An diesem Wochenende verwandelt sich die Münchner Leopoldstraße zwischen dem Siegestor und der Münchner Freiheit wieder in eine weitläufige, autofreie Flaniermeile. Unter dem gemeinsamen Dach des veranstaltungsreichen Wochenendes treffen zwei Konzepte aufeinander, die oft in einem Atemzug genannt werden, jedoch eigene Wurzeln und Schwerpunkte besitzen: das Zamanand Festival und der traditionsreiche Corso Leopold. Die Zusammenlegung dieser beiden Großevents auf der gesperrten Schwabinger Magistrale schafft ein städtisches Kulturereignis, das zehntausende Besucher anzieht und den öffentlichen Raum für zwei Tage völlig neu definiert.

Die feinen Unterschiede: Wer macht was auf der Leopoldstraße?
Obwohl die Festmeile optisch wie aus einem Guss wirkt, teilen sich die beiden Veranstaltungen die Strecke organisatorisch und inhaltlich auf. Das Zamanand Festival – dessen Name sich aus den bayerischen Wörtern „zamm“ (zusammen) und „anand“ (miteinander) zusammensetzt – wird maßgeblich von der Landeshauptstadt München, unter anderem dem Referat für Klima- und Umweltschutz, getragen. Es versteht sich in erster Linie als ein großes, interaktives Stadtlabor. Hier stehen die Themen Nachhaltigkeit, Klimaschutz, soziale Inklusion, Mobilität der Zukunft und das gesellschaftliche Miteinander im Vordergrund. Das Festival nutzt den öffentlichen Raum, um zu zeigen, wie eine lebenswerte, grüne und tolerante Stadt von morgen aussehen kann. Die Stände sind stark partizipativ geprägt, das heißt, das Mitmachen, Diskutieren und Ausprobieren steht im Fokus.
Der Corso Leopold hingegen blickt auf eine lange Historie zurück und entspringt der bürgerschaftlichen und künstlerischen Tradition Schwabings. Organisiert vom Corso Leopold e.V., steht dieses Event traditionell für die Rückgewinnung des Boulevards als Kultur- und Begegnungsstätte.
Während das Zamanand Festival stark gesellschaftspolitisch und ökologisch orientiert ist, legt der Corso Leopold seinen Schwerpunkt auf die Kunst- und Kulturszene, das lokale Ehrenamt, die Vielfalt der Musik und den klassischen Schwabinger Boheme-Geist. Hier dominieren die verschiedenen Live-Bühnen, von Kabarett über Mundart bis hin zu elektronischer Musik, sowie Foren für den politischen und intellektuellen Diskurs.

Die verbindenden Elemente: Was hält die Meile zusammen?
Trotz der unterschiedlichen Ausrichtungen und Akteure im Hintergrund gibt es eine starke Klammer, die das Zamanand Festival und den Corso Leopold zu einer untrennbaren Einheit verschmilzt. Das fundamentale Bindeglied ist die vollständige Befreiung des Straßenraums vom Autoverkehr.
Beide Events teilen die Vision, dass eine Hauptverkehrsachse wie die Leopoldstraße temporär den Menschen zurückgegeben werden muss, um soziale Interaktion überhaupt erst zu ermöglichen.
Darüber hinaus verbindet beide Veranstaltungen ein tief verankertes demokratisches Verständnis und der Anspruch der Kostenfreiheit. Sämtliche Konzerte, Podiumsdiskussionen, Sportangebote und Kunstaktionen sind ohne Eintrittszugang für alle Bürger zugänglich.
Auch das Thema Nachhaltigkeit wird gemeinschaftlich gelebt: Ein konsequentes Mehrweg-System, die strikte Wertstofftrennung, der vermehrte Einsatz ökologischer Sanitärsysteme sowie ein kulinarisches Angebot, das einen klaren Fokus auf biologische, regionale sowie vegetarisch-vegane Speisen legt, ziehen sich durch die gesamte Zone vom Siegestor bis zur Münchner Freiheit.

