MIPCOM 2026 in Cannes: am 12.10. beginnt der größte Fernsehmarkt der Welt
Serie mit Münchner Bezug feiert Weltpremiere auf der MIPCOM
Am Sonntagabend war an der Croisette in Cannes noch vieles abgesperrt. Vor dem Palais des Festivals steht der Schriftzug „Once upon a time in Cannes“ noch auf einem Hubwagen, über die berühmte rote Treppe ist Absperrband gespannt, Sicherheitsleute warten neben gestapelten Gittern.
Ab Montag, 12. Oktober, ändert sich das Bild: Dann beginnt die MIPCOM, der internationale Markt für Fernseh- und Streaminginhalte, der bis Donnerstag, 15. Oktober, dauert. Für die Medienstadt München lohnt der Blick an die Côte d’Azur, denn hier wird gehandelt, was in den kommenden Jahren auf den Bildschirmen läuft, und Münchner Firmen sind mittendrin.
Ein Marktplatz für Serien, Filme und Formate
Die MIPCOM ist eine reine Fachmesse, organisiert von RX France. Auf der einen Seite stehen die Einkäufer, also Fernsehsender und Streamingplattformen aus aller Welt, auf der anderen Seite Produzenten und Vertriebe, die ihre Serien, Filme, Dokumentationen und Showformate verkaufen oder Partner für Koproduktionen suchen. Im vergangenen Jahr kamen gut 10.600 Delegierte aus 107 Ländern nach Cannes, rund 350 Unternehmen stellten im und um das Palais aus.
Deutschland gehört dabei zu den Schwergewichten: Bei den Teilnehmern lag es 2025 auf Platz vier, bei den Einkäufern sogar auf Platz drei hinter den USA und Großbritannien. Vorgeschaltet war am Samstag und Sonntag die MIPJunior, der Markt für Kinder- und Jugendprogramme.
Die Fassaden als Schaufenster
Wer schon vor dem Start an der Croisette entlanggeht, sieht schnell, wer hier den Ton angibt. Am Carlton hängt ein großes Banner von Paramount mit Motiven aus „NCIS: New York“, „A Quiet Place Part III“ und „Mr. Irrelevant“.

Vor dem Majestic Barrière zieht sich eine lange Plakatwand des türkischen Senders atv mit Serien wie „Land of the Sun“, „Villa Coral“ und „ABI“ entlang. Das passt zur Statistik, denn die Türkei stellte 2025 eine der größten Delegationen, und türkische Serien sind seit Jahren ein Exportschlager.

Am Palais selbst wirbt Amazon MGM Studios mit dem goldenen MGM-Löwen sowie mit „The Beekeeper 2“ und „Road House 2“. Die größte Fläche über der Treppe gehört aber nicht einem Sender, sondern YouTube, mit einem Buckelwal und dem Kanal von BBC Earth.

Daneben prangt das Logo von dentsu entertainment: Die japanische Agenturgruppe ist erster Hauptpartner von MIP BrandWorks, einem neuen Marktplatz für Markeninhalte, an dem sich auch Meta beteiligt.
Creator, Handyformate und KI
Die Plakate zeigen, wie sehr sich die Messe verändert hat. Neben dem klassischen Lizenzhandel stehen in diesem Jahr Mikrodramen und vertikale Inhalte im Handyformat, Produktionen mit künstlicher Intelligenz und Unterhaltung von Creatorn im Mittelpunkt.
Erstmals gibt es ein eigenes MIP AI Entertainment Forum. Schon nach der Ausgabe 2025 sprach Messedirektorin Lucy Smith von einem Wendepunkt: „Das war der größte Umbruch für die MIPCOM seit einer Generation.“
Entsprechend ist das Programm besetzt. Am Montag erhält Bela Bajaria, Content-Chefin von Netflix, den Variety Vanguard Award und spricht anschließend über die Strategie des Streamingdienstes. Für YouTube tritt Pedro Pina auf, Vizepräsident für Europa, Nahost und Afrika.
Jeff Zucker und Marco Bassetti von Banijay Entertainment halten ebenfalls am Montag eine Keynote, und die Verantwortlichen der BBC berichten über Marken wie „Bluey“ und „Doctor Who“. Am Montagabend um 19 Uhr lädt YouTube gemeinsam mit Merzigo zur offiziellen Eröffnungsparty ins Majestic.
Eine Münchner Liebesgeschichte feiert Weltpremiere
Aus Münchner Sicht steht der Dienstag im Kalender. Dann zeigt die MIPCOM im Grand Auditorium die Weltpremiere der Royal-Serie „Queen Silvia“. Sie erzählt die Geschichte der Deutsch-Brasilianerin Silvia Sommerlath, „unsere Silvia“, die den schwedischen Kronprinzen Carl Gustaf während der Olympischen Spiele 1972 in München kennenlernte und später Königin von Schweden wurde.
Gedreht wurde in München, Stockholm und an der Côte d’Azur, gefördert unter anderem vom FilmFernsehFonds Bayern. Produziert haben Pyjama Pictures und Unlimited Stories für Prime Video und SAT.1, den internationalen Vertrieb übernimmt die Münchner Beta Film.

