GenZ-Demo in München: Rund 5000 junge Menschen ziehen friedlich über die Leopoldstraße

Am Samstag, 31. Oktober 2026, gehörten Maxvorstadt und Schwabing für einige Stunden der jungen Generation. Unter dem Motto „GenZ regelt: gegen Kapitalismus, Faschismus, Rassismus, Frauenhass, korrupte Schulsysteme und weitere soziale Probleme“ kamen am Nachmittag in der Spitze rund 5000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem Demonstrationszug durch die Münchner Innenstadt zusammen. Die Polizei München zieht in ihrer Bilanz ein überwiegend friedliches Fazit.

Ein bundesweiter Aktionstag der jungen Generation

Die Münchner Demonstration war Teil eines bundesweiten Aktionstags, zu dem das Bündnis Gen Z regelt in 32 Städten aufgerufen hatte. Es versteht sich als unabhängiger, überparteilicher und loser Zusammenschluss junger Menschen und lehnt nach eigenen Angaben Gewalt ab. In München mobilisierte es gemeinsam mit der Bayerischen Schüler*innenbewegung. Angestoßen wurde die Bewegung von Schülerprotesten in Frankreich. Hierzulande setzen sich die jungen Leute unter anderem für mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie, ein bezahlbares Leben, mehr Generationengerechtigkeit und konsequenten Klimaschutz ein und lehnen die Wehrpflicht ab.

Mit einem solchen Andrang hatten die Veranstalter selbst kaum gerechnet: Laut Abendzeitung waren sie zunächst von rund 200 Teilnehmenden ausgegangen, nach Angaben von t-online hatten sich dann über 9000 Menschen online angemeldet. Die Polizei zählte in der Spitze rund 5000 Teilnehmende, die Veranstalter sprachen nach Angaben der Süddeutschen Zeitung von 7300. Die meisten waren jünger als 30 Jahre, doch auch ältere Menschen schlossen sich dem Zug aus Solidarität an.

GenZ-Demo in München: Rund 5000 junge Menschen ziehen friedlich über die Leopoldstraße ©Foto: Martin Schmitz
GenZ-Demo in München: Rund 5000 junge Menschen ziehen friedlich über die Leopoldstraße ©Foto: Martin Schmitz

Vom Geschwister-Scholl-Platz zur Münchner Freiheit und zurück

Los ging es um 14 Uhr mit einer Auftaktkundgebung am Geschwister-Scholl-Platz vor der Universität. Von dort setzte sich der Zug in Bewegung, die Leopoldstraße entlang bis zur Münchner Freiheit, und kehrte anschließend zum Ausgangspunkt zurück. Um 16.30 Uhr endete die Versammlung mit einer Abschlusskundgebung.

Zum Auftakt rief Rednerin Amelie nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung der Menge zu: „Wir sind die Generation, die aufsteht.“ Im Mittelpunkt vieler Beiträge stand die Bildung, von sanierungsbedürftigen Schulgebäuden bis zum Unterrichtsausfall, daneben der Klimaschutz, für den sich unter anderem Mareike von Fridays for Future einsetzte. Für den musikalischen Teil sorgten die Musikerinnen Queen Lizzy und Gündalein mit Gesang und Rap. Auf zahlreichen Plakaten und Transparenten brachten die jungen Leute ihre Anliegen mit Wortwitz auf den Punkt, etwa mit dem Wunsch, lieber zu studieren als zu salutieren.

Am Rande des Zuges kamen auch Teilnehmende zu Wort. Die 29-jährige Münchnerin Elma Sacirovic sagte gegenüber t-online, man wolle keinen Krieg, sondern eine friedliche, schöne und bezahlbare Zukunft. Der 22-jährige Bjarne Wolter beklagte, die Jugend sei in der Bundesregierung nicht vertreten und fühle sich nicht gehört.

Auch die ältere Generation war vertreten: Reinhold Schillinger und Lioba Pupeter trugen ein Schild, auf dem sich Oma und Opa mit der Jugend solidarisch erklärten. Schillinger erzählte der Süddeutschen Zeitung, er habe schon vor 50 Jahren an derselben Stelle für mehr Geld für Bildung demonstriert. Wie sehr das Leben in München junge Menschen fordert, schilderte die Mittzwanzigerin Christina: Sie sei im vergangenen Jahr siebenmal umgezogen und habe immer nur befristete Zimmer zur Untermiete gefunden.

©Foto: Martin Schmitz
©Foto: Martin Schmitz

Überwiegend friedlicher Verlauf

Der weitaus größte Teil der Demonstrierenden brachte seine Anliegen an diesem Nachmittag friedlich auf die Straße. Polizeisprecher Thomas Schelshorn bezeichnete die Demonstration gegenüber der Süddeutschen Zeitung als friedlich und problemlos. Als auf dem Weg einzelne Bengalos gezündet wurden, hielt der Zug nach einem Bericht der Abendzeitung für etwa zehn Minuten an, und eine Veranstalterin bat darum, friedlich zu bleiben und die Pyrotechnik wegzupacken. Nur vereinzelt registrierte die Polizei Verstöße, etwa durch Pyrotechnik oder einzelne Vermummungen, in diesem Zusammenhang gab es einige Festnahmen.

Zum Ende der Versammlung versammelen sich am Rande einer Festnahme etwa 100 bis 200 meist schwarzgekleidete Teilnehmende und blieben trotz mehrfacher Aufforderung auf der Fahrbahn der Ludwigstraße. 84 Personen aus dieser Gruppe wurden wegen einer Ordnungswidrigkeit nach dem Versammlungsrecht angezeigt. Gegen 19.20 Uhr war die Ludwigstraße wieder für den Verkehr frei, darüber hinaus blieb es ruhig.

