Oktoberfestbierprobe 2026
Die sechs Münchner Wiesnbiere im Bennosaal des Löwenbräukellers
Neun Tage vor dem Anstich hat sich die Münchner Wiesnfamilie am Donnerstagabend im Bennosaal des Löwenbräukellers zur traditionellen Oktoberfestbierprobe getroffen. Auf Einladung des Vereins Münchener Brauereien stellten die sechs Braumeister ihre Wiesnbiere für das 191. Oktoberfest vor, bevor die Gäste aus Politik, Gastronomie, Stadtgesellschaft und Medien bei einer Blindverkostung ihre Sensorik unter Beweis stellen durften.
Auffällig gut gelaunt zeigten sich dabei die Wiesnwirte, viele davon frisch aus dem Urlaub und noch braungebrannt, bevor es ab dem 19. September wieder in die Zelte geht.

Wer alles da war
Der Bennosaal war bis auf den letzten Platz mit der Wiesnfamilie besetzt. Aus dem Rathaus kamen Wirtschaftsreferent und Wiesnchef Dr. Christian Scharpf sowie Wiesnstadträtin Anja Berger, dazu die Stadträte Ulrike Grimm, Anne Hübner, Christian Köning, Clara Nitsche, Manuel Pretzl und Monika Schmid-Balzert. Auch der frühere Wiesnchef Clemens Baumgärtner ließ sich den Abend nicht entgehen.
An den Tischen saßen die Wirtsfamilien der großen und kleinen Wiesnzelte, für die großen Zelte die Sprecher Peter Inselkammer und Christian Schottenhamel, für die kleinen Josef Able, Werner Hochreiter und Otto Lindinger. Ebenfalls begrüßt wurden der neu gewählte Präsident des Bayerischen Brauerbundes Dr. Stefan Kreisz, Festring-Geschäftsführerin Svjetlana Krsticevic, für die Schausteller und Marktkaufleute Günther Bretz sowie Yvonne Heckl, Chefin des Verbands Münchner Schausteller (VMS).
Für die Musik sorgten wie in den Vorjahren die Hinterberger aus Bad Tölz, und der Dank des Vereins ging an die Familie Reinbold, die den altehrwürdigen Saal für den Abend hergerichtet hatte.
Ein Blumenstrauß für das Münchner Kindl
Einen besonderen Moment gab es gleich zu Beginn: Geschäftsführer Andreas Maisberger bat das neue Münchner Kindl Sina Hochreiter nach vorne, die heuer erstmals die Wiesn-Festzüge anführen wird, und überreichte ihr einen Blumenstrauß. Zuvor hatte Maisberger den Abend mit einem Satz eröffnet, der die Stimmung im Saal traf: „Ohne Wiesnbier koa Wiesn und ohne Wiesn koa Wiesnbier.“ Die Zeiten würden für die Brauereien nicht leichter, zwischen zwei Wiesn müsse man als Verband so einiges erklären. Heute aber sei ein Tag, an dem man München, das Bier und die Wiesn hochleben lasse.

Leibhard: Bier und Brauereien prägen das Bild der Stadt
Der 1. Vorsitzende des Vereins, Dr. Martin Leibhard, nannte die Bierprobe die einmalige Gelegenheit, in kürzester Zeit alle sechs Wiesnbiere nebeneinander zu verkosten und zu beurteilen. Die Wiesn sei zwar eine Veranstaltung der Stadt München, aber ohne Bier, Festwirte und Schausteller funktioniere sie nicht, und das Oktoberfest sei ebenso prägend für das Bild der Stadt wie die Brauereien selbst. Mit einem Augenzwinkern lieferte er auch gleich eine Idee für den Münchner Wahlkampf: 1.000 Euro für jeden erwachsenen Münchner, ausgezahlt in Wiesngutscheinen.
Berger: Das Münchner Bier ist das Fundament der Wiesn
Wiesnstadträtin Anja Berger sprach von der Gewissheit, dass alles bereitet sei für den 19. September und die 16 Wiesntage danach. Das Münchner Bier sei das Fundament der Wiesn und ein Schatz, auf den man aufpassen müsse. Über 90 Prozent der Menschen weltweit kennen laut Berger den Begriff Oktoberfest, und die allermeisten wüssten auch, dass es ein Fest des Münchner Bieres ist.

