären, warum der Stand vom Wiener Eispalast schon seit mehr als 125 Jahren immer wieder fürs Oktoberfest aufgebaut wird. Natürlich sieht man dort keine virtuosen Rittberger und Salchows, und es werden auch keine Skulpturen mit der Säge aus dem Eis befreit.
Im Wiener Eispalast gibt’s Herzerl und Eis, Mandeln und Zuckerwatte. Unspektakulär? Mitnichten. Das Eis ist hier hausgemacht, die Mandeln und Nüsse gibt es in zehnerlei Sorten, und auf den Lebkuchenherzen stehen süße Botschaften, die die Chefinnen selbst kreiert haben.

Seit 1908 auf dem Oktoberfest
Mit dem Wiener Eispalast, einer Verkaufsbude für Eis und Süßwaren, war Hans Strössner, der Großvater der heutigen Besitzer, erstmals auf dem Oktoberfest 1908 zugelassen. Das Fruchteis – seine Spezialität – wurde damals noch mit der Hand gespachtelt, und am Abend waren die zwei Bottiche Speiseeis ausverkauft.
Der Name Wiener Eispalast prangt heute noch am schmucken Verkaufswagen mit der nostalgischen Fassade. Das Eis wird aber längst nicht mehr in Bottichen von Hand gemacht, sondern mit modernster Technik in überliefert guter Qualität.
Wie damals sind gebrannte Mandeln, Lebkuchenherzen und Schokofrüchte im Sortiment, und für Stammkunden wird extra Waffelplattenbruch angeboten.
Heute führt die Urenkelin Corinna Eckl-Guderley mit ihrem Mann Robert Eckl in vierter Generation den Wiener Eispalast, gemeinsam mit ihren Eltern Werner Guderley und Barbara Lacase-Guderley.
Herzerl, Eis, Mandeln und Schokofrüchte
Der nostalgische Wagen mit seinem riesigen Angebot an Lebkuchen- und Schokoladenherzen (angeliefert von der Traditionsfirma Fesey aus Ottobrunn) fällt sofort auf. Sich für den richtigen Spruch auf dem Herz zu entscheiden, ist bei dieser großen Auswahl eine Wissenschaft für sich.
Wer eine Kugel Eis naschen will, hat schon wieder die Qual der Wahl – mindestens zwölf Sorten Eis werden täglich frisch produziert. Sogar laktose- und glutenfreie und auch vegane Sorten stehen zur Wahl.
Nüsse und Mandeln gibt es gleich in zehn Variationen, und auch die Auswahl an Schokofrüchten ist enorm – Erdbeeren in weißer Schokolade sind ein Renner.
Aus Nürnberg, nicht aus Wien
Und gleich noch ein Geheimnis sei verraten: Der Wiener Eispalast hat gar nix mit der Donaustadt zu tun. Die Schaustellerfamilie stammt aus Nürnberg. Die Süßwaren-Experten aus der Frankenmetropole sind fast das ganze Jahr auf Achse: zu finden auf den unterschiedlichsten Volksfestplätzen und auf Christkindlmärkten. Erst ab Mitte Januar winken ein paar Ferientage.

Und es könnte gut möglich sein, dass es die Eismacher dann zum Entspannen in ein Skigebiet zieht. Schließlich ist man ja durch den Eispalast kühlere Temperaturen gewöhnt.
Corinna Eckl-Guderley, ausgebildete Modedesignerin, hält die Familientradition hoch und führt den Wiener Eispalast zusammen mit ihrem Mann Robert Eckl weiter.
Standort auf dem Oktoberfest 2026
Auf dem Oktoberfest 2026 steht der Wiener Eispalast in der Matthias-Pschorr-Straße zwischen der Neuheit Shake & Roll und dem Skyfall, gegenüber dem Toboggan.
Im Anschluss geht es weiter zum Jahrmarkt Memmingen, wo am 10. Oktober 2026 das nächste Volksfest beginnt (10. bis 18. Oktober 2026).

Weitere Termine auf Weihnachts- und Christkindlmärkten
Regensburger Christkindlmarkt am Neupfarrplatz: 23. November bis 23. Dezember 2026. Passauer Christkindlmarkt am Dom: 24. November bis 22. Dezember 2026. Weihnachtsmarkt Verona / Italien (Mercatino di Natale di Verona, Piazza dei Signori): 21. November bis 28. Dezember 2026.
Internet: www.wiener-eispalast.de
Rückblick auf die Familiengeschichte
Der gelernte Speditionskaufmann Werner Guderley liebt Speiseeis. Da können noch so frostige Temperaturen herrschen, er genießt die eisigen Köstlichkeiten, die er auch selbst zubereitet. Ob es daran liegt, dass Speiseeis seit weit über 150 Jahren die Existenzgrundlage seiner Familie bildet? Neben Wandertheater, Passionstheater und anderen Schaustellergeschäften – selbst hergestelltes Speiseeis war immer dabei.
Also mussten noch Süßwaren ins Sortiment: gebrannte Mandeln, Liebesäpfel und – als Neuheit – „Schneeflocken“, wie das Popcorn damals genannt wurde. Auch Fischsemmeln und selbst gebraute Limonade gingen über die Theke – dank der Eiskühlung, die für das Speiseeis notwendig war, durften und konnten diese Waren verkauft werden.
1924 übernahm Strössners Witwe Lisbeth das Geschäft, und ab 1938 half Tochter Liselotte, die Mutter von Werner Guderley, mit. Eine Sensation in der Branche war damals der von der Firma Mack gebaute Verkaufswagen, der die Eispalastbude ablöste. Nach Entwürfen des Schaustellermalers Fritz Hilbert schuf ein Passauer Kirchenschnitzer die kunstvolle Fassade des Wagens, der heute im Münchner Schaustellermuseum als Schatz gehütet wird.
Werner Guderley arbeitete seit 1970 im elterlichen Betrieb mit, der seit 1972 als Guderley und Sohn oHG firmiert. Heute führen Tochter Corinna Eckl-Guderley und ihr Mann Robert Eckl den Wiener Eispalast weiter.
Weitere Infos rund um die Wiesn: Oktoberfestplaner auf ganz-muenchen.de

