Der „Glöckner von Notre Dame“ läutet das Jubiläum ein

Start in eine Saison voller Musical-Highlights zum Jubiläum des Deutschen Theaters

Einen Tusch, bitte! Das Deutsche Theater München feiert in der neuen Saison seine 130 Jahre – und beschenkt vor allem die Musical-Fans mit Top-Produktionen. Ab 10. November kommt die Liebesgeschichte „Romeo & Julia – Liebe ist alles“, erzählt mit der Musik der Rosenstolz-Macher Peter Plate und Ulf Leo Sommer (ein Mega-Erfolg bereits in Berlin!), kurz vor Weihnachten folgt „Die Päpstin“, im neuen Jahr „Hello! Again?“ mit den Hits von Howard Carpendale. Und zu den Highlights „Mamma Mia!“ und „Ich war noch niemals in New York“ 2027 muss man gar nicht mehr viel sagen.

Los geht der bunte Musical-Reigen im Jubiläumsjahr mit Disneys Version von „Der Glöckner von Notre Dame“ (noch bis 8. November 2026). Keine leichte Kost, es wird gemordet, geprügelt, und Hexen werden auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Und ein Happy End sieht auch anders aus. Der berühmte Schmöker von Victor Hugo spielt im Paris des 15. Jahrhunderts. Also vor ganz langer Zeit. Damals strahlte bereits die Kathedrale Notre-Dame, inzwischen nach dem großen Brand restauriert, und man durfte vieles noch ungescholten sagen. Heute braucht es im Programmheft eine ganze Seite für die Erklärung, warum die „Zigeunerin Esmeralda“ wie im Original-Roman auch im Bühnenstück genau so heißt und das Z-Wort nicht ersetzt wurde.

2026 geht „der Glöckner“ in einer Produktion des Budapester Operettentheaters (bekannt für hinreißende Operetten-Aufführungen) auf Tournee. Man darf eine Aufführung, die eine ganze Spielzeit lang im Wiener Ronacher gezeigt wurde (2022/2023), nicht mit einer Tourproduktion vergleichen, die unter ganz anderen Gegebenheiten aufgebaut ist. Und tut es unweigerlich doch.

Schlussapplaus: "Der Glöckner von Notre Dame" im Deutschen Theater (©Foto: Ingrid Grossmann)
Schlussapplaus: „Der Glöckner von Notre Dame“ im Deutschen Theater (©Foto: Ingrid Grossmann)

Früher war irgendwie mehr Lametta? Damals in Wien stand zusätzlich ein ganzer Chor für die Szenen in der düsteren Kirche auf der Bühne. Kostüme und Bühnenbild der Long-Run-Show hatten irgendwie mehr Details (die Budapester haben für das Ensemble tüchtig Kleider aus dem vorhandenen Operetten-Fundus geborgt).

Und zwischen der Interpretation und dem körperlichen Einsatz von David Jakobs (seit 2017 der Glöckner in Berlin, München, Stuttgart und Wien) und der Erstbesetzung der Titelfigur jetzt in München, Péter Sándor, liegt nun mal eine kleine Welt. Obwohl sich Sándor, Star-Solist in Budapest, bei „Draußen“ die Seele aus dem Leib singt und den Text so gut wie akzentfrei beherrscht. Beim Ensemble ist leider an einigen Stellen die Muttersprache nicht zu überhören – trotz intensivem Deutsch-Coaching.

„Der Glöckner von Notre Dame“ (Musik Alan Menken, Liedtexte Stephen Schwartz, deutsche Adaption Michael Kunze, Regie Zsolt Homonnay) erzählt die bewegende Geschichte des entstellten Quasimodo, der im Glockenturm der Kathedrale verborgen aufwächst – fernab der Welt. Als er die schöne Esmeralda kennenlernt, vergisst er erstmals seine Scheu vor anderen Menschen. Beim „Narrenfest“ wird er wegen seines Aussehens verspottet. Nur Esmeralda ergreift für ihn Partei, denn sie sieht direkt in sein Herz, ungeachtet seines Äußeren. „Der Glöckner von Notre Dame“ trägt die Geschichte über Außenseitertum, Liebe und Gerechtigkeit mit großen Emotionen in die Gegenwart.

Auch wer das Original kennt, lässt sich gerne in die Story hineinziehen. Und wenn im Finale Quasimodo sein Kostüm samt „Buckel“ ablegt, sich die „Narben“ aus dem Gesicht wischt und alle Mitwirkenden sich die Hände reichen, setzt der große Applaus ein. Ende gut, alles gut. Übrig bleibt nur die Frage, wo das große Orchester (17 Musiker sorgen für den Sound) backstage eigentlich platziert war.

Gaby Hildenbrandt

Disneys Der Glöckner von Notre Dame
Noch bis 8. November 2026, letzte Vorstellung am Sonntag um 14 Uhr
Deutsches Theater München, Schwanthalerstraße 13, 80336 München
Infos/Tickets: www.deutsches-theater.de  

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