Art Lunch von Dr. Sonja Lechner
Kunst, Kulinarik und Netzwerk in der Sammlung der WTS im Werksviertel
„Die einzig revolutionäre Kraft ist die Kraft der menschlichen Kreativität“: Der Satz von Joseph Beuys hat in Zeiten von Künstlicher Intelligenz nichts von seiner Aktualität verloren, und er passte gut zu einer Einladung, die diesmal mitten in eine Kunstsammlung führte. Die Münchner Kunsthistorikerin Dr. Sonja Lechner bat zu ihrem Art Lunch in die Räume der WTS im Münchner Werksviertel, wo rund 90 Gäste aus Kunst, Kultur, Wirtschaft, Politik und Sport zusammenkamen.
Vom Ladies Art Lunch zum gemeinsamen Format
Den allerersten „Ladies Art Lunch“ richtete Dr. Sonja Lechner 2014 aus. Dr. Sonja Lechner erinnert sich: „Damals wie heute ging es mir darum, Macherinnen und Gestalterinnen aus unterschiedlichsten Berufen bei einem Netzwerklunch miteinander zu verknüpfen, bin ich doch fest davon überzeugt, dass die Probleme unserer Zeit nur in der Interdisziplinarität gelöst werden können.“
Kurz nach dem Start kam der „Gentlemen Art Lunch“ hinzu. Zum zehnjährigen Jubiläum führte Dr. Lechner beide Formate erstmals zusammen, seither lädt sie Gäste aller Geschlechter gemeinsam ein.
Die Gastgeberin wurde an diesem Mittag mehrfach gewürdigt. Petra Reinbold, die gerade zwei Wochen als Wirtin im Schützen-Festzelt auf der Wiesn hinter sich hatte, meinte: „Sie ist eine begnadete Förderin junger Künstler, eine ebenso fachkundige Kuratorin großer Sammlungen und genau hiervon dürfen wir uns heute bei der WTS und der Familie Esterer überzeugen! Das Wort Networking – ich glaube das hat sie erfunden!“
Dr. Roger Diederen, Direktor der Kunsthalle München, schloss sich an: „Mit ihrem seit vielen Jahren etablierten ‚Art Lunch‘ schafft Sonja Lechner einen Raum, in dem Kunst Menschen unterschiedlichster Hintergründe zusammenführt – und aus Begegnungen neue Verbindungen und Impulse entstehen.“
Eine Unternehmenssammlung mit dem Leitgedanken Vielfalt
Bisher fand der Art Lunch meist in Museen statt, etwa in der Pinakothek der Moderne, im Museum Brandhorst, in der Villa Stuck, im Lenbachhaus, in der Glyptothek, im Bayerischen Nationalmuseum und in der Kunsthalle München. Diesmal stellte Dr. Lechner eine der Unternehmenssammlungen vor, die sie mit ihrer Firma Kunstkonnex aufbaut. „Die WTS sticht unter den vielen, vielen Sammlungen, die wir aufzubauen die Ehre haben, insofern hervor, als dass ‚Vielfalt‘ das Postulat ihrer Ausrichtung ist“, erläuterte sie.
Entsprechend breit ist die Sammlung des international tätigen Steuerberatungsunternehmens angelegt. Sie umfasst Arbeiten junger wie etablierter Künstlerinnen und Künstler, bekannte und noch unbekannte Namen, Positionen unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Geschlechter. Vertreten sind Malerei, Skulptur, Grafik, Fotografie, Multimedia und Bildobjekte, dazu NFTs.

Die WTS-Villa im Werksviertel
Der Mittag begann mit einem Champagnerempfang im Neubau der WTS, anschließend ging es in die benachbarte, denkmalgerecht sanierte WTS-Villa. Das Gebäude entstand 1871 als Lagergebäude, war zunächst Sitz einer Waggonfabrik und diente später als Verwaltungsgebäude einer Spedition. Der neuklassizistische, zweigeschossige Walmdachbau mit Pilastergliederung und einem Merkur-Relief über dem Eingang wurde laut Denkmalliste um 1920 erweitert.
Viele Münchner kennen das Haus aus ganz anderer Zeit: Bis 2019 war hier das „Loft“ als Eventlocation zu Hause, bevor die WTS die Immobilie sanieren und ausbauen ließ. Fritz Esterer, Vorstandsvorsitzender der WTS: „Unsere Villa ist nach ihrer Restaurierung und Modernisierung ein echter Hingucker. Mit ihr haben wir ein Zentrum für Kultur und Begegnung sowie einen Raum für künstlerischen Diskurs geschaffen.“
Langjährige Partner
Champagner gab es auch zum gesetzten Lunch. Daniel Stühler, Luxury Relations Manager, erklärte die Verbindung des Champagnerhauses Perrier-Jouët zu dem Format: „Seit 11 Jahren begleitet die Maison Perrier-Jouët die Art Lunches von Dr. Sonja Lechner, weil sie jedes Mal eine wunderbare Gelegenheit darstellen, die tiefe Verbindung des Hauses zur Kunst zu würdigen.“
Noch ein Jahr länger dabei ist Premium Cars Rosenheim, Sponsor aller Art Lunches seit 2014. Vor der Villa standen ein Range Rover Sport und ein Range Rover Evoque. Geschäftsführer Josef M. Eder: „Der Art Lunch ist eine gelungene Verschmelzung zwischen der faszinierenden Welt des Automobils und der inspirierenden Welt der Kunst. Wir freuen uns, seit der ersten Stunde Teil dieses außergewöhnlichen Events zu sein.“
Bei ihrer Begrüßung dankte Dr. Lechner den Sponsoren ebenso wie allen, die Geschenke für die Goodiebags der Gäste beigesteuert hatten. Neben den Medienpartnern Madame und Parnass waren das La Mer, Ole Lynggaard und der Piper Verlag.

