Mit Geld kann man bekanntlich vieles kaufen. Eine 127 Meter lange Yacht zum Beispiel, fast doppelt so groß wie ein Airbus A380. Oder gleich noch ein Begleitschiff mit Hubschrauberlandeplatz dazu, falls der Champagner-Nachschub einmal per Luftweg eingeflogen werden muss. Jeff Bezos hat beides. Noch. Denn angeblich steht das schwimmende Monument der Selbstüberschätzung inzwischen zum Verkauf.

Die Yacht trägt übrigens den Namen „Koru“, was in der Maori-Sprache „Spirale“ bedeutet, laut Beschreibung eine luxuriöse Spezialanfertigung und das persönliche Prestigeprojekt des Amazon-Gründers. Und tatsächlich: Wer dieser Tage zwischen Saint-Tropez, Sainte-Maxime und Cannes unterwegs ist, kann die „Koru“ fast täglich beobachten.

Es wirkt ein wenig wie eine Vorführfahrt eines Gebrauchtwagenhändlers – nur dass der Verkäufer diesmal der drittreichste Mann der Welt ist und der „Vorführwagen“ rund 550 Millionen Euro kosten soll. Im Bundle, versteht sich. Das Beiboot Abeona, eine etwa 75 Meter lange Support-Yacht mit Helikopterlandeplatz schlägt nämlich nochmal mit schlanken 78 Millionen extra zu Buche. Zubehör kostet eben.

Blick von unserem Frühstückstisch: Jeff Bozos "Koru" unterwegs zwischen St Tropez und Cannes (©Foto: Marikka-Laila Maisel)
Blick von unserem Frühstückstisch: Jeff Bozos „Koru“ unterwegs zwischen St Tropez und Cannes (©Foto: Marikka-Laila Maisel)

Man könnte meinen, Bezos habe erkannt, dass man mit einem Poser-Schiff im Mittelmeer inzwischen nicht mehr automatisch als König der Küste gilt. In Venedig, bei seiner Hochzeit im vergangenen Jahr, lag die Yacht vorsichtshalber außer Sichtweite. Wahrscheinlich wollte niemand riskieren, dass die Gondeln plötzlich wie Tretboote wirken.

Und in Monaco zum Grand Prix soll er zuletzt mit seinem XXL-Spielzeug angeblich gar keinen Platz mehr bekommen haben. Das muss bitter sein: Da besitzt man ein Schiff, das größer ist als manche Kreuzfahrtdampfer der 90er Jahre – und dann heißt es im Hafen sinngemäß: „Tut uns leid, heute nur Smart-Parkplätze frei.“

Überhaupt hat es die Superreichen-Szene nicht leicht. Früher genügte eine Villa mit Infinity-Pool. Heute braucht man zusätzlich ein Segelschiff mit drei Masten, ein Begleitschiff für den Hubschrauber, eine Crew in Mannschaftsstärke eines Bezirksligisten und wahrscheinlich noch einen eigenen Floristen für die Orchideen im Spa-Bereich.

Jeff Bozos "Koru" unterwegs zwischen St Tropez und Cannes (©Foto: Marikka-Laila Maisel)

Und billig ist der Spaß auch nicht. Rund 30 Millionen Dollar Unterhalt, Liegegebühren und Betriebskosten pro Jahr sollen anfallen. Irgendwie muss das Geld ja wieder reinkommen. Deshalb kann man die Yacht inzwischen wohl auch mieten – für etwa 3 Millionen pro Woche – munkelt man unter den Einheimischen. Ohne das Beiboot wohlgemerkt. Das kostet vermutlich extra, ähnlich wie Winterreifen bei deutschen Autohändlern.

Man fragt sich ohnehin, was man auf so einem Schiff den ganzen Tag macht. Nach zehn Minuten hat man das Meer gesehen. Nach zwanzig Minuten den Whirlpool ausprobiert. Nach dreißig Minuten die Crew kennengelernt. Danach bleibt eigentlich nur noch, langsam an Saint-Tropez vorbeizufahren und darauf zu hoffen, dass irgendjemand mit dem Handy filmt und denkt: „Wow.“

Vielleicht ist genau das das Problem mit solchen Mega-Yachten. Sie sind keine Schiffe mehr, sondern schwimmende Instagram-Kommentare. Sehr teuer, sehr groß, sehr sichtbar – und gleichzeitig verzweifelt bemüht, Eindruck zu machen.

Und irgendwo zwischen Cannes und Monaco tuckert sie nun durchs Mittelmeer, die wahrscheinlich teuerste Verkaufsanzeige der Welt. Vielleicht mit einem diskreten Schild am Heck:

„Wenig gefahren. Nur von Milliardär genutzt.“

(Text: eigene, ausführliche Gedanken / Lästereien, ChatGTP zu Verfeinerung vorgeworfen)