Wiesn-Halbzeit 2026: Mehr Gäste unter der Woche und Durst auf Weißbier

bis einschließlich Sonntag rund 3,8 Millionen Gäste auf der Theresienwiese

Zur Halbzeit des Oktoberfests hat die Festleitung am Sonntag, 27. September, im Marionettentheater auf der Oidn Wiesn Bilanz gezogen. Bei überwiegend sonnigem, mildem Spätsommerwetter verlief die erste Festwoche fröhlich und friedlich.

Nach Schätzung der Festleitung kommen bis einschließlich Sonntag rund 3,8 Millionen Gäste auf die Theresienwiese (2025: 3,5 Millionen). Die Zahlen der Oidn Wiesn folgen zur Abschlusspressekonferenz. Überschattet wurde die Woche vom tödlichen Unfall eines Mitarbeiters am Hangover, der die Wiesn-Familie mit großer Trauer erfüllt.

Wie Wiesnchef Christian Scharpf die erste Wiesnhälfte einordnet, zeigt das Video von der Pressekonferenz:

Die Wiesn unter der Woche

Am ersten Wochenende war der Andrang etwas geringer als im Vorjahr, dafür kamen von Montag bis Donnerstag 18,5 Prozent mehr Gäste. Die Festleitung sieht darin einen Erfolg der Kampagne „How to Wiesn“, die unter anderem zum Besuch unter der Woche einlädt. In den Zelten gab es an diesen Tagen immer wieder freie Plätze, sodass man bequem von Zelt zu Zelt ziehen und zwischendurch eine Runde durch den Schaustellerbereich drehen konnte.

Dank gut besetzter Biergärten mussten die Festzelte nur punktuell geschlossen werden. Das bunt gemischte Publikum, überwiegend in Tracht, flanierte über das Festgelände, und gerade internationale Gäste fotografierten begeistert alles, was ihnen vor das Handy kam. Auf der Oidn Wiesn kamen die ersten Gäste schon sehr früh. Unter der Woche prägten Familien, Kindergartengruppen und Schulklassen das Bild, auch der Familientag wurde wieder sehr gut angenommen. In den Fahrgeschäften lagen die Besucherzahlen etwa auf Vorjahresniveau.

Weißbier legt zu, Kässpatzen bleiben Favorit

Die Sprecher der kleinen und großen Wiesnwirte berichten von einer sehr schönen Feierstimmung. Der Bierabsatz liegt zur Halbzeit etwas unter dem Vorjahresniveau. Laut Verein der Münchner Brauereien ging der Festbierkonsum um 1,4 Prozent zurück, alkoholfreies Bier legte um 4,5 Prozent zu. Die teils sommerlichen Temperaturen steigerten die Lust auf Weißbier um 15 Prozent, neu ist der Trend zum sauren Radler.

Vegetarische und vegane Gerichte waren etwas stärker gefragt, Dauerbrenner sind die Kässpatzen, Klassiker bleiben Bratwürste und das halbe Hendl. Beim Straßenverkauf gehören gebrannte Mandeln, Schokofrüchte und Lebkuchenherzen weiterhin zu den Rennern, und bei Imbissen greifen die Gäste gerne etwas tiefer in die Tasche, wenn die Qualität überzeugt.

Auf dem Portal Oktoberfest-Booking.com, über das 19 gastronomische Betriebe nicht genutzte Reservierungen zum Originalpreis weitergeben, zählt man rund 220.000 Seitenaufrufe pro Tag (2025: 200.000). Bis Sonntag wurden 1.200 Transaktionen abgewickelt (2025: 750).

Edelweiß oder Breze

Bei den Souvenirs griffen vor allem internationale Gäste zu Lebkuchenherzen, wobei das Verkaufspersonal gerne übersetzte, etwa „Spatzl“ als „Sweetheart“ oder „Fescher Bua“ als „Bel ragazzo“. Gefragt waren auch Pins, die den Beziehungsstatus verraten: Das Edelweiß steht für „vergeben“, die Breze für „Single“. Spaß-Hüte wurden dagegen seltener gekauft, möglicherweise, weil sie das sorgfältig gewählte Trachtenoutfit stören. Beim Wiesn-Hit zeichnet sich eine erste Tendenz ab: Als Newcomer gilt das Lied „Gute Laune“ vom Duo GroßstadtEngel.

Ein Bildband über Tibet im Fundbüro

Das Fundbüro, heuer vom Behördenhof ins Verkehrsmuseum umgezogen, zählte bis Freitag 800 Fundsachen und damit 40 Prozent weniger als im Vorjahr (2025: 1.750). Darunter waren 335 Ausweise, 135 Handys und ein einziger Schirm, 260 Fundstücke sind bereits zurück bei ihren Besitzern.

