Virtual Bundesliga in der Allianz Arena: RB Leipzig gewinnt den ersten Showdown der Saison
Fußball ohne Rasen, ohne Flutlicht und ohne Stollenschuhe, und trotzdem mit Jubel, Anspannung und einem Finale am Sonntagabend: Am 25. Oktober 2026 war die Virtual Bundesliga zu Gast in München.
Im Business Club der Allianz Arena trafen die 16 besten Clubs der Online-Vorrunde zum ersten Showdown der Saison 2026/27 aufeinander. Zahlreiche Fans verfolgten die Partien kostenlos vor Ort, alle Spiele wurden zudem live auf Twitch übertragen. Am Ende setzte sich RB Leipzig im Finale gegen den SC Paderborn 07 durch.

Was ist die Virtual Bundesliga?
Hinter dem Namen steckt der offizielle Wettbewerb im sogenannten eFootball, also Fußball an der Spielkonsole. Gespielt wird das Fußballspiel EA SPORTS FC 27, in dem die echten Mannschaften der Bundesliga mit ihren realen Spielern auf dem virtuellen Platz stehen. Ins Leben gerufen haben die Liga die DFL Deutsche Fußball Liga und EA Sports bereits im Jahr 2012, damals noch unter dem Namen Virtuelle Bundesliga. Heute heißt der Wettbewerb nach seinem Namenssponsor WOW Virtual Bundesliga.
In der Club Championship, um die es in München ging, treten nicht Einzelspieler auf eigene Rechnung an, sondern die Proficlubs selbst. 35 Vereine aus der Bundesliga und der 2. Bundesliga unterhalten dafür eigene eSport-Teams mit festen Spielern, Trainern und Trikots in Vereinsfarben.
Die Spiele werden im Eins-gegen-eins ausgetragen: Zwei Spieler sitzen sich an der Konsole gegenüber, jeder steuert seine komplette Mannschaft. Ein Duell zwischen zwei Clubs besteht aus zwei solchen Einzelpartien, deren Tore zu einem Gesamtergebnis addiert werden, ähnlich wie bei Hin- und Rückspiel im Europapokal.
Für Außenstehende überraschend sind oft die Ergebnisse, denn zweistellige Torzahlen über beide Partien sind im virtuellen Fußball keine Seltenheit. Im Viertelfinale zwischen der SV Elversberg und Borussia Mönchengladbach fielen in zwei Partien insgesamt 28 Tore.
Der Weg nach München
Die Saison ist in fünf sogenannte Showdowns gegliedert. Jeder Showdown beginnt mit einer Online-Vorrunde, in der jeder Club sechs Duelle von zu Hause oder vom Vereinsgelände aus bestreitet. Nur die 16 besten Teams dieser Vorrunde ziehen in die K.-o.-Runde ein, die vor Publikum an einem festen Ort stattfindet. Dort geht es vom Achtelfinale bis zum Finale um Zusatzpunkte für die Gesamttabelle; der Sieger eines Showdowns erhält acht Zähler zusätzlich.
Wie eng es dabei zugehen kann, zeigte schon die Vorrunde: Am Ende entschied ein Foto-Finish zwischen acht punktgleichen Clubs darüber, wer die Reise nach München antreten durfte. Holstein Kiel schaffte es als 16. gerade noch, Bayer 04 Leverkusen blieb dagegen außen vor.
Ein Favorit, der seiner Rolle gerecht wurde
RB Leipzig, dessen eSport-Team unter dem Namen RBLZ Gaming antritt, reiste als klarer Favorit an. Die Leipziger hatten die Online-Vorrunde mit sechs Siegen aus sechs Duellen und 59:25 Toren als Tabellenführer abgeschlossen.
Auch in München ließen die Leipziger nichts anbrennen: Im Achtelfinale setzten sie sich gegen Holstein Kiel mit 8:4 durch, im Viertelfinale gegen den VfB Stuttgart mit 9:7 und im Halbfinale gegen den SV Darmstadt 98 mit 13:8. In München vertraten zwei Spieler die Leipziger Farben: Alihan Hadzhi und ein prominenter Neuzugang, Nassim „RBLZ_Nassada“ Dahman, der im Frühjahr 2026 noch für den SC Freiburg die Deutsche Einzelmeisterschaft der Virtual Bundesliga gewonnen hatte. Die Sachsen sind in diesem Wettbewerb keine Unbekannten: Mit drei Titeln in der Club Championship sind sie bislang Rekordmeister.