Die Vorführung der ersten Folge am Dienstag, 13. Oktober, um 18 Uhr ist ausnahmsweise auch für Publikum ohne Fachbesucherausweis offen, mit englischen und französischen Untertiteln.
Im Anschluss stellen sich die Hauptdarsteller Alicia von Rittberg („Charité“, „Becoming Elizabeth“, „Call My Agent! Berlin“) und Edvin Endre den Fragen, gemeinsam mit Showrunner Carsten Kelber und Regisseur Miguel Alexandre. Im Fernsehen ist die Serie 2027 zu sehen, zuerst bei Prime Video und vier Wochen später bei SAT.1.
Auch das ZDF ist mit einer Premiere vertreten: Bereits am Montag um 18 Uhr läuft der Agententhriller „Honey“, eine sechsteilige Geschichte aus dem Kalten Krieg, die im Ost-Berlin des Jahres 1982 spielt. Sie handelt von der MI6-Undercover-Agentin Martha, gespielt von Ann Skelly, die in eine gefährliche Dreiecksbeziehung und tief in die Welt der Spionage gerät. Im Ensemble ist auch Jannis Niewöhner zu sehen. Diese Vorführung ist allerdings registrierten Messebesuchern vorbehalten.
Was der Zugang kostet
Billig ist der Einlass in den Fernsehmarkt nicht. Laut Veranstalter kostet der einfachste Besucherpass, der „Visitor Classic“, für die vier Messetage 1.950 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Einkäufer von Sendern und Plattformen zahlen nach einer Bewerbung mit dem „Buyer Classic“ 1.440 Euro.
Die Premium-Pässe für 2.750 Euro bieten zusätzlich Zugang zu einer eigenen Lounge mit Bewirtung für Geschäftstermine. An der Spitze stehen die Prestige-Pässe für 3.580 Euro, die Flughafentransfers, einen persönlichen Concierge, einen bevorzugten Einlass ins Palais und die Vermittlung von Zimmern in den Luxushotels der Stadt umfassen.
Reise, Hotel und Verpflegung kommen hinzu, was gerade für kleinere unabhängige Produktionsfirmen eine erhebliche Investition bedeutet. Umso bemerkenswerter ist, dass die Premiere von „Queen Silvia“ am Dienstag auch ohne Pass zugänglich ist.
Praktischer Hinweis zum Parken
Wer mit dem Auto zum Palais fährt, kann das Parkhaus direkt am Festivalpalast nutzen. Von Montag bis Freitag gibt es einmal pro Woche zwei freie Stunden beim ersten Parken, danach wird viertelstundenweise abgerechnet. Große SUV passen allerdings nicht hinein, denn die Einfahrt ist auf eine Höhe von 1,80 Metern begrenzt.
Info zur MIPCOM
Die MIPCOM (12. bis 15. Oktober 2026) versteht sich als internationaler Marktplatz und Zugang zum weltweiten Medien- und Contentgeschäft. Sie bringt Studios, Sender, Streamingplattformen, Vertriebe, Creator, Marken sowie KI- und Technologieunternehmen aus über 100 Ländern zusammen. Hier werden Geschäfte abgeschlossen, Partnerschaften angebahnt und neue Inhalte für ein weltweites Publikum auf den Weg gebracht. Weitere Informationen gibt es unter www.mipcom.com.