Die Programm-Highlights: Worauf kann man sich freuen?
Das diesjährige Programm des Corso Leopold steht unter dem Leitmotiv „Alles beginnt. Jetzt.“ und bietet auf den verschiedenen Abschnitten eine bemerkenswerte Dichte an kulturellen und sportlichen Höhepunkten.
Der DisCorso: Dieses Diskussionsforum bildet das intellektuelle Herzstück des Corso Leopold. Unterstützt von der Thomas-Dehler-Stiftung, der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und dem Verein youmocracy kommen hier Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Medien und Zivilgesellschaft mit dem Publikum ins Gespräch. Diskutiert wird auf Augenhöhe über brennende Themen wie Meinungsfreiheit, die Zukunft Europas, Digitalisierung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Theater der Corsaren: An der Georgenstraße entsteht ein Anziehungspunkt für die jüngere Generation und Liebhaber elektronischer Musik. Kuratiert vom Münchner Kollektiv BMZ und technisch realisiert mit Phase-Labs, bespielen lokale und regionale DJs die Open-Air-Bühne mit einem Spektrum von Groove und Trance bis hin zu Bounce und Hard House. Es bringt echte Club- und Festivalstimmung mitten auf den Schwabinger Asphalt.
Die Traumstadt-Bühne: Hier wird die literarische und kabarettistische Tradition gepflegt. Das Publikum erwartet eine Mischung aus Wortkunst und Musik, bei der unter anderem der frühere Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, André Hartmann und Ludwig Müller auftreten. Ergänzt wird das Programm durch Formationen wie die Schüler-Swingband der Hermann-Frieb-Realschule und die finnische Sängerin Tuija Komi.
meiVEREIN-Bühne: Diese Bühne widmet sich ganz der regionalen Identität und der Mundart. Das ehrenamtliche Netzwerk bietet eine Plattform für Dialekt-Künstler abseits von verstaubten Klischees. Der Bogen spannt sich von gemütlichen Wirtshaus-Beats über TechnoBrass und Mundart-Rap bis hin zu Kabarett und Liedermacher-Akustikpop.
Neues Kunstforum München: Unter dem Titel „Schwarzweißes Tasten“ wird Kunst live erlebbar. Vor einer großformatigen Collage der Künstler Martin Blumöhr und Tobias Krug sind die aktuellen Seerosenpreisträger Esther Glück und Heribert Heindl aktiv. Begleitet wird die visuelle Kunst von der Pianistin Masako Ohta am Kunstklavier und Gesangseinlagen von Barbara Janina und Elsie Marley.
Corso Sportivo: Auch die Bewegung kommt nicht zu kurz. Das etablierte, interkulturelle Straßenfußballprojekt buntkicktgut veranstaltet wieder seine Turniere auf der Straße. Erstmalig wird das sportliche Angebot durch ein Outdoor-Gym von Prime Time Fitness ergänzt, bei dem die Besucher unter freiem Himmel trainieren und neue Fitnesskonzepte ausprobieren können.
Familienprogramm & Silent Disco: Für die jüngsten Besucher bietet der Corso Leopoldino hinter der Münchner Freiheit zahlreiche Spiel-, Mal- und Bastelaktionen. Auf der Sing & Swing Bühne läuft tagsüber ein erweitertes Familienprogramm, bevor sich das Areal am Samstagabend in eine Silent Disco verwandelt, bei der mit Kopfhörern unter freiem Himmel getanzt wird.
Parallel dazu liefert das Zamanand Festival auf seinen Flächen die passenden interaktiven Erlebniswelten zu Umwelt- und Klimaschutz. Hier präsentieren sich städtische Referate, Umweltorganisationen und soziale Initiativen mit Parcours zur Mikromobilität, Lastenrad-Teststrecken, Repair-Cafés und Anschauungsobjekten zur urbanen Begrünung.
Logistik und Sicherheit vor Ort
Die logistische Dimension dieses Doppel-Festivals ist immens. Um die Sicherheit der großen Besucherströme zu gewährleisten, wurde das Sicherheitskonzept in enger Abstimmung mit den städtischen Behörden weiter optimiert. Eine wesentliche Neuerung betrifft die Absicherung der einmündenden Seitenstraßen, die durch zusätzliche, mobile Fahrzeugsperren geschützt werden, um eine völlig geschützte Fußgängerzone zu garantieren.
Aufgrund der großflächigen Sperrung der Leopoldstraße kommt es zu erheblichen Umleitungen im innerstädtischen Busverkehr.
Die Münchner Verkehrsgesellschaft empfiehlt daher dringend die Nutzung der U-Bahn-Linien U3 und U6. Die Stationen Giselastraße und Münchner Freiheit führen die Fahrgäste direkt an die jeweiligen Enden und Kernbereiche der Flaniermeile.