Scharpf: Aufbau im Zeitplan, Gelassenheit auf der Theresienwiese
Wiesnchef Christian Scharpf zog ein positives Zwischenfazit der Vorbereitungen. Die Aufbauarbeiten auf der Theresienwiese lägen voll im Zeitplan, und das Geschehen vor Ort zeichne sich durch eine bemerkenswerte Ruhe ohne künstliche Hektik aus.
Entsprechend zuversichtlich blicke die Festleitung dem Anstich entgegen. Rückblickend auf das vergangene Jahr zeigte sich Scharpf verwundert über die Intensität mancher öffentlicher Debatten im Vorfeld, etwa um gestalterische Vorgaben bei Fahrgeschäften.
Die weltweite Strahlkraft des Münchner Bieres, das in internationalen Umfragen gemeinsam mit dem Oktoberfest regelmäßig den Spitzenplatz belege, sei ein Pfund, für das er den sechs Brauereien und den Festwirten dankte. Scharpf stellte an diesem Abend auch den offiziellen Oktoberfestkrug 2026 der Landeshauptstadt München vor, zum Abschluss gab es für jeden Gast ein Exemplar mit nach Hause.

Berger wie Scharpf gingen auch auf die mündliche Verhandlung ein, die am Freitag 11.09.2026 vor dem Bayerischen Obersten Landesgericht ansteht. Anlass ist die Klage des Wirts der Münchner Stubn gegen die Nichtzulassung zur Wiesn, und im Kern geht es um die Frage, ob die Vergabe der Wiesnplätze künftig ein europaweites Vergabeverfahren erfordern würde. Beide äußerten die Hoffnung, dass das Gericht im Sinne der Landeshauptstadt entscheidet und die Wiesn in ihrer bewährten Form erhalten bleibt, mit Münchner Bier als einzigem Ausschank auf der Festwiese.
Was das Oktoberfestbier ausmacht
Seit 2022 tragen die sechs Oktoberfestbiere das EU-Herkunftssiegel „Geschützte geografische Angabe“. Es garantiert, dass Oktoberfestbier ausschließlich in München nach dem Münchner Reinheitsgebot von 1487 gebraut wird und genau das Bier ist, das auf dem Oktoberfest ausgeschenkt wird.
Zu den zentralen Merkmalen gehören die Münchner Herkunft, eine Stammwürze von mindestens 13,6 bis 14 Prozent, ein Alkoholgehalt zwischen 5,3 und 6,6 Prozent, die goldgelbe Farbe und der kräftige, süffige Geschmack. Gemeinsam ist allen sechs Bieren die exzellente Gesamtqualität, das glanzklare, brillante Aussehen, die feinporige, stabile Schaumkrone und ein spritzig-frischer Gesamtcharakter. Und dennoch hat jedes seinen ganz eigenen Charakter.
Die sechs Wiesnbiere 2026 im Vergleich
Das Augustiner Oktoberfestbier von Braumeister Andreas Brunner ist mit 13,8 Prozent Stammwürze und 6,3 Volumenprozent Alkohol das stärkste im Feld und mit 18 Bittereinheiten zugleich das mildeste. Es schenkt sich leuchtend strohfarben aus, mit der Augustiner-typischen frischen Hefenote, gepaart mit einem würzig-floralen Hopfenaroma. Tennemalz verleiht dem Bier seinen charaktervollen, schlanken Malzkörper mit einer zarten Süße, die Bittere ist angenehm und ausgewogen, der Abgang speziell aus dem Holzfass unerreicht süffig.