Gäste aus Kunst, Wirtschaft, Politik und Sport
Zum dreigängigen Menü gab es Kürbisschaumsuppe, danach Tatar, Risotto oder Zwiebelrostbraten und zum Abschluss Crêpes Suzette. An den Tischen wurde über gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Fragen diskutiert.
Aus dem Kunst- und Kulturbereich waren unter anderem Achim Hochdörfer (Direktor Museum Brandhorst), Dr. Roger Diederen, Laura Schieferle (Leitung Kunstareal München) und Silvia Amberger (Bergson) gekommen.
Aus der Wirtschaft waren Detlev und Leslie von Wangenheim (Duken & Wangenheim Immobilien), Emil und Eva Schustermann, Prof. Dr. Ralph Speth, Marianne Wille (Dallmayr), Fritz Esterer, Petra Winter (Beautiful Minds Media) und Andrea Schoeller (Schoeller & Rehlingen) dabei.
Die Politik vertraten unter anderem Georg Eisenreich, bis vor kurzem Bayerischer Justizminister, sein Nachfolger im Amt Josef Schmid, früher Zweiter Bürgermeister Münchens, sowie Gerswid Herrmann, die Frau des Bayerischen Innenministers.
Außerdem am Tisch: Silke Scheele für Ole Lynggaard, die frühere Rennfahrerin Christina Tomczyk-Surer, Springreiterin Marie-Jeanette Ferch, Moderatorin Alexandra Polzin sowie aus der Gastronomie Petra Reinbold (Franziskaner und Schützen-Festzelt) und Florian Geiger (Bräustüberl Maxlrain).
Warum es analoge Netzwerke weiterhin braucht
Ob persönliche Begegnungen in Zeiten sozialer Netzwerke noch nötig sind, beantworteten mehrere Gäste eindeutig. Dr. Kunkel lobte: „Wie wenige andere Akteure im deutschen Kunsthandel versteht es Frau Dr. Sonja Lechner gezielt Kontakte zwischen Sammlern, Galeristen und Künstlern herzustellen, die zum Wohle aller Beteiligten sind und ein Maximum an Synergien erzeugen.“
Achim Hochdörfer, in dessen Museum Brandhorst der Art Lunch vor drei Jahren zu Gast war, betonte den Austausch zwischen Kunst und Wirtschaft: „Die gezielte Förderung von Kunst und Kulturschaffenden lebt vom Dialog – umso wichtiger sind Plattformen wie der Art Lunch, die inspirierende Netzwerke knüpfen und Brücken zwischen Wirtschaft und Kunst schlagen.“ Auch Marianne Wille sah das so: „Kunst braucht Netzwerk, um sichtbar zu werden, um Vertrauen zu schaffen, damit Ankäufe, Ausstellungen und Förderungen zustande kommen.“

Führung statt RedeÜblicherweise greift Dr. Lechner bei ihren Art Lunches in einer Rede Themen der Zeit auf, vom Frieden nach dem russischen Überfall auf die Ukraine über Empathy Economy und Gleichberechtigung bis zu ihrem Einsatz für Medienkompetenz als Schulfach. Diesmal verzichtete sie darauf, wie sie mit einem Lachen erklärte: „Ich habe schamlos ausgenutzt, dass meine Gäste gezwungen sind, mir zuhören zu müssen, und in den letzten 12 Jahren so gut wie alles thematisiert, was mir an Postulaten auf der Seele lag – dieses Jahr führe ich jedoch persönlich durch die Kunstsammlung und nötige den Gästen daher keine zusätzliche Rede auf.“
Bei der anschließenden Führung zeigte sich, wie breit die Sammlung angelegt ist: Arbeiten von Studierenden der Akademie der Bildenden Künste hängen gleichberechtigt neben Werken von Pablo Picasso, Victor Vasarely, Andy Warhol, Gabriele Münter, Katharina Grosse, Thomas Ruff, Candida Höfer und Alex Katz.
Die Sammlung ist auch für die Öffentlichkeit zugänglich, eine Besichtigung ist nach Voranmeldung bei Florian Kestler unter Florian.Kestler@wts.de möglich. Laura Schieferle vom Kunstareal München fasste zusammen: „Wo so viele Menschen zusammenkommen wie bei Sonja Lechners Art Lunches, ist spürbar: Hier bewegt sich etwas, hier passiert Relevantes. Das gilt für die Kunst ebenso wie für ihre Förderung.“

Zum Abschied erhielten die Gäste einen Katalog der WTS-Sammlung sowie die Geschenke der Partner und die Hefte der Medienpartner. Ganz im Sinne von Joseph Beuys stand an diesem Mittag die menschliche Kreativität im Mittelpunkt.
©Fotos: Frank Rollitz




