Bei strahlend blauem Himmel setzte sich am Sonntag, 20. September 2026, kurz nach 10 Uhr der Trachten- und Schützenzug am Max-II-Denkmal in der Maximilianstraße in Bewegung. Rund 8.300 Mitwirkende aus 148 Gruppen zogen in 50 Zugnummern auf der etwa sieben Kilometer langen Strecke durch die Innenstadt bis zur Theresienwiese, zu Fuß, hoch zu Ross, in Kutschen und auf geschmückten Festwagen. Nach Angaben der Polizei verfolgten rund 180.000 Zuschauer den Umzug entlang der Strecke, manche hatten für den besseren Blick sogar eigene Leitern mitgebracht.
Das neue Münchner Kindl an der Spitze
Traditionell eröffnete die Reiterstaffel des Polizeipräsidiums München den Festzug. Nach dem Jugendmusikkorps Bad Kissingen ritt erstmals Sina Hochreiter als neues Münchner Kindl auf einem Pferd der Spatenbrauerei voran. Es folgten die Münchner Moriskentänzer der Technischen Universität München, das Marionettentheater und ein Wagen des Circus Krone.
Ehrengäste in den Festkutschen
In den Festkutschen fuhr die Spitze aus Stadt und Land mit. Oberbürgermeister Dominik Krause, seit Mai 2026 im Amt, startete in der Ehrenkutsche, musste den Zug am Odeonsplatz jedoch wegen Kreislaufproblemen verlassen. Sein Sprecher Ulrich Lobinger gab Entwarnung: „Er pausiert deswegen jetzt, damit er morgen wieder fit ist. Halb so wild.“
In einer eigenen Kutsche fuhren Ministerpräsident Markus Söder und seine Frau Karin Baumüller-Söder. Die Zweite und die Dritte Bürgermeisterin, Mona Fuchs und Verena Dietl, teilten sich eine Kutsche, begleitet von der Stadtwache der Würmesia.
Rheinische Farbe: die Kölsche Funke rut-wieß
Für eine Überraschung sorgte ein Gast aus dem Rheinland: Erstmals reihte sich die Kölsche Funke rut-wieß von 1823 in den Zug ein. Das älteste Traditionskorps des Kölner Karnevals trägt Uniformen in den Stadtfarben Rot und Weiß, einst als Persiflage auf die früheren Kölner Stadtsoldaten entstanden. Seit über 200 Jahren pflegen die Roten Funken Humor, Brauchtum und kölsche Lebensart und brachten so ein Stück Karneval auf Münchens Straßen. Ebenfalls weit gereist war die Stadtgarde zu Pferd Weingarten, die mit Reiter- und Fanfarencorps sowie Lanzenreitern anrückte. Der Bayerische Jagdverband war mit Jagdhunden und Greifvögeln vertreten.
Eine Besonderheit des Jahres 2026 war der Fachverein der Schäffler Münchens: Der historische Schäfflertanz wird nur alle sieben Jahre aufgeführt und geht auf eine über 500 Jahre alte Münchner Tradition zurück. Mehrere Gruppen feierten zudem Jubiläum.
Die Musikkapelle Fischbachau besteht seit 175 Jahren, der Chiemgau-Alpenverband für Tracht und Sitte seit 100 Jahren, das Tiroler Schützenviertel Unterland und die Riesengebirgs-Trachtengruppe München jeweils seit 60 Jahren. Die Frauen der Riesengebirgler erkennt man an ihrer Dreistück-Haube mit Goldborte.
Neben 6.653 Mitwirkenden aus Bayern und 765 aus dem übrigen Bundesgebiet brachten rund 850 Gäste Trachten und Traditionen aus Österreich, den Niederlanden, Polen, Slowenien, Kroatien und der Schweiz mit. Aus Oberösterreich kam die Trachtenmusikkapelle Frankenburg, aus Lessach die Trachten- und Schützenmusikkapelle Lessach samt Historischer Schützenkompanie. Die Folkloregruppen der Kroatischen Katholischen Gemeinde München und der Slowenische Kulturverein LIPA München zeigten die Vielfalt der Münchner Stadtgesellschaft. Insgesamt waren knapp 3.000 Musikerinnen und Musiker sowie mehr als 1.200 Sport- und Gebirgsschützen angekündigt, dazu die Prachtgespanne der sechs Münchner Oktoberfestbrauereien.
Tradition seit 1835
Seinen Ursprung hat der Festzug im Jahr 1835, als zur Silberhochzeit von König Ludwig I. und Therese von Bayern mehr als 1.000 Mitwirkende mit 86 Wagen Szenen aus dem Königreich darstellten. Seit 1948 findet der Zug jährlich statt, seit 1956 liegt die Organisation beim Festring München e.V. Eindrücke vom diesjährigen Umzug zeigt die Fotogalerie zu diesem Beitrag.
Fotogalerie: Einzug der Wiesnwirte 2026
Eine Auswahl von Bildern vom Trachten- iund Schützenzug zeigt die Fotogalerie (Fotos: Ingrid Grossmann, Martin Schmitz)
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