Hacker-Pschorr setzt mit 11 EBC auf das farblich dunkelste Bier des Vergleichs. Braumeister Maximilian Mirlach stellte den bernsteinfarben-goldenen Jahrgang als betont malzaromatisch vor, mit Hopfenblume und einem vollmundigen, malzigen Körper. Bei 13,7 Prozent Stammwürze, 5,9 Volumenprozent und 24 Bittereinheiten ist die Hopfengabe so abgestimmt, dass der kräftige Körper gradlinig bleibt und ein kräftiges, malzbetontes Finale mit ausbalancierter Hopfennote entsteht.
Das Hofbräu Oktoberfestbier von Sebastian Utz zeigt sich strahlend goldgelb. Feiner kräutiger Hopfen trifft auf süßen, fruchtigen Malz, der Körper ist malzbetont und vollmundig, gleichzeitig erfrischend süffig. Mit 13,7 Prozent Stammwürze, 6,0 Volumenprozent, 9 EBC und 24 Bittereinheiten verabschiedet sich das Bier weich und samtig, die Restsüße geht in eine angenehm nachklingende Bittere über.
Löwenbräu-Braumeister Maximilian Hübner präsentierte ein leuchtend goldgelbes, klares und brillantes Bier mit frisch-hopfenbetontem Aroma, feiner Hopfenblume und Fruchtnoten auf dezenter Malzbasis. Im Vordergrund steht ein unkomplizierter, ausgewogener Trinkgenuss ohne Schwere. Mit 26 Bittereinheiten ist es das hopfigste der sechs, bei 13,7 Prozent Stammwürze, 6,1 Volumenprozent und 6,2 EBC. Der Abgang ist harmonisch und trinkfreudig mit runden, floralen Hopfennoten.
Paulaner-Braumeister Christian Dahncke braut sein Oktoberfestbier mit bayerischer Sommergerste, hellem Malz und Münchner Brauwasser. Es leuchtet sonnengelb, im Aroma dominiert der Malzkörper, begleitet von frischem Hopfenaroma und fruchtigen Noten. Mit 13,6 Prozent Stammwürze, 5,9 Volumenprozent, 8 EBC und rund 22 Bittereinheiten setzt Paulaner auf eine dezente Malzsüße, kombiniert mit einer spürbaren, aber mild austarierten Bittere. Das Ergebnis ist ein vollmundiger Körper mit angenehmer, unaufdringlicher Malzsüße und ein erfrischend süßer Abgang mit fruchtig-estrigen Eindrücken.
Spaten schließlich, gebraut von Thomas Kreutz, präsentiert sich kräftig goldgelb glänzend. Elegant malzbetont, mit dezentem Hopfenaroma und einer fein eingebundenen Hopfenbittere, die an Kräuter erinnert, kommt es auf 13,7 Prozent Stammwürze, 5,9 Volumenprozent, 6,4 EBC und 25 Bittereinheiten. Der Körper ist vollmundig mit angenehmer, unaufdringlicher Malzsüße, der Abgang elegant balanciert mit feinherber Hopfenbittere.


Blindverkostung mit Tragerl als Siegprämie
Nach den Vorstellungen der Braumeister kamen an jedem Tisch alle sechs Biere verdeckt ins Glas, und die Gäste hatten zu erraten, welches Bier zu welcher Brauerei gehört. Maisberger hatte die Bedenkzeit heuer bewusst verkürzt, damit niemand vorher im Handy nachschauen kann, und dazu ein kniffliges Quiz mit Zusatzfragen vorbereitet. Gewinnen konnte nur, wer alle sechs Biere richtig zuordnete.
Als Preis wartete ein Sechsertragerl aus grauem Filz mit dem Schriftzug „Zeltkulturerbe“ und den Logos aller sechs Brauereien, bestückt mit je einer Flasche jedes Oktoberfestbiers 2026. Das Fazit des Abends fiel bei allen Tischen ähnlich aus: Die sechs Biere sind bestens, jedes auf seine Art.
Ab dem 19. September kann sich das jeder auf der Theresienwiese selbst bestätigen lassen, weitere Informationen rund um die Wiesn gibt es auf ganz-muenchen.de.




