An Tag 31 des Wiesnaufbaus tut sich nun auch auf einem der letzten noch freien Zeltgrundstücke etwas: Bei unserem heutigen Aufbaubesuch auf der Theresienwiese konnten wir sehen, dass das Gelände links neben dem Löwenbräuzelt für den neuen Flößerstadl bereits abgesteckt ist. Die Markierungen zeigen an, wo in den kommenden Wochen im Rekordtempo ein komplett neues Festzelt entstehen wird. Während die großen Zelte ringsum längst in die Höhe wachsen und teilweise schon mit der Innendekoration begonnen haben, beginnt hier die vielleicht spannendste Baustelle der diesjährigen Wiesn erst jetzt so richtig.
Nachrücker für die Münchner Stubn: Wie es zur Vergabe kam
Dass an dieser Stelle überhaupt noch einmal neu geplant werden musste, ist die Folge eines der ungewöhnlichsten Kapitel der jüngeren Wiesngeschichte. Eigentlich hätte hier die Münchner Stubn von Wirt Alexander Egger stehen sollen, der den Vertrag mit der Landeshauptstadt bereits sicher hatte. Doch Egger ließ die Frist zur Unterschrift verstreichen und zog sich damit überraschend vom Oktoberfest 2026 zurück. Die Stadt musste mitten in der laufenden Aufbauphase improvisieren und einen neuen Wirt finden.
Anfang Juli fiel dann die Entscheidung: Wirtschaftsreferent und Wiesnchef Christian Scharpf gab bekannt, dass der Münchner Gastronom Klaus Bartl den Zuschlag erhält. Nach Angaben der Festleitung gab es dafür einen breiten überfraktionellen Konsens, einem neuen Wirt eine Chance zu geben. Scharpf zeigte sich erfreut, so schnell einen Nachfolger gefunden zu haben, der sich Zeltaufbau und Betriebsvorbereitung in nur rund zehn Wochen zutraut, und verwies auf eine große Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität innerhalb der Wiesn-Wirtefamilie.
Für Bartl ist es ein besonderer Moment, denn er hatte sich in den vergangenen Jahren bereits mehrfach um einen Platz auf der Wiesn beworben, zunächst ohne Erfolg. Der Grundsatzstreit um die künftige Vergabe der Wiesnzelte, bei dem die Münchner Festwirte eine mögliche europaweite Ausschreibung kritisch sehen, läuft im Hintergrund übrigens weiter, hat auf das Oktoberfest 2026 aber keine Auswirkungen mehr.
Der Wirt: Vom Almwirt in Haar und der Floßlände in Thalkirchen auf die Wiesn
In der Münchner Gastronomie ist Klaus Bartl kein Unbekannter. Gemeinsam mit der Familie Erhardt führt er den Almwirt in Haar, ein bayerisches Wirtshaus mit Alm-Charme, regionalen Schmankerln und Augustiner vom Holzfass. Außerdem betreiben Klaus Bartl und Christian Erhardt den Campingplatz in München-Thalkirchen, der direkt an der Isar auf dem Gelände der ehemaligen zentralen Floßlände liegt. Dort legen bis heute jeden Sommer die Ausflugsflöße an, und genau diese lebendige Verbindung zur Isar-Flößerei gibt dem neuen Zelt seinen Namen.
Bartl ist zudem Mitglied im Münchner Flößer-Kulturverein und möchte mit seinem Zelt die Geschichte und Bedeutung der Flößerei für München und die Region aufgreifen, die über Jahrhunderte eine der wichtigsten Lebensadern der Stadt war.
Das Konzept: Mittleres Zelt mit rund 400 Sitzplätzen und Augustiner vom Holzfass
Bartls Flößerstadl wird als Enten- und Hühnerbraterei geführt und gehört mit rund 400 Sitzplätzen zu den kleineren, mittleren Zelten auf dem Oktoberfest. Genau darin sehen die Wirte den Reiz: nahbar, persönlich und überschaubar genug, dass man seine Bedienung auch wiederfindet. Schon die Fassade soll an den Aufbau eines Floßes erinnern, im Inneren sorgen viel rustikales Holz, historische Fotografien, alte Ruder und handwerkliche Details für Atmosphäre. Umgesetzt wird das Ganze in Zusammenarbeit mit der Flößerei Angermaier, aktiven Isarflößern und Flößerfamilien, das Motto lautet passend: „Auf Floss geht’s los!“
Kulinarisch gibt es neben dem klassischen reschen Grillhendl und saftiger Bauernente auch modernere Geflügelgerichte wie Backhendl, hausgemachtes Entenragout und geräucherte Entenbrust, dazu vegetarische und vegane Alternativen.
Im Straßenverkauf will Bartl unter anderem auf bayerische Suppen und gerupfte Ente in der Semmel setzen. Ausgeschenkt wird frisch gezapftes Augustiner aus dem Holzfass, wer mag, bekommt außerdem ausgewählte Weine und Champagner. Die Wirte legen zudem Wert auf regionale Zutaten, kurze Wege, Ökostrom und Mehrwegsysteme, der Betrieb wurde als Münchner ÖKOPROFIT-Betrieb 2025 ausgezeichnet.
Bierpreis und Preise: Die Karte lässt noch auf sich warten
Wer jetzt wissen möchte, was die Maß im Flößerstadl kosten wird, muss sich noch ein wenig gedulden. Die Speisen- und Getränkekarte ist auf der Website angekündigt, aber noch nicht veröffentlicht, was angesichts des extrem kurzfristigen Starts wenig verwundert. Der Wirt hat aber bereits durchblicken lassen, dass er beim Bierpreis das gute Mittelfeld anpeilt.
Zur Einordnung: Auf der Wiesn 2026 kostet die Maß Festbier je nach Zelt zwischen 14,80 und 15,90 Euro, in der Augustiner-Festhalle liegt sie mit 14,90 Euro am unteren Ende der großen Zelte. Sobald die Karte des Flößerstadls online ist, reichen wir die konkreten Preise an dieser Stelle nach.
Reservierung: Eine gute Chance für alle, die noch Plätze suchen
Eine gute Nachricht gibt es für alle, die für die Wiesn 2026 noch keine Reservierung ergattern konnten: Im Flößerstadl kann bereits jetzt online reserviert werden. Auf der Website www.floesserstadl.de steht dafür ein Reservierungsbereich samt Zeltplan als PDF bereit, jeder Tisch bietet Platz für zehn Personen. Während in den etablierten Zelten die begehrten Zeiten erfahrungsgemäß längst vergeben sind, eröffnet der Neuzugang hier eine echte Chance auf einen Tisch, auch zu attraktiven Terminen. Wer also noch auf der Suche ist, sollte einen Blick auf floesserstadl.de werfen.
Das 191. Münchner Oktoberfest findet vom 19. September bis 4. Oktober 2026 auf der Theresienwiese statt.
Der Flößerstadl hat montags bis freitags von 10 bis 23 Uhr geöffnet, samstags und sonntags bereits ab 9 Uhr. Wir bleiben natürlich dran und begleiten den Aufbau des neuen Zelts in unserer Wiesn-Aufbau-Serie weiter, vom heute abgesteckten Grundstück bis zum fertigen Stadl.