GenZ-Demo in München: Rund 5000 junge Menschen ziehen friedlich über die Leopoldstraße ©Foto: Martin Schmitz
GenZ-Demo in München: Rund 5000 junge Menschen ziehen friedlich über die Leopoldstraße ©Foto: Martin Schmitz

Zwei weitere Kundgebungen in der Altstadt

Parallel zum Zug der GenZ fanden in der Innenstadt zwei weitere Versammlungen statt: am Odeonsplatz mit 75 und am Marienplatz mit 220 Teilnehmenden. Beide verliefen nach Angaben der Polizei ohne jede Störung.

Ein ereignisreicher Samstag in der Stadt

Insgesamt begleiteten 450 Einsatzkräfte das Versammlungsgeschehen. Weil am selben Tag zudem das Bundesligaspiel zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund in der Allianz Arena anstand (endete 2:2) und am Abend die Halloween-Nacht folgte, waren darüber hinaus weitere Polizeikräfte bis spät in die Nacht im Stadtgebiet unterwegs.

Vorsorge in der Innenstadt

Bereits im Vorfeld hatte die Polizei über die angekündigte Versammlungslage informiert. Wie Thomas Schelshorn, Sprecher des Polizeipräsidiums München, gegenüber ganz-muenchen.de erläuterte, lagen den Behörden vor Beginn der Versammlung keine konkreten Hinweise auf Sachbeschädigungen oder Gewaltdelikte vor. Gewerbetreibenden, die nachgefragt hatten, ob sie Schutzmaßnahmen ergreifen sollten, habe die Polizei mitgeteilt, dass aus ihrer Sicht keine konkrete Gefährdungslage ersichtlich sei.

Zugleich stellte Schelshorn klar, dass es Geschäftsinhabern freistehe, Fensterscheiben und Zugänge vorsorglich zu sichern. Solche Vorkehrungen lägen in der eigenen Verantwortung der Gebäudeverantwortlichen und Geschäftsbetreiber. Zahlreiche Häuser machten davon Gebrauch, wie unsere Aufnahmen zeigen.

In der Maximilianstraße waren unter anderem die Schaufenster von Pomellato, Panerai, Vacheron Constantin, Montblanc, Jaeger-LeCoultre, Cartier, Gucci, Moncler, Omega, Jimmy Choo, Versace, Van Cleef & Arpels und Chanel mit Holzplatten verkleidet. Laut Abendzeitung gehörten dort auch Saint Laurent und Valentino dazu, während Balenciaga auf Holzbarrikaden setzte, die sich öffnen und schließen ließen, sodass der Laden normal geöffnet bleiben konnte.

Auch in den benachbarten Straßen zeigte sich ein ähnliches Bild, etwa bei Prada, Audemars Piguet und IWC Schaffhausen. Besonders gründlich ging Bucherer 1888 vor: Dort waren sogar die Namenstafeln und die in die Straße ragenden Schilder eigens mit Holz ummantelt. Nicht nur Uhren- und Schmuckhäuser sicherten sich ab, auch Modehäuser wie Max Dietl und Burberry hatten ihre Fenster verbarrikadiert. Bei Oberpollinger in der Neuhauser Straße wurde nach Angaben der Abendzeitung ein bereits am Mittwoch errichteter Holzschutz am Donnerstag wieder abgebaut.

Verdeckte Schaufenster in der Maximilianstraße: GenZ-Demo in München: Rund 5000 junge Menschen ziehen friedlich über die Leopoldstraße ©Foto: Martin Schmitz
Verdeckte Schaufenster in der Maximilianstraße: GenZ-Demo in München: Rund 5000 junge Menschen ziehen friedlich über die Leopoldstraße ©Foto: Martin Schmitz

Wie unterschiedlich die Häuser mit der Lage umgingen, beschreibt die Süddeutsche Zeitung: Saint Laurent wies auf einem Zettel an den Spanplatten darauf hin, dass der Laden wie gewohnt bis 18 Uhr geöffnet bleibe, Omega blieb dagegen den ganzen Samstag geschlossen. Die Montblanc-Boutique öffnete auf Anweisung des Mutterkonzerns Richemont nur bis 14 Uhr. Boutique-Manager Kai-Philipp Imhoff nahm es gelassen: Lieber schließe man einen Nachmittag, als im Vorweihnachtsgeschäft kaputte Scheiben zu riskieren. In der Fußgängerzone bot sich am Vormittag dagegen ein weitgehend gewohntes Bild.

Polizeisprecher Thomas Schelshorn zeigte sich gegenüber der SZ etwas erstaunt über die vielen Holzwände: Das Verbarrikadieren geschehe nicht auf Empfehlung der Polizei, manche seien eben sehr vorsichtig. Wolfgang Fischer, Geschäftsführer der Innenstadtvereinigung City-Partner München, gab zu bedenken, dass solche Bilder Besucher abschrecken könnten, und wies zugleich darauf hin, dass auch viele Geschäfte in der Maximilianstraße ganz ohne Schutzplatten auskamen.

Halloween in München

Auf den Demonstrationsnachmittag folgte am Abend die Halloween-Nacht. Rezepte, Kostümideen und Tipps zu Partys in und rund um München bündelt das Halloween-Special 2026 von ganz-muenchen.de.

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