O’zapft is mit zwei Schlägen: das Oktoberfest 2026 wurde am 19.09.2026 eröffnet
Dominik Krause meistert 2026 seinen ersten Wiesn-Anstich als Oberbürgermeister
Zwei Schläge, ein sauber gesetzter Zapfhahn, die erste Maß gefüllt: Handwerklich hat Dominik Krause seinen ersten Anstich als Münchner Oberbürgermeister am Samstag im Schottenhamel-Festzelt ohne Makel absolviert. Pünktlich um 12 Uhr rief er „O’zapft is! Auf eine friedliche Wiesn!“, reichte die erste Maß der Tradition folgend an Ministerpräsident Markus Söder weiter, und die zwölf Böllerschüsse an der Bavaria gaben den Ausschank in allen Zelten frei. Damit ist das 191. Oktoberfest eröffnet.

Vom Einlass bis zum Schlag um zwölf
Für viele Wiesn-Besucher begann der Eröffnungstag lange vor dem ersten Bier. Schon im Morgenlicht standen an den Zäunen rund um die Theresienwiese dichte Gruppen in Lederhose und Dirndl, auffallend viele junge Leute darunter, die Stimmung entspannt und gesprächig. Laut Bild zog sich die Schlange vor dem Haupteingang bereits gegen 7 Uhr über Hunderte Meter, manche Besucher hatten sogar die Nacht vor dem Tor verbracht, um sich einen guten Platz in den Zelten zu sichern.
Vorgesehen war die Öffnung des Festgeländes um 9 Uhr, nach Beobachtung von ganz-muenchen.de ging es tatsächlich erst gegen 9.10 Uhr los. Dann setzte der traditionelle Wiesn-Run ein: Eine Kette von Ordnern hielt die Menge zunächst noch mit ausgestreckten Armen zurück, während an der Seite die Ersten in Janker, Lederhose und Wadlstrümpfen Richtung Festzelte liefen.
Damit sich der Ansturm besser auf die Zelte verteilte, stoppten die Ordner die Menge an den Eingängen immer wieder für kurze Zeit. In den Zelten gibt es am Eröffnungstag ab 10 Uhr Essen und alkoholfreie Getränke, Bier fließt erst nach dem Anstich.
Um 10.35 Uhr setzte sich an der Sonnenstraße der Einzug der Wiesnwirte in Bewegung, über den ganz-muenchen.de in einem eigenen Beitrag berichtet.
Unter der Decke hingen Tannengirlanden mit weiß-blauen Schleifen, an der Holzwand der Box erinnern gerahmte Schwarz-Weiß-Fotos an frühere Anstiche. Ein besonderes Stück ist die Sammlung der Oberbürgermeister-Anzapfschlegel von Hermann Memmel: Auf einer Regalwand hängen die Schlegel seit 1986, jeder mit Jahreszahl beschriftet und viele davon signiert. Davor stand ein Fass voller Spaten-Steinkrüge, in der Mitte der Anstichtisch mit Schlegel und Zapfhahn.