Auch der Finalgegner bringt Titelerfahrung mit. Der SC Paderborn 07 gewann die Club-Meisterschaft in der Saison 2023/24 und zählt seither zu den festen Größen der Liga. In München räumten die Ostwestfalen nacheinander den SC Freiburg (6:4), Borussia Dortmund (6:2) und Borussia Mönchengladbach (9:4) aus dem Weg.
Ein Finale bis zum letzten Tor
Das Endspiel wurde zur engsten Partie des Tages. Paderborn gewann die erste Einzelpartie mit 5:4 und ging damit in Führung. Leipzig antwortete in der zweiten Partie mit einem 8:6 und drehte das Gesamtergebnis so auf 12:11, ein einziges Tor gab am Ende den Ausschlag.
An den Konsolen trafen dabei zwei bekannte Namen der Szene aufeinander: Für Leipzig spielten der amtierende Einzelmeister Nassim Dahman und Alihan Hadzhi, für Paderborn u.a. Jonas „Jonny“ Wirth, der in der Saison 2023/24 mit der Einzel- und der Clubmeisterschaft der Virtual Bundesliga sowie der UEFA eChampions League gleich drei Titel gewonnen hatte und inzwischen wieder für Paderborn antritt. Der Wechsel des Champions nach Leipzig zahlte sich damit gleich beim ersten Auftritt vor Publikum aus.
Für die Gesamttabelle bedeutet der Turniersieg acht Zusatzpunkte für Leipzig, Paderborn erhält als Zweiter sechs. Die unterlegenen Halbfinalisten Darmstadt und Mönchengladbach bekommen je vier Punkte, die Viertelfinalisten wie SpVgg Greuther Fürth je zwei. Daneben ging es auch um Geld: im Showdown ging ein Preisgeld von 9.000 Euro an die Siegermannschaft.
Gleich mehrere Plätze nach vorne brachte das dem Team der SpVgg Greuther Fürth. Die Franken setzten sich im Achtelfinale mit 6:4 gegen den FC St. Pauli durch und unterlagen erst im Viertelfinale Darmstadt mit 5:7. Einer der beiden Fürther hatte dabei eine kurze Anreise: Luan „Lubappe6“ Waldleitner wohnt im Münchner Umland. Das ist in der Virtual Bundesliga nichts Ungewöhnliches, denn viele Spieler leben nicht dort, wo ihr Club zu Hause ist. Trainiert und gespielt wird zu großen Teilen online, und gerade das macht den Reiz des virtuellen Fußballs aus.
Kurzer Auftritt für den Gastgeber
Weniger erfreulich verlief der Tag für den gastgebenden FC Bayern München mit seinen Profis Furkan Kayacik und Koray Kücükgünar. Trotz zahlreicher Bayern-Fans im Rücken war für die Münchner bereits im Achtelfinale Schluss. Nach einem 3:3 in der ersten Partie unterlagen sie dem VfB Stuttgart in der zweiten knapp mit 1:2 und schieden mit 4:5 aus. Damit blieb das Heimspiel ein kurzes Vergnügen, und Zusatzpunkte für die Gesamttabelle gab es keine.

Gaming-Arena mit Rahmenprogramm
Für die Allianz Arena war es eine Premiere: Erstmals war dort eSport auf diesem Niveau zu sehen. Der Business Club wurde dafür zur Gaming-Arena umgebaut, der Eintritt war frei, eine Anmeldung nicht nötig. Neben den Wettkampfplätzen gab es Anspielstationen, an denen Besucher selbst zum Controller greifen konnten, dazu einen Fotopunkt mit der Meisterschale der Virtual Bundesliga und der echten Bundesliga-Meisterschale. Für Erinnerungsfotos stand außerdem FC-Bayern-Maskottchen Berni bereit.

Nah dran an den Spielern
Spannend war der Tag nicht nur wegen der Ergebnisse. Für viele Teilnehmer war es neu, direkt vor Publikum zu spielen und von den Rängen aus angefeuert zu werden; die Online-Vorrunde bestreiten sie sonst ohne Zuschauer im Raum. Umgekehrt konnten die Besucher erleben, wie die Spieler an den Konsolen um jedes Tor kämpften, während die Partien parallel auf großen Bildschirmen liefen.
Dabei zeigten sich ganz unterschiedliche Typen: Manche wirkten nach außen eher in sich gekehrt, vielleicht waren sie aber auch einfach nur extrem konzentriert. Andere gingen die Sache sichtbar lässiger an. Bei entscheidenden Toren hielt es dann aber kaum jemanden auf dem Stuhl, laute Jubelschreie waren keine Seltenheit.
Wie es weitergeht
Mit dem Showdown in München hat die Saison erst begonnen. Die nächsten Stationen sind Berlin am 14. November, Dresden am 20. Dezember im Rudolf-Harbig-Stadion, Köln am 22. Januar und Dortmund am 21. Februar. Den Abschluss bilden die Finals im XPERION Hamburg, wo im kommenden Frühjahr der Deutsche Club-Meister im eFootball gekürt wird.
Über die Virtual Bundesliga werden zudem Startplätze für den DFB-ePokal und die eChampions League vergeben, es geht also nicht nur um den nationalen Titel. Als Titelverteidiger geht Borussia Dortmund ins Rennen, RB Leipzig hat mit dem Sieg in München aber gleich zu Beginn ein deutliches Zeichen gesetzt.

Wo man die Virtual Bundesliga verfolgen kann
Wer nach dem Besuch in der Allianz Arena oder diesem Bericht neugierig geworden ist, kann ganz ohne Abo einschalten. Die Virtual Bundesliga überträgt ihre Spiele live und kostenlos auf ihrem Kanal bei Twitch, Mitschnitte und Zusammenfassungen gibt es auf YouTube unter @VirtualBundesliga. Kurze Clips, Torszenen und Eindrücke hinter den Kulissen liefern die Kanäle auf Instagram und TikTok. Viele Clubs begleiten ihre eSport-Teams zusätzlich über eigene Kanäle, so etwa RB Leipzig mit RBLZ Gaming.
Ergebnisse, Tabellen und Spielpläne aller Showdowns stehen auf der offiziellen Seite virtual.bundesliga.com. Am schönsten ist es aber vor Ort: Alle fünf Showdowns sind für Zuschauer geöffnet, in München war der Eintritt frei.