An neuem Ort: das Fundbüro (©Foto: Martin Schmitz)
An neuem Ort: das Fundbüro (©Foto: Martin Schmitz)

Als kuriosester Fund gilt ein großer Bildband über Tibet. Auch beim Krug-Klau zeigte man sich zurückhaltender: Das Ordnerpersonal sammelte rund 52.000 Maßkrüge ein (2025: 59.000).

Polizei, Feuerwehr und Sanitätsdienst

Alle Sicherheitsbehörden loben die Besonnenheit der Gäste und sind sich einig, dass sich das optimierte Sicherheitskonzept bewährt hat. Die Kontrollen an den Eingängen werden problemlos akzeptiert, der Einlass zur Oidn Wiesn wurde im Lauf der Woche weiter verbessert. Die Kameras des Crowd-Spotter-Systems samt KI-Technik arbeiten stabil.

Die Polizei zieht nach acht von 16 Festtagen eine zufriedene Bilanz: Die Wiesn bleibt ein Ort für ein friedliches und ausgelassenes Miteinander. Bei 936 Einsätzen (2025: 833) wurden 471 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten festgestellt, gemessen an Millionen Gästen ein moderates Niveau. Ein Tötungsdelikt gab es bislang nicht, die Widerstände gegen Polizeibeamte gingen von 14 auf 8 zurück. Gelobt wird die Zivilcourage vieler Gäste, die über den Notruf 110 Hinweise geben oder sich als Zeugen zur Verfügung stellen. Die Videoüberwachung hat sich bewährt, in 98 Fällen unterstützten die Kameras polizeiliche Einsätze.

Italienische Polizisten verstärken die Polizei am mittleren und letzten Wiesnwochenende (©Foto: Martin Schmitz)
Italienische Polizisten verstärken die Polizei am mittleren und letzten Wiesnwochenende (©Foto: Martin Schmitz)

Neu ist die Unterstützung durch das Drohnenkompetenz- und Abwehrzentrum der Bayerischen Polizei, bislang wurden 82 Luftfahrzeuge im Flugbeschränkungsgebiet festgestellt, davon 74 Drohnen.

Auch im Verkehr sinken die Zahlen: Trunkenheitsfahrten mit E-Scootern gingen um über 20 Prozent zurück, abgeschleppt wurden 526 Fahrzeuge (2025: 648). Die Polizei empfiehlt weiterhin, zu Fuß, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Taxi heimzufahren und bei der Anreise auf P+R zu setzen.

Die Feuerwehr spricht von einer sehr ruhigen Wiesn mit weniger Einsätzen als in den Vorjahren.

Die Aicher Ambulanz meldet leicht erhöhte Patientenzahlen, die sich jedoch besser verteilten, sodass es keine Spitzenzeiten gab. Hervorgehoben wird die reibungslose Zusammenarbeit mit Feuerwehr und Behörden. Auch der TÜV und die Lokalbaukommission, die vorab 139 Zelte und Fahrgeschäfte abgenommen haben, melden weniger Verletzungen als im Vorjahr.

Ökostrom und Trinkbrunnen

Das Oktoberfest wird vollständig mit Ökostrom versorgt. In den ersten sieben Tagen lag der Verbrauch mit 1.147.865 Kilowattstunden um 3,71 Prozent unter dem Vorjahr, vor allem wegen der wärmeren Temperaturen. Auch der Erdgasverbrauch sank um rund 14 Prozent, da einige Betriebe schrittweise auf Strom umstellen. Die zehn Trinkbrunnen an den WC-Anlagen wurden um 24 Prozent stärker genutzt, am meisten Wasser floss hinter dem Augustiner Festzelt. Die Lebensmittelüberwachung und das Gesundheitsreferat bescheinigen den Betrieben einen hohen Hygienestandard, bei den Proben bereits gespülter Krüge gab es keine einzige Beanstandung.

Entspannte Anreise

Die MVG und die Deutsche Bahn melden eine entspannte erste Woche ohne Kapazitätsengpässe. Viele Gäste kamen mit der S-Bahn über die Hackerbrücke oder den Hauptbahnhof, der U-Bahnhof Theresienwiese bleibt der meistgenutzte Zugang, und auch die Schwanthalerhöhe wird zunehmend genutzt. Sperrungen waren bis Freitag nicht nötig. Die Straßenreinigung kam mit der täglichen Säuberung des Festplatzes gut zurecht und setzte tagsüber, soweit es die Besucherströme zuließen, auch ein Elektrofahrzeug und eine kleine Kehrmaschine ein.

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