Die Live-Übertragung im Ersten und im BR Fernsehen hatte um 11.15 Uhr mit dem Wirteeinzug begonnen, im Schottenhamel moderierten Michael Sporer und Susanne Wiesner. Um 11.53 Uhr stand Sporer gut gelaunt mit Mikrofon und „O’zapft is!“-Moderationskarte vor den mit Tannengrün und weiß-blauen Bändern geschmückten Spaten-Holzfässern bereit, auf der Galerie drängten sich Fotografen und Kameraleute um die besten Plätze. Dann ging es auf zwölf zu.
Gut vorbereitet in die Anzapfboxe
Die Nervosität hielt sich nach eigenem Bekunden in Grenzen. Dominik Krause erzählte kurz vor dem Anstich: „Zwei Bier habe ich gestern Abend getrunken und bestens geschlafen.“ Am Morgen sei die Aufregung dann aber doch gestiegen. Festwirt Christian Schottenhamel verriet hinterher, dass die Voraussetzungen für den Neuling nicht ganz einfach gewesen seien: Krause hatte einen besonders kleinen Schlegel aus dem Bestand seines Vorgängers übernommen, mit dem sich schwerer arbeiten lässt als mit einem größeren Modell. Umso bemerkenswerter ist das Ergebnis. Mit zwei Schlägen teilt sich Krause gleich bei seiner Premiere den Rekord mit seinen Vorgängern Dieter Reiter und Christian Ude.
Buhrufe im Zelt, im Fernsehen kaum zu hören
Weniger einhellig war die Stimmung unten im Zelt. Als Krause vorgestellt wurde, mischten sich hörbare Buhrufe unter den Applaus, und nach Beobachtung von ganz-muenchen.de vor Ort fielen sie lauter aus als jene, mit denen Söder empfangen wurde. Damit hat sich die gewohnte Rollenverteilung im Schottenhamel verschoben: In den vergangenen Jahren erhielt Reiter beim Anstich regelmäßig Applaus, während der Ministerpräsident mit Unmutsäußerungen rechnen musste.
Ein Grund für die Buhrufe bei Krause dürfte einige Jahre zurückliegen. 2023, damals noch Stadtrat der Grünen, hatte Dominik Krause das Oktoberfest spöttisch als „weltweit größte offene Drogenszene“ bezeichnet. Im Anstichzelt mit seinen vielen Stammgästen aus Stadtgesellschaft und Wiesn-Umfeld ist diese Bemerkung offenbar nicht vergessen. Wer den Anstich am Bildschirm verfolgte, bekam davon allerdings wenig mit. In den Live-Übertragungen waren die Buhrufe kaum wahrnehmbar, so wie auch in früheren Jahren die Unmutsäußerungen gegenüber Söder im Fernsehen nicht zu hören waren.
Söder und Krause: Einigkeit mit Blick auf Olympia
Zwischen Ministerpräsident und Oberbürgermeister war von Spannungen nichts zu spüren, im Gegenteil. Schon vor dem Anstich hatte Markus Söder mit Blick auf den ersten grünen Oberbürgermeister Münchens gewitzelt: „Ein Grüner? Ein Mensch!“ Nach dem Anzapfen lobte er Krauses Arbeit am Fass: „Solide, lang trainiert, gut gemacht.“ Und er fügte hinzu: „Es geht nicht darum, dass er ein Grüner ist, ich mag ihn als Mensch. Wir arbeiten bei Olympia gut zusammen.“ Beim anschließenden Mittagessen in der Ratsboxe deutete er auf sein Hendl und rief schmunzelnd: „Wir beide! Keine vegane Wiesn!“
Das gemeinsame Thema des Tages war unübersehbar die Olympia-Bewerbung. Am kommenden Samstag, 26. September, entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in Baden-Baden, mit welchem der drei Konzepte aus Berlin, München und KölnRheinRuhr Deutschland ins internationale Rennen um die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 geht. Söder machte keinen Hehl daraus, dass er auf München hofft.
Krause wertete seine zwei Schläge als gutes Omen für die Bewerbung und verwies darauf, dass die Stadt gerade erst die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2031 nach München geholt hat.
Christian Ude auf dem Balkon
Nach dem Anzapfen kam Krause als Erster auf den Balkon des Schottenhamel, wo sich traditionell die Stadtpolitik versammelt, und schüttelte Hände. Söder folgte rund zehn Minuten später. Mit dabei war auch Alt-Oberbürgermeister Christian Ude, der das Treiben im Zelt mit seinem Smartphone filmte. Im Gespräch mit der Abendzeitung meinte er augenzwinkernd, eigentlich sei es viel schöner, nicht selbst anzapfen zu müssen, der Anstich sei aber nach wie vor „ein unvergleichliches Gefühl“. Reiter, der ebenfalls eingeladen war, war nicht erschienen.

Bei den Grünen war die Freude über die Premiere groß. Landtagsfraktionschefin Katharina Schulze rief schon zur Begrüßung „Historischer Tag!“, auch Katrin Habenschaden und Claudia Roth gehörten zu den Gratulanten. Söders Frau Karin Baumüller-Söder gratulierte Krause noch direkt am Fass.
Kimmich neben Söder: Wer am Tisch saß
Auch die Tischordnung in der Ratsboxe sorgte für Gesprächsstoff. FC-Bayern-Profi Joshua Kimmich war auf Initiative von Krause selbst eingeladen worden, die beiden hatten sich bei der Meisterfeier im Rathaus kennengelernt und gut verstanden. Kimmich saß mit seiner Frau neben Söder, Krause neben Karin Baumüller-Söder.
Mit am Tisch saßen außerdem Krauses Verlobter Sebastian Müller, Franz Herzog von Bayern mit seinem Partner Thomas Greinwald, die mit Krause persönlich befreundet sind, sowie Lahav Shani, der neue Chefdirigent der Münchner Philharmoniker. Gesprochen habe man nach Krauses Worten über „Musik, Fußball und Olympia“. Einzige kleine Panne des Mittags: Das Hendl für die Ehrengäste ließ auf sich warten, bis Festwirt Schottenhamel persönlich nachhalf.
Fußball, Schlager und Fernsehen im Zelt
Wie jedes Jahr war der Anstich auch ein Treffpunkt der Prominenz. Florian Silbereisen verfolgte die Premiere gemeinsam mit seinem Freund DJ Ötzi aus nächster Nähe und bekam eine der ersten Maßen gereicht. Sein Urteil über den neuen Oberbürgermeister fiel eindeutig aus: „Er hat das bravourös gemacht, ich war ja hautnah dran.“ Unter den Gästen im Schottenhamel waren außerdem das Schlager-Duo Marianne und Michael, TV-Moderator Riccardo Basile und BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl.

Auch Sebastian Müller, der als Verlobter des Oberbürgermeisters selbst eine Wiesn-Premiere erlebte, zog ein zufriedenes Fazit: „Es hat alles super geklappt, ich bin überglücklich.“ Ob sich die Stimmung im Zelt gegenüber dem neuen Oberbürgermeister im Lauf seiner Amtszeit dreht, wird sich spätestens beim nächsten Anstich zeigen.




