Nach sieben Jahren Wartezeit ist es am kommenden Dienstag soweit: Die roten Jacken leuchten wieder am Marienplatz. Pünktlich zum Dreikönigstag beginnt in München eine der ältesten und exklusivsten Traditionen der Stadt.
Es ist ein Brauch, der Geduld erfordert. Nur alle sieben Jahre, immer zwischen Heiligdreikönig (6. Januar) und dem Faschingsdienstag, gehört die Stadt den Schäfflern. Wenn am Dienstag um 14:00 Uhr auf dem Marienplatz der „Bayerische Defiliermarsch“ erklingt, endet eine lange Durststrecke für alle Liebhaber des Münchner Brauchtums.
„Abermals wird die Bevölkerung erinnert…“
Der Ursprung dieses Tanzes ist düster, doch die Botschaft ist pure Lebensfreude. Die Legende führt uns zurück in das schreckliche Pestjahr 1517. Die Stadt war, wie es in der Überlieferung heißt, „verödet und schier dem Untergang geweiht“. Niemand traute sich mehr aus den Häusern. Es waren die Schäffler (Fassmacher), die als erste den Mut fanden, die Totenstille zu durchbrechen. Mit frischem Mut, tanzenden Reifenbögen und Musik lockten sie die verängstigten Bürger wieder auf die Straßen und erweckten „neues Leben“.
Seit über 500 Jahren wird dieses Gedenken nun bewahrt – seit 1760 im festen Rhythmus von sieben Jahren.
Ein Handwerk im Wandel der Zeit
Ursprünglich war der Tanz eine strenge Zunftangelegenheit: Nur unverheiratete Schäfflermeister oder deren Söhne mit einwandfreiem Leumund durften mittanzen. Doch die Zeiten ändern sich. Da Brauereien längst auf Aluminiumfässer und Container umgestiegen sind, stirbt das klassische Handwerk des Fassmachers langsam aus.
Um die Tradition zu retten, musste man sich öffnen: 1963 durften erstmals verheiratete Männer tanzen, und seit 1970 verstärken auch berufsfremde Tänzer die Truppe. Heute wird der Brauch vom „Fachverein der Schäffler Münchens“ (gegründet 1871) organisiert. Die rund 33 aktiven Tänzer, die wir in den kommenden Wochen sehen, sind Idealisten: Sie nehmen extra Urlaub und tanzen ehrenamtlich, um dieses Stück Münchner Seele lebendig zu halten.
Worauf Sie beim Zuschauen achten müssen
Der Tanz folgt einer festen Choreografie, die sich Mitte des 19. Jahrhunderts etablierte. Achten Sie auf die Figuren wie die „Laube“, das „Kreuz“ und die spektakuläre „Krone“.
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Der Reifenschwinger: Der heimliche Star der Truppe. Er balanciert volle Schnapsgläser in den schwingenden Reifen – ohne einen Tropfen zu verschütten!
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Die Kasperl und die „Schwarze Nase“: Lassen Sie sich nicht erschrecken, wenn ein bunt gekleideter Clown auf Sie zukommt. Die Kasperl tragen eine hölzerne Puppe am Gürtel („Gretl mit der Buttn“), in der schwarze Farbe versteckt ist. Ein schwarzer Strich im Gesicht erinnert an den „Schwarzen Tod“ (die Pest), gilt aber heute als absoluter Glücksbringer!

Schäfflertanz Auftakt 2026 am Marienplatz 06.01.2026 (©Foto: Ingrid Grossmann)
Der Terminkalender für die Saison 2026
Die Saison ist kurz und intensiv. Bis zum 17. Februar absolvieren die Tänzer hunderte Auftritte. Viele finden in Firmenhöfen statt, doch es gibt zahlreiche öffentliche Gelegenheiten, dem Spektakel beizuwohnen.
Hier eine Auswahl der feststehenden Termine, damit Sie Ihre Planung darauf abstimmen können:
Der große Auftakt
06.01.2026, Dienstag (Heiligdreikönig):
- 14.00 Uhr SchäfflertANZ am Marienplatz. Erster Tanz der Saison mit Grußworten von Bürgermeisterin Verena Dietl. (Tipp: Kommen Sie frühzeitig!) (Vorprogramm: 13:00 Uhr Standkonzert)
- 16.30 Uhr Augustiner Schützengarten Zielstattstrasse 6, 81379 München
- 17.30 Uhr Maibaumverein Sendling-Westpark e.V. Luise-Kiesselbach-Platz (Maibaum), 81377 München
Weitere Highlights im Januar

Schäfflertanz im PEP Neuperlach (©Foto: Martin Schmitz)
19.01.2026, Montag:
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13:00 Uhr, Augustinum München-Nord (Weitlstr. 66) – öffentlich und bei freiem Eintritt
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16.00 Uhr Bezirksausschuss 10 Kusocinskidamm 80992 München
20.01.2026, Dienstag
- 12.00 Uhr Landeshauptstadt München, Friedenstraße 40, 81671 München
- 14.00 Uhr Bayerische Staatskanzlei Hofgarten 80538 München
- 16.00 Uhr Münchner Bank eG Frauenplatz 2 80331 München
- 17.00 Uhr Landeshauptstadt München Karlsplatz / Stachus 80335 München
21.01.2026. Mittwoch
- 15.00 Uhr Kirche St. Ansgar Gulbranssonstraße 3 81477 München
17.00 Uhr Landeshauptstadt München Max-Joseph-Platz 80539 München
18.00 Uhr Der Pschorr Viktualienmarkt 15 80331 München
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Do, 29.01.: 15:00 Uhr, Augustinum Neufriedenheim (Stiftsbogen 74) – ebenfalls öffentlich.
Das große Finale im Februar
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Di, 17.02. (Faschingsdienstag):
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Vormittags (ca. 10:00 Uhr): Auftritt im Rahmen des Tanz der Marktweiber auf dem Viktualienmarkt.
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Abends (21:00 Uhr): Der allerletzte Tanz in der Neuhauser Straße (Fußgängerzone). Hier wird traditionell im Fackelschein getanzt, bevor das Fass zerlegt und die Krone demoliert wird – ein Gänsehaut-Moment zum Abschied.
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Wer also in den kommenden Wochen Männer in roten Fräcken, grünen Kappen, Lederschurz und weißen Strümpfen sieht: Bleiben Sie stehen! Genießen Sie den Moment. Es dauert schließlich wieder sieben Jahre, bis sie wiederkommen